• Bürgermeister Giuliani ist machtlos: Whitney Museum braucht keine Subventionen

Welt : Bürgermeister Giuliani ist machtlos: Whitney Museum braucht keine Subventionen

Viola Lesep

Ein neuer Kunstskandal erschüttert New York. Im vergangenen Herbst hatte, wie berichtet, die heftig umstrittene "Sensation"-Ausstellung einen erbitterten Streit zwischen Bürgermeister Giuliani und dem Brooklyn Museum of Art ausgelöst. Dieser hatte die zuvor auch in London und Berlin ausgestellten Werke als "krank" bezeichnet und die Subventionen für das Haus eingefroren; ein Schritt, der gerichtlich untersagt wurde, da er gegen das "First Amendment", das die Meinungsfreiheit garantiert, verstosse. Besonderen Unmut löste eine Darstellung der Jungfrau Maria aus, bei der unter anderem Kuhdung verwendet worden war. Andere Werke wurden als pornografisch gegeißelt. Jetzt werden sich Giulianis umstrittene Äusserungen zur "Sensation"-Ausstellung ihrerseits im Museum wiederfinden. Der aus Deutschland stammende Künstler Hans Haacke hat Giuliani-Zitate in Frakturschrift gesetzt und seine Installation mit dem Geräusch marschierender Stiefel unterlegt, wodurch er eine Nähe zu den Nazis herstellt.

Das Werk mit dem Titel "Sanitation" wird auf der am 23. März eröffnenden Biennale im Whitney Museum gezeigt werden und sorgt bereits jetzt für empörte Proteste. Bürgermeister Giuliani nannte es abstossend, erklärte jedoch, dass er keine Schritte gegen die Ausstellung plant - eine Entscheidung, die vor dem Hintergrund seiner gerichtlichen Niederlage gegen die "Sensation"-Ausstellung gesehen werden muss. Zudem finanziert sich das Whitney Museum nicht mit Hilfe städtischer Subventionen, weswegen dem Bürgermeister eine Handhabe für Sanktionen fehlt. Erbost über die geplante Ausstellung hat nun jedoch Marylou Whitney, Erbin der Gründerin des Museums und eine der Hauptsponsoren des Hauses, ihre finanzielle Unterstützung ausgesetzt und sich auch vom Vorsitz eines Vereins zur Aufbringung von Spendengeldern für das Museum zurückgezogen. Es gilt als sicher, dass die Ausstellung - wie zuvor "Sensation" - dank Giuliani enormes Publikumsinteresse finden wird.

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