Britischer Starkoch : Jamie Oliver will Deutsche schlankkochen

Chefkoch im besonderen Einsatz: Jamie Oliver setzt seinen internationalen Feldzug gegen schlechte Küche und dicke Bäuche fort. Jetzt ist Deutschland an der Reihe - er will vor allem männliche Kochmuffel an den Herd bringen.

Frank Christiansen[dpa]
Jamie Oliver
Jamie Oliver bei seinem Koch-Workshop in Düsseldorf. -Foto: dpa

DüsseldorfDem britischem Star-Koch Jamie Oliver (33) sind zu viele Deutsche zu dick. "Deutschland ist beim Anteil der Übergewichtigen auf Platz 3 in der Welt vorgerückt - ich finde das alarmierend", sagte Oliver, dessen Kochsendungen in 106 Ländern der Welt ausgestrahlt werden. Nachdem er einen Feldzug gegen das schlechte Essen in britischen Schulkantinen gestartet hat, ist Oliver jetzt in Deutschland missionarisch gegen Fastfood und Junkfood im Einsatz. Seine neue Zielgruppe: Männliche Kochmuffel. Sein Motto: "Jeder kann kochen." Am Donnerstagabend sollte seine Show "Das Jamie Oliver Dinner" in Frankfurt Deutschland-Premiere feiern.

In Düsseldorf greift Oliver persönlich zur Pfanne, um eine Hühnerbrust platt zu hauen. Mit 100 blutigen Anfängern hat der Kult-Koch gebrutzelt, um herauszubekommen, wie sich der küchenscheue Mann am schlausten an den Herd locken lässt. Entstanden sind Gerichte nach dem Prinzip: "Schnell, einfach, lecker und günstig". Unter der Anleitung des Turnschuh-Kochs verwandeln sich in wenigen Minuten Nicht-Köche zu Koch-Lehrern. Einmal zuschauen - dann soll man die Gerichte seinen Freunden beibringen.

Fleisch mit der Bratpfanne flach klopfen

Auf die Hühnerbrust werden Salz, Pfeffer und Thymian geträufelt, dann Zitronenschale und Parmesan geraspelt. Obendrauf kommt Parmaschinken, schließlich wird das Ganze mit der schweren Pfanne platt gehauen. Während das Fleisch in der Pfanne mit Olivenöl anbrät, wird schnell der Salat mit Dressing komplettiert. "Es würde noch einfacher gehen, aber es soll ja auch ein bisschen sexy sein." In knapp fünf Minuten ist das Essen auf dem Tisch. "Männer brauchen schnelle Erfolgserlebnisse. Sie verändern ihre Einstellung zum Kochen mit dem Erfolg."

Sein Thema sei Fehlernährung, Übergewicht und die Volksgesundheit, beteuert der charismatische Brite. Mit der Gesundheit sei es auch in Großbritannien nicht allzu gut bestellt, seit weite Bevölkerungsteile das Kochen verlernt haben. In seinem Anspruch ist der Überzeugungstäter unbescheiden. Er wolle eine Lawine anstoßen, eine Massenbewegung auslösen: die massenhafte Rückkehr an den eigenen Herd.

Auslöser seiner Kampagne sei eine regelrechte Sinnkrise gewesen, verrät der Besitzer einer Reihe von Restaurants, in denen arbeitslose Jugendliche zu Köchen ausgebildet werden: "Ich habe mich gefragt: Was ist mein Job? Spielt es eine Rolle, ob man kochen kann? Müssen wir wirklich kochen lernen?", sagt ausgerechnet der Koch, der im Fernsehen mit seiner enormen Zuschauerquote eine Flut von Kochsendungen auslöste, dessen Bücher sämtlich Bestseller wurden und der längst Multimillionär ist.

Überzeugungstäter am Herd

Inzwischen ist Oliver von der Sinnhaftigkeit seines Tuns offenbar überzeugter denn je: "Die schlechte Gesundheit vieler Menschen hängt mit ihrer Unfähigkeit zu kochen zusammen." Seine Philosophie laute: "Kümmert euch um eure Freunde. Bringt ihnen das Kochen bei. Schließlich sind wir verantwortlich für das Wohlergehen unserer Familien und unserer Freunde."

Er berichtet von einem 86-Jährigen, der sein Leben lang von Mutter und Gattin bekocht wurde und der auf seine alten Tage noch Begeisterung am Herd entwickelte. Auch wenn es mit der Massenbewegung nicht klappen sollte - die Zahl seiner bislang 14 Millionen verkauften Kochbücher, davon zwei Millionen in Deutschland, wird sich bei soviel Überzeugungskraft wohl noch erhöhen.

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