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Bundesamt für Verbraucherschutz: : Hygieneverstöße in jedem vierten Lebensmittelbetrieb

Nach den Lebensmittelskandalen um das Berliner Schulessen und der Welle von EHEC-Erkrankungen 2011 hat das Bundesamt für Verbraucherschutz nun das Ergebnis einer groß angelegten Untersuchung bekanntgegeben: Jeder vierte Betrieb weist demnach Hygienemängel auf. Besondere Gefahren lauern beim Online-Handel.

Kontrolleure fanden 2011 in jedem vierten Lebensmittelbetrieb erhebliche Hygienemängel.
Kontrolleure fanden 2011 in jedem vierten Lebensmittelbetrieb erhebliche Hygienemängel.Foto: dpa

In mehr als jedem vierten Lebensmittelbetrieb haben amtliche Kontrolleure 2011 Verstöße festgestellt. Bei knapp 27 Prozent hätten die Kontrolleure Grund zur Beanstandung gehabt, erklärte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Mehr als die Hälfte der Verstöße entfiel auf den Bereich der Betriebshygiene. Rund ein weiteres Viertel der Beanstandungen betraf das Hygienemanagement wie unzureichende Eigenkontrollen und Mitarbeiterschulungen. Untersucht wurden knapp 550.000 Betriebe.
Wie aus den vorgestellten Daten zur Lebensmittelüberwachung weiter hervorgeht, untersuchten die Behörden mehr als 400.000 Lebensmittelproben. Davon wurden 13 Prozent beanstandet. Betroffen waren mit 22 Prozent „Lebensmittel für besondere Ernährungsformen“ wie Sportlernahrung oder Mittel zur Gewichtsreduzierung. „Der Hauptaugenmerk liegt dabei auf den Nahrungsergänzungsmitteln“, sagte BVL-Projektleiter Georg Schreiber.
„Oft wird das Blaue vom Himmel versprochen, tatsächlich enthalten viele Mittel gesundheitsschädliche Substanzen.“ Schreiber rief insbesondere zur Vorsicht beim Kauf von Schlankheits-, Schönheits- und Potenzsteigerungsmitteln auf. Auch Anti-Aging-Produkte und Sportlernahrung seien auffällig gewesen. „Der Markt ist nahezu unüberschaubar“, warnte er. Insgesamt wurden demnach im Rahmen des Projektes 1.081 Angebote von 562 Anbietern ermittelt.

Zur besonderen Vorsicht mahnen die Behörden beim Kauf von Lebensmitteln im Internet. Das BVL hatte Anfang 2011 gemeinsam mit zehn Bundesländern ein Pilotprojekt zur Kontrolle des Online-Lebensmittelhandels gestartet. Rund ein Viertel der Unternehmen, die online Lebensmittel verkaufen, seien zum Zeitpunkt der Überprüfung nicht registriert und damit den Behörden nicht bekannt gewesen, teilte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) am Donnerstag anlässlich der Vorstellung des Jahresberichts der Lebensmittelüberwachung 2011 mit. Bei den reinen Internethändlern seien es gar mehr als 40 Prozent gewesen. Den Verbrauchern riet Schreiber dazu, sich das Impressum des jeweiligen Internethändlers genau anzuschauen. Einige Onlineshops nutzten Briefkastenadressen, um sich zu tarnen. Sollte kein Impressum vorhanden sein, sollte vom Kauf abgesehen werden. Auch eine Rücksprache mit einem Arzt über die Inhaltsstoffe der Produkte sei ratsam, sagte Schreiber.
Ein wachsendes Problem machten die Kontrolleure auch bei Verpackungsmaterialien und anderen Gegenständen mit Lebensmittelkontakt aus. Hier wurden 16 Prozent beanstandet. Heikel seien zum Beispiel Lebensmittelverpackungen aus Recyclingpapier, erklärte Volker Kregel, Vorsitzender der Länderarbeitsgemeinschaft Verbraucherschutz. Sie enthielten teilweise einen hohen Anteil an Mineralöl aus dem recycelten Altpapier, das in die Lebensmittel übergehen könne.
In der überwiegenden Mehrheit seien Lebensmittel aus Deutschland sicher, unterstrich der Präsident des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Helmut Tschiersky-Schöneburg. Es gebe aber erhöhte Risikobereiche, zu denen auch weiterhin Sprossen zählten. Diese würden daher auch künftig verstärkt kontrolliert. Sprossen hatten seinerzeit die Welle von EHEC-Erkrankungen ausgelöst.

Ungeachtet des jüngsten Ausbruchs von Noroviren bei Kindern und Jugendlichen aufgrund verunreinigter importierter Erdbeeren bewerteten die Lebensmittelkontrolleure den Zustand von Großküchen und -kantinen als gut bis sehr gut. Größere Schwachstellen seien bei einer Untersuchung von Betrieben 2011 nicht zu erkennen gewesen, hieß es. In jedem zehnten Fall wurde eine Verwarnung ausgesprochen. An dieser eher positiven Bilanz hielt Tschiersky-Schöneburg fest. Die Noroviren seien nicht auf den Hygienezustand der Großküchen zurückzuführen gewesen.
Die Verbraucherorganisation foodwatch forderte anlässlich der jüngsten Zahlen des Bundesamtes die Länder auf, alle Lebensmittelkontrollergebnisse zu veröffentlichen. Die Behörden entdeckten alljährlich in großer Zahl Hygienemängel. Diese würden aber nicht abgestellt, solange die Kontrollergebnisse den Kunden vorenthalten blieben. Rechtlich könne jede Landesregierung zum Beispiel die diskutierte „Hygiene-Ampel“ per Landesgesetz einführen.


Dafür würden Kontrollergebnisse direkt vor Ort im Eingangsbereich der Betriebe ausgehängt.


(epd/dapd)

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