Brustimplantate : Gefährliche Täuschung

Französischer Hersteller von Brustimplantaten gibt zu, Behörden bewusst betrogen zu haben.

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Jean-Claude Mas (Archivbild) mit einem seiner Implantate. Foto: AFP
Jean-Claude Mas (Archivbild) mit einem seiner Implantate. Foto: AFPFoto: AFP

Neue Wende im Skandal um die als gesundheitsschädlich verdächtigten Brustimplantate der französischen Firma Poly Implant Prothèse: Jean-Claude Mas, der Gründer des Unternehmens Poly Implant Prothèse (PIP), hat zugegeben, dass er Gesundheitsbehörden, Kontrollinstanzen und Abnehmer über die wahre Beschaffenheit der von ihm produzierten Prothesen bewusst getäuscht habe.

Das berichten jetzt französische Medien unter Berufung auf Aussagen, die der 72-jährige Mas bereits 2010 in einer polizeilichen Untersuchung machte. Für die Anfertigung seiner Prothesen habe er statt des von der französischen Agentur für die Sicherheit von Medikamenten und Medizinprodukten genehmigten Silikon eines US-Herstellers ein hausgemachtes Gel verwendet. „Ich wusste, dass dieses Gel nicht zugelassen war, aber ich habe es bewusst getan, denn das PIP-Gel war billiger“, sagte er den Ermittlern. Schon 1993, lange bevor seine inkriminierten Prothesen vermarktet wurden, habe er die Anweisung erteilt, bei Kontrollen durch den deutschen Prüfdienst TÜV-Rheinland „die Wahrheit zu verheimlichen“. In der Vernehmung bestand Mas darauf, dass sein Gel „von viel besserer Qualität“ sei und die Prothesen „keinerlei Risiko für die Gesundheit“ darstellten.

Bis zu 400 000 Frauen in aller Welt wurden PIP-Prothesen implantiert. In zahlreichen Fällen platzten die Implantate, was Entzündungen hervorrief und vermutlich auch zu zwanzig Krebserkrankungen führte, eine davon mit Todesfolge. 30 000 Frauen in Frankreich wurden von den Gesundheitsbehörden auf gerufen, sich die Prothesen wieder herausoperieren zu lassen. Zu den Klagen, die von bisher 2400 Frauen bei der Staatsanwaltschaft in Marseille gegen ihn eingereicht wurden, sagte Mas, das seien Klagen von „fragilen Personen oder solchen, denen es ums Geld geht“.

Thierry Brinon, ein früherer technischer Direktor bei PIP, sagte in der Untersuchung aus, „die einzige Motivation“ der Betrügereien des Firmenchefs sei es gewesen, „die Rentabilität des Unternehmens zu erhöhen“. Der ehemalige PIP-Finanzdirektor Claude Couty gab zu Protokoll, das Silikon der US-Firma Nusil sei zehnmal teurer gewesen als das von der deutschen Firma Brenntag bezogene und eigentlich für Industriezwecke bestimmte Material. Die Betrügereien seien leicht zu verbergen gewesen, „da der TÜV seine Kontrollen jeweils zehn Tage im voraus ankündigte“. Als sich infolge des Reißens der Implantate die Beschwerden häuften, habe PIP den Patientinnen Schadenersatz geleistet.

Der Skandal flog auf, nachdem die Medikamentensicherheitsbehörde 2010 auf wiederholte Hinweise eines Marseiller Chirurgen reagierte. Bei der Kontrolle, die die Agentur bei PIP vornahm, wurden den Inspektoren gefälschte Unterlagen vorgelegt. Nur dank der Indiskretion eines Mitarbeiters kamen sie dem Schwindel auf die Spur. Nach der folgenden gerichtlichen Liquidation seines Unternehmens 2010 war gegen Mas und mehrere seiner Mitarbeiter eine Untersuchung eröffnet worden, die erst im vergangenen Oktober abgeschlossen wurde und Ende 2012 zu einem Gerichtsverfahren wegen „Täuschung und schweren Betrugs“ führen soll. Zusätzlich wurde eine Untersuchung wegen „Körperverletzung und fahrlässiger Tötung“ gegen ihn eingeleitet.

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