Welt : Buenos Aires in Rauch gehüllt

Nach illegalen Brandrodungen sind in Argentinien zahlreiche Feuer außer Kontrolle geraten

Sandra Weiss

Gestrichene Flüge, abgesagte Rugby- und Fußballspiele, Ascheregen – seit Tagen befindet sich Buenos Aires im Ausnahmezustand. Ursache sind außer Kontrolle geratene Buschfeuer und eine dicke Rauchdecke, die seither die argentinische Hauptstadt einhüllt und sie so surreal wirken lässt wie London im Nebel. Überlandstraßen mussten wegen zu hoher Unfallgefahr geschlossen werden, da die Sicht nur wenige Meter betrug. Die Schulen setzten den Sportunterricht bis auf Weiteres aus.

Ein mehr als 200 Kilometer langer Streifen entlang des Rio de la Plata ist betroffen. Der Wind trug den Rauch sogar bis ins benachbarte Uruguay. Flug- und Schiffsverbindungen zwischen den Nachbarländern sind seither stark eingeschränkt. Landungen auf dem Stadtflughafen von Buenos Aires waren gar nicht möglich, einkommende Flüge mussten auf den außerhalb gelegenen internationalen Flughafen umgeleitet werden. Der beißende Rauch plagt die Einwohner. „Das ist unerträglich“, klagt Silvina aus einem ärmlichen Vorort der Hauptstadt. „Der Rauch beißt in den Augen, dringt durch alle Ritzen und setzt sich in den Kleidern fest.“

Viele der zwölf Millionen Einwohner der Metropole wagten sich nur noch mit Atemschutzmasken auf die Straße, andere klagten über Husten, Halsschmerzen und tränende Augen. Präsidentin Cristina Kirchner überflog am Wochenende mit einigen Ministern im Militärhubschrauber einen der rund 100 Brandherde nahe der Stadt Zarate, rund 60 Kilometer nördlich von Buenos Aires, und kam zu Beratungen mit einem extra wegen der Brände eingerichteten Krisenstab zusammen. Anschließend machte sie verantwortungslose Bauern für die irrationale Brandrodung verantwortlich und kündigte rechtliche Schritte an. Zwei mutmaßliche Brandstifter seien bereits festgenommen worden, wie die Justiz mitteilte. Es gebe Zeugen, Beweise und Geschädigte, sagte Innenminister Florencio Randazzo. Ein dritter Verdächtiger sei flüchtig.

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