Brüssel : Provokante Installation blamiert Prager EU-Vorsitz

Bulgarien hat die Form eines Steh-Klos, Spanien ist völlig zubetoniert: Seit Dienstag hängt die Installation "Entropa" des tschechischen Künstlers David Cerny im Brüsseler EU-Ratsgebäude. In Prag zeigt man sich davon "unangenehm überrascht".

Albrecht Meier
Entropa
Empört Kritiker. Die Installation »Entropa« im Brüsseler EU-Hauptquartier. -Foto: dpa

BerlinBulgarien hat die Form eines Steh-Klos, Spanien ist völlig zubetoniert, über dem Baskenland schwebt eine Bombe. Und Frankreich ist von einem Banner mit der Aufschrift „Streik“ verdeckt. So sieht Europa in den Augen des tschechischen Künstlers David Cerny aus. Seit Dienstag kann man seine Installation „Entropa“, die die Klischees zu den einzelnen EU-Ländern bedient, im Brüsseler Ratsgebäude bewundern – oder sich darüber aufregen. In jedem Fall stellt Cerny mit seiner Installation die Humorfähigkeit der Europäer auf die Probe. Und nicht zuletzt auch die gegenwärtige tschechische Ratspräsidentschaft.

Der Prager EU-Vorsitz ist in arge Erklärungsnöte gekommen, seit sich herausgestellt hat, dass der Künstler Cerny die Öffentlichkeit mit seinen Angaben zu der Installation an der Nase herumgeführt hat. Eigentlich hatte die tschechische EU-Präsidentschaft Künstler aus allen 27 europäischen Mitgliedsländern an dem Werk beteiligen wollen, das nun das kahle Brüsseler Ratsgebäude ziert. In der Begleitbroschüre, die von Cerny selbst verfasst worden war, sind auch Künstler aus den 27 EU-Staaten aufgeführt – für Deutschland war etwa ein Mann namens „Helmut Bauer“ ans Werk gegangen, für Österreich eine „Sabrina Unterberger“. Dumm nur, dass es diese Künstler gar nicht gibt. Cerny hat die Installation, die an einen Modellbausatz erinnert, ganz allein entworfen. Tschechiens Europaminister Alexandr Vondra reagierte empört, als der Schwindel aufflog. Cerny habe seinen Auftrag nicht erfüllt, erklärte der Vize-Regierungschef, er sei „unangenehm überrascht“.

Die Provokation ist dem renommierten Künstler Cerny, dessen Bronzefigur eines vierbeinigen „Trabbi“ heute als Kopie im Park der deutschen Botschaft in Prag steht, in jedem Fall gelungen. Bulgarien protestierte offiziell gegen das Stehklosett in der Installation. Aber auch für andere EU-Länder sind die Darstellungen wenig schmeichelhaft. Polen erscheint in „Entropa“ in der Form von Priestern, die mit einer „Gay Pride“-Fahne über einen Morast waten. Die Niederlande liegen bis auf die Minarette mehrerer Moscheen unter Wasser – ein Verweis auf die vieldiskutierte „Parallelgesellschaft“ in dem europäischen Gründungsstaat.

An der Stelle, wo Großbritannien seinen Platz haben könnte, erscheint nichts – offensichtlich eine Anspielung auf die Tatsache, dass sich manche Briten bis heute nicht so ganz zugehörig zur EU fühlen. Mehrere Deutungen lässt auch das deutsche Segment in Cernys Modellbausatz zu. Das Land steht im Zeichen seiner Autobahnen. Wer will, kann in der Anordnung der Fahrbahnen auch ein Hakenkreuz erkennen.

Der tschechische Beitrag zu den Europa-Stereotypen blieb zunächst unklar. In Brüssel hieß es am Mittwoch, bei der eigentlich für diesen Donnerstag vorgesehenen offiziellen Einweihung der Installation sei vorgesehen, europakritische Zitate des Präsidenten Vaclav Klaus einzuspielen.

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