Welt : BSE: England-Urlauber dürfen kein Blut spenden

Adelheid Müller-Lissner

Wer sich zwischen 1980 und 1996 insgesamt länger als sechs Monate im Vereinigten Königreich (Großbritannien und Nordirland) aufgehalten hat, sollte aus Gründen der Risikovorsorge bis auf Weiteres auch in Deutschland von Blut- und Plasmaspende ausgeschlossen werden. Eine entsprechende Stellungnahme hat der Arbeitskreis Blut auf seiner Sitzung am Dienstag beschlossen. Dem Arbeitskreis Blut gehören wichtige Gesundheitsbehörden des Bundes an, unter anderen das für die Bekämpfung von Infektionskrankheiten verantwortliche Robert-Koch-Institut in Berlin.

"Bei dieser Empfehlung handelt es sich um eine Vorsichtsmaßnahme, da sich das Risiko der Übertragung der neuen Variante der Creutzfeld-Jakob-Krankheit (vCJK) durch Blut nicht völlig ausschließen lässt", erklärte der Vorsitzende des Gremiums und stellvertretende Direktor des Robert Koch-Instituts, Professor Reinhard Burger. Bislang wurde allerdings beim Menschen kein Fall beobachtet, in dem die krankheitsauslösenden Prionen durch Blut übertragen worden wären.

Der Arbeitskreis Blut appelliert außerdem an die Blutspendedienste, in denen die spätestens zum 1. 10. 2001 vorgeschriebene Leukozytendepletion bislang noch nicht durchgeführt wird, diese so früh wie möglich vorzunehmen und nicht wegen der höheren Kosten zu verschieben. Durch die Leukozytendepletion werden die weißen Blutkörperchen aus dem Spenderblut entfernt; das ursprünglich im Zusammenhang mit Leukozyten-assoziierten Nebenwirkungen diskutierte Verfahren soll auch das Risiko einer Prionenübertragung verringern. Grundlage der Empfehlungen sind neue - wenn auch eher vorläufige - wissenschaftliche Ergebnisse zu möglichen Übertragungswegen des BSE-Erregers und die signifikant steigende Anzahl an Fällen der neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJK) im Vereinigten Königreich; vCJK wurde wahrscheinlich durch den Verzehr von Nahrungsmitteln ausgelöst, die Material von BSE-infizierten Rindern enthielten, vor allem zwischen 1980 und 1996. Frühere Untersuchungen in verschiedenen Tiermodellen wiesen bereits darauf hin, dass geringe Mengen des Erregers im Blut vorkommen können. Wie die jüngst in "Lancet" publizierten vorläufigen Ergebnisse zu zeigen scheinen, kann diese Menge zur Infektion des Empfängers durch eine Bluttransfusion ausreichen.

Der Arbeitskreis Blut hat die vorläufigen Daten aus England angesichts der potentiellen Bedeutung ernst genommen, da erstmals die Übertragung des BSE-Erregers während der symptomlosen Inkubationszeit ohne Artenbarriere (zwischen Schafen, durch Bluttransfusion) und durch natürlich vorkommenden Übertragungsweg (Verfütterung von Hirn) möglich zu sein scheint. Bei der klassischen Form der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit gibt es dagegen keinerlei Hinweise für eine Übertragbarkeit durch Blut oder Blutprodukte.

Freiwillige BSE-Prüfung

Mülheim/Ruhr (AP). Rindfleisch mit BSE-Test: Ein solches Angebot muss man in Deutschland noch mit der Lupe suchen. Trotz immer neuer Schreckensmeldungen aus Großbritannien und Frankreich gibt es in Deutschland bisher nur stichprobenartige Untersuchungen auf Rinderwahn. Dass es auch anders geht, beweist die Mülheimer Metzgerei der Brüder Heinz-Günter und Frank Nieß. Seit September geht dort kein Stück Rindfleisch über die Verkaufstheke, das nicht vorher auf den Auslöser des tödlichen Rinderwahns getestet wurde.

Schon bei der Schlachtung im Essener Schlachthof entnehmen die Brüder Proben vom Gehirn des Tieres und schicken es per Express zu einem Spezialinstitut nach München. Nach 24 Stunden liegt das Ergebnis des Gen-Tests vor. Erst dann kommt das Fleisch für Weiterverarbeitung und Verkauf in die Metzgerei. Der Test kostet rund 100 Mark pro Tier. "Der Verkaufspreis erhöht sich dadurch vielleicht um 30 Pfennig pro Kilo", schätzt Nieß.

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