Welt : BSE: Rind über den Wolken

Rainer W. During

Eigentlich roch die Mahlzeit lecker, die letzten Dienstag an Bord des Lufthansa-Fluges LH 3443 von Athen nach München serviert wurde. Doch bei näherer Betrachtung verging Frauke T. der Appetit. Auf dem Tablett befand sich Rindfleisch, und das war angesichts der aktuellen BSE-Diskussion nun wirklich nicht nach ihrem Geschmack.

"Das gibt es bei uns jeden Tag", erklärte eine Stewardess, als auch andere Passagiere kritisch nachfragten und versicherte den Reisenden, das Beef stamme aus Argentinien. Eine Alternative gebe es nicht.

Frauke T. bleib skeptisch, ließ das Essen zurückgehen und ging mit knurrendem Magen von Bord, nachdem sie ein Beschwerdeformular ausgefüllt hatte. "Ich empfinde das als Geschmacklosigkeit", sagte sie dem "Tagesspiegel" und wirft der Lufthansa "wenig Instinkt für das Verbraucherempfinden" vor.

Bei den Fluggesellschaften wird mit dem Thema sehr unterschiedlich umgegangen, ergab eine Tagesspiegel-Umfrage. Das sogenannte Catering für LH-Flug 3443 erfolgte durch Olympic in Athen. Zwei der vier Gerichte, die abwechselnd auf dieser Route angeboten werden, enthalten Rindfleisch. Eine Auswahlmöglichkeit besteht bei Europaflügen in der Economyklasse nicht. In der teureren Businessklasse können die Reisenden dagegen alternativ Shrimps oder Straußenfilet wählen.

"Die Reaktion der Passagiere ist sehr unterschiedlich" sagt Alfred Rigler, bei der Lufthansa-Tochter LSG für den Bordservice verantwortlich. Man sieht keinen Anlass, Rindfleisch grundsätzlich aus dem Angebot zu nehmen. Von den Zulieferern wird aber ein Herkunftsnachweis verlangt. Beef aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich und den Beneluxländern kommt nicht aufs Tablett. Wer als Passagier sichergehen möchte, kann bis 24 Stunden vor Abflug eine Alternative wie Fisch oder vegetarische Kost bestellen.

"Wir haben sämtliche kritischen Produkte aus dem Sortiment genommen", betont Alexandra Konrad von der LSG Sky Chefs Holding, deren 200 weltweite Großküchen 260 Fluglinien mit rund 390 Millionen Bordmahlzeiten pro Jahr versorgen. In Großbritannien geht kein Rind mehr an Bord, in Deutschland nur argentinisches Beef. Das Kabinenpersonal erhält eine Info, um Passagierfragen zu beantworten. Gegenwärtig werden die einzelnen Airlines zu der Thematik befragt. Auch die Schweizer Konkurrenz Gate Gourmet, die über 200 Fluglinien beliefert, behält Rindfleisch laut Firmensprecher Bicolas Weidmann im Angebot, "solange es legal ist". Aufgrund "historischer Geschäftsbeziehungen" kauft man das Beef seit Jahrzehnten in Südamerika und Neuseeland. Die Kunden werden ständig über Qualität, Hygiene und Sicherheit informiert. Ob sie weiter Rindfleischgerichte anbieten oder Alternativen wählen, liegt in der Entscheidung der Airlines.

Für das Kabinenpersonal hat die BSE-Diskussion bisher zu keinen zusätzlichen Problemen an Bord geführt, sagtUwe Hien von der Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO. "Wir haben sofort umgestellt und bieten zur Zeit auf Flügen aus Deutschland kein Rindfleisch an", sagt Hannelore Zapf von der Lufthansa-Ferienflugtochter Condor. Auf Stationen im Ausland ist sichergestellt, dass nur argentinisches oder amerikanisches Beef an Bord kommt. "Wir beziehen unser Fleisch seit zehn Jahren aus Südamerika und sind jetzt dabei, Rind völlig aus dem Angebot zu nehmen", betont Pierre de la Motte von der LTU.

Bei der Air Berlin kommt seit Jahren nur Geflügel auf den Klapptisch, berichtet Peter Hauptvogel. Auf Flügen von mehr als dreieinhalb Stunden gibt es eine Menüauswahl, bei kürzeren Strecken können die Passagiere bei der Buchung unter verschiedenen Varianten wählen. Auch bei der Deutschen BA steht kein Rindfleisch auf der Speisekarte.

Bei British Airways hat man nach dem britischen auch das französisches Beef aus dem Angebot genommen, so Stefanie Schröder von der Pressestelle. Angeboten wird ausschließlich südamerikanisches Rind. Auf kürzeren Flügen besteht keine Menüwahl. Man kann jedoch bei der Reservierung Sonderwünsche äußern. Bei der holländischen KLM setzt man weiter auf getestetes Rind. Negative Reaktionen der Passagiere hat es nach Angaben einer Sprecherin bisher nicht gegeben.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben