Britisches Königshaus : Die ewige Queen

Die Queen bricht den Rekord: Königin Elizabeth II. ist älteste Monarchin der Geschichte Großbritanniens. Feiern will sie dieses Ereignis aber nicht.

Katherine Haddon[AFP]
Queen
Besonderer Tag. Heute hat die Queen einen Rekord gebrochen. Sie ist die älteste Monarchin der Geschichte. -Foto AFP

LondonEs gilt als unhöflich, das Alter einer Dame zu erwähnen, aber bei der britischen Königin Elizabeth II. darf seit heute eine Ausnahme gemacht werden: Um 18 Uhr überholte die 81-jährige Monarchin ihre Ururgroßmutter, die legendäre Königin Victoria, als älteste Monarchin der Geschichte Großbritanniens. Für den Thronrekord muss "Lillibet" allerdings noch etwas länger durchhalten: Erst am 9. September 2015 wäre die Regierungszeit Victorias eingeholt, die fast 64 Jahre an der Spitze des Empires stand.

Victoria starb 1901 im Alter von 81 Jahren, sieben Monaten, vier Wochen und einem Tag. Diesen Meilenstein ließ die Queen nun hinter sich. Feiern gab es aus diesem Anlass nicht. "Das ist nur ein weiterer normaler Arbeitstag für die Queen", sagte eine Palastsprecherin. Elizabeth habe nicht gefeiert, sondern Weihnachtspost und anderen Papierkram erledigt.

Kein Rückzug geplant

Aber innegehalten hat die seit 1952 herrschende Queen vielleicht doch angesichts ihres Rekords. Immerhin elf Premierminister hat sie kommen und gehen sehen, der erste von ihnen war Winston Churchill. Sie ist zudem die erste Königin, die mit einem in ihrer Amtszeit geborenen Premierminister regierte, Tony Blair.

Trotz ihres Alters macht die Queen im übrigen kaum Anstalten, einen Gang zurückzuschalten. Im November reiste sie mit Prinz Philip, mit dem sie bereits seit 60 Jahren verheiratet ist, zum Gipfel der Staats-und Regierungschefs der Commonwealth-Länder in Uganda. 425 offizielle Verpflichtungen nahm sie 2006 wahr.

Prinz Charles wächst in die Rolle als Nachfolger

"Selbst wenn man den medizinischen Fortschritt seit Victorias Zeiten berücksichtigt, ist es beachtlich", sagte der Historiker Peter Hennessy der Zeitung "Daily Telegraph" mit Blick auf die Leistungen der Queen. "Ich kenne keinen anderen Chef einer Institution, der sich über solch eine lange Zeit keine Fehler erlaubt hat." Elizabeth habe den Verlust von Großbritanniens Supermachtstatus würdevoll gemeistert. "Die Art und Weise, wie sie sich angepasst hat, ohne jedem Trend hinterherzulaufen, das ist die Gabe eines Genies", schwärmt der Professor für zeitgenössische britische Geschichte an der Universität London.

Trotz des noch immer randvollen Terminkalenders der Queen und trotz ihres hohen Ansehens in der Bevölkerung beginnt die Monarchin offenbar, die Zeit nach ihr vorzubereiten. So durfte Thronfolger Prinz Charles, immerhin auch schon 59 Jahre alt, seine Eltern im November erstmals zu einem Commonwealth-Gipfel außerhalb Großbritanniens begleiten, dem Zusammenschluss von 53 zumeist ehemaligen britischen Kolonien, deren Oberhaupt Elizabeth ist.

Abdanken kein Thema

Der Gedanke an Charles' Thronbesteigung dürfte der Queen heute weniger Sorgen bereiten als noch vor ein paar Jahren. Das Ansehen des Thronfolgers in Großbritannien hat sich verbessert. Es ist ihm gelungen, seine zweite Ehefrau Camilla, mit der er noch während seiner ersten Ehe mit Prinzessin Diana eine Affäre hatte, in die königliche Familie zu integrieren. Camilla selbst engagiert sich unaufdringlich für wohltätige Zwecke und hat allem Anschein nach ein gutes Verhältnis zu ihren Stiefsöhnen Prinz William und Prinz Harry.

Die Briten werden dadurch langsam warm mit Camilla, die von Diana einst als "Rottweiler" verspottet worden war. Rund 28 Prozent wünschen sie sich mittlerweile sogar als Königin, wenn Charles das Zepter übernimmt. 2005 waren es gerade mal sieben Prozent.

Insider glauben jedoch keineswegs, dass die Queen ihr Amt vorzeitig niederlegt. Zu schmerzhaft ist die Abdankung von Edward VIII. im Jahr 1936 in Erinnerung, die Elizabeths Vater auf den Thron brachte. "Ich denke nicht, dass Abdanken für die Queen ein Thema ist oder etwas, über das sie überhaupt nachdenkt", sagt Robert Jobson, Journalist und Autor eines Buchs über die königliche Familie. "So lange sie bei guter Gesundheit bleibt, wird sie bis zu ihrem Todestag Königin bleiben."

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