Bürgermeisterwahl : Bill de Blasio - ein Linker für New York

Bill de Blasio hat deutsche Wurzeln und eine schwarze bekennende Ex-Lesbe als Frau – an diesem Dienstag will er zum Bürgermeister von New York gewählt werden. Der überzeugte Linke hat beste Chancen. So geht die Ära von Mike Bloomberg zu Ende, unter dem sich die Stadt nicht nur positiv entwickelt hat.

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Bill de Blasio mit Sohn Dante, Tochter Chiara und seiner Frau Chirlane McCray.
Bill de Blasio mit Sohn Dante, Tochter Chiara und seiner Frau Chirlane McCray.Foto: Getty Images/AFP

Eine Frisur hat ihn berühmt gemacht. Nicht seine eigene, wohlgemerkt, denn Bill de Blasio hat kurze, graue Haare – nichts Besonderes. Doch der 15-jährige Dante, der da in einem Wahlwerbespot die Vorzüge des Kandidaten pries, trägt einen gigantischen Afro. Dante ist de Blasios Sohn. Die Familie des Kandidaten ist so gemischt wie die von Barack Obama, der Bill de Blasio „meinen Freund“ nennt und im Wahlkampf unterstützt hat.

Dante de Blasio und sein Afro brachten den bis dahin recht blassen Kandidaten Bill kurz vor der Vorwahl der Demokraten in den Mittelpunkt eines hart umkämpften Feldes, in dem unter anderem die bisherige Sprecherin des New Yorker Stadtrats, Christine Quinn, und der notorische Exhibitionist Anthony Weiner um die Gunst der Wähler buhlten. Beide sind nur noch politische Fußnoten, doch Bill de Blasio ist auf dem Zenit: An diesem Dienstag werden ihn die New Yorker mit großer Wahrscheinlichkeit zum Bürgermeister wählen. In den Umfragen führt de Blasio mit 65:26 Prozent gegenüber seinem Kontrahenten Joe Lhota. Es könnte der deutlichste Sieg in Jahrzehnten werden.

Rudolph Giuliani und Michael Bloomberg haben New York hoch gebracht ...

Lhota droht eine große Schmach. Unter dem früheren Bürgermeister Rudy Giuliani saß er als Stellvertreter an den Hebeln der Macht, danach war er kurz Chef des Madison Square Garden und führte die – nicht unbedingt beliebte – Metropolitan Transportation Authority an, die sperrige New Yorker Verkehrsbehörde mit ihrem maroden U-Bahn- und Bussystem. Bei alldem war und ist Lhota Republikaner, und auf einen Republikaner haben die New Yorker keine Lust mehr. Erstmals seit 25 Jahren wollen sie wieder einen Demokraten zum Bürgermeister wählen – obwohl New York unter Giuliani und dem nun scheidenden Milliardär Mike Bloomberg einen atemberaubenden Aufstieg erlebt hat – vom schmuddeligen Großstadtslum, der mit einer erschreckenden Mordrate Schlagzeilen machte und lange als unregierbar galt, zu einer prachtvollen Stadt mit der niedrigsten Verbrechensrate unter den US-Metropolen. Es gibt hunderte neuer Parks, die Schulen sind besser geworden, und zuletzt etablierte Bloomberg noch ein erfolgreiches Bikesharing-Programm mit neuen Fahrradwegen.

... aber die Stadt ist vor allem für Reiche attraktiv geworden

Ein Vierteljahrhundert unter republikanischen Bürgermeistern hat New York in vielen Bereichen besser gemacht – aber auch teurer und reicher. Nirgends sonst in den USA prallt Arm und Reich gegeneinander wie im Big Apple. Eine einzige Straße reicht von der Prunkadresse 740 Park Avenue, wo mehr Milliardäre wohnen als irgendwo sonst auf der Welt, bis in den ärmsten Wahlkreis im Lande, der ein paar Meilen nördlich in der Bronx liegt. 45 Prozent der New Yorker leben in Armut, während die Banker der Wall Street und reiche Investoren aus Russland und den arabischen Ländern auf dem Immobilienmarkt zuschlagen. 50 000 New Yorker sind obdachlos. Das soziale Ungleichgewicht ist vielen New Yorkern ein Dorn im Auge – Bill de Blasio am meisten.

Bill de Blasio will die Reichen besteuern und Vorschulen für alle schaffen

Der 52-Jährige hat ein Herz für die Armen und Unterdrückten, kämpft für sie schon ein Leben lang. In den Achtzigern unterstützte er die revolutionären Sandinistas in Nicaragua – „Kommunisten“, wie ihm die Rechte vorwirft. Für New York plant de Blasio, den Reichen die Steuern zu erhöhen und das Geld in das öffentliche Schulsystem zu investieren. Jedes New Yorker Kind soll einen Vorschulplatz bekommen. De Blasio kämpft für sozialen Wohnungsbau und will die umstrittene „Stop-and-Frisk“-Taktik beenden, die der Polizei zuletzt erlaubt hat, Passanten ohne konkreten Verdacht anzuhalten und zu durchsuchen. Das Vorgehen sollte New York sicherer machen, stellt aber die Grundrechte der Bürger infrage und benachteiligt Schwarze, die überproportional durchsucht wurden.

Unter den Schwarzen in New York ist Bill de Blasio ebenso beliebt wie bei anderen Minderheiten. Kein Wunder: Mit seiner Familie – seine Frau Chirlane McCray, Dichterin und einst bekennende Lesbe, dazu die Kinder Dante und Chiara – lebt er seine Vision von New York als Schmelztiegel der Kulturen. Der Kandidat selbst hat übrigens deutsche und italienische Wurzeln. Geboren wurde de Blasio als Warren Wilhelm, er nahm allerdings nach der frühen Scheidung seiner Eltern den italienischen Namen seiner Mutter an.

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