Bundesvision Song Contest : Hammer Hits

Stefan Raab hat es geschafft: Auf seinen "Bundesvision Song Contest“ warten mehr Zuschauer denn je. Mittlerweile gilt die Veranstaltung als wichtigstes Forum für deutschsprachige Musik.

Yoko Rückerl
Stefan Raab
Stefan Raab: Der "TV-Total-Mann" ist stolz auf sein Projekt. -Foto: ddp

Zum vierten Mal veranstaltet Entertainer Stefan Raab heute den „Bundesvision Song Contest“. Um 21 Uhr wird der „TV-Total“-Mann gemeinsam mit dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff die Show eröffnen. Veranstaltungsort ist die Tui-Arena in Hannover, auf der Bühne stehen werden insgesamt 16 mehr oder weniger erfolgreiche Bands. Jeder Interpret geht mit einem Lied für sein Bundesland an den Start. Die Fernsehzuschauer können anschließend per Anruf oder SMS ihren Favoriten wählen, kurz nach Mitternacht steht fest, welche Band gewonnen hat.

Der „Bundesvision Song Contest“ (BSC) ist Stefan Raabs Antwort auf den „Eurovision Song Contest“, bei dem jedes europäische Land seit 1956 ein Lied ins internationale Rennen schickt. 1982 gewann die deutsche Sängerin Nicole mit „Ein bisschen Frieden“ die Schlagerparade, die seinerzeit im englischen Harrogate stattfand.

Als Raab 2004 beim Grand Prix in Istanbul mit Max Mutzke, Gewinner von Raabs Casting-Show „SSDSGPS“, nur auf einen enttäuschenden achten Platz gewählt wurde, entwarf der Pro-Sieben-Entertainer die Gegenveranstaltung „BSC“. Im Gegensatz zur europäischen Grand Prix-Variante, bei der nicht für das eigene Land gestimmt werden kann, können die Zuschauer des „Grand Prix der Bundesländer“ auch für die Kandidaten ihres Heimatortes votieren.

Die Veranstaltung gilt als wichtiges Forum für deutschsprachige Musik – zu den Teilnahmebedingungen zählt, dass mindestens die Hälfte des Liedtextes auf Deutsch gesungen werden muss. Der „Bundesvision Song Contest“ wird live übertragen, unterbrochen nur von unüblich langen Werbepausen, Einspielfilmchen zu den jeweiligen Bundesländern und Raabs häufigen „Ähs“. Unterstützt wird „TV-Total“-Mann Raab von Moderatoren regionaler Radiosender, die im jeweiligen Bundesland auf einer „BSC“- Party parat stehen und, so entnervte Zuschauer, zu lange eingeblendet werden.

Für Unterhaltung sorgte im vergangenen Jahr hingegen der Imbiss-Philosoph „Dittsche“ alias Olli Dittrich, der in Hamburg den Hip-Hopper Jan Delay anfeuerte – obwohl er von einer Radiomoderatorin ununterbrochen mit banalen Fragen gelöchert wurde. In Berlin wird Radio Energy die „BSC“-Party ausrichten und dabei von einem Moderator unterstützt, der in einem Superman-Kostüm herumlaufen soll. Fremdschämen ist also garantiert. Das taten auch die Zuschauer, die am Dienstag die Viva-Moderatorin Johanna Klum in Raabs Sendung „TV-Total“ sahen: Die 27-jährige Berlinerin wird am Donnerstagabend mit Raab auf der Bühne stehen und verriet in seiner Sendung schon mal ihren Favoriten: der deutsch-bosnische Rapper Mirko Bogojevic. Er wird als „Das Bo“ und mit dem Titel „Ohne Bo“ antreten. Seine „Zuhälterfriese“, sprich: seinen Haarschnitt, findet die ehemalige MTV-Moderatorin schlicht „Hammer“.

Für Berlin geht die siebenköpfige Band Culcha Candela mit ihrer Single „Chica“ins Rennen. Die Gruppe hat gute Chancen auf einen Sieg, sie ist bekannter als konkurrierende Interpreten wie „Paulsrekorder“ aus Bremen oder die jugendliche Jennifer Rostock aus Mecklenburg-Vorpommern. Mit ihrer Single „Hamma!“ erreichten Culcha Candela bereits Gold-Status, ihr Album verkaufte sich 150 000 Mal. Derzeit stehen sie mit „Hamma!“ und „Ey DJ“ in den Charts. Ebenfalls als Favorit gehandelt werden „Sportfreunde Stiller“ aus Germering bei München, die mit „Antinazibund“ für Bayern antreten. Die Band gibt es bereits seit 1996.

Doch nicht nur der Bekanntheitsgrad entscheidet. Das zeigte sich vergangenes Jahr, als Jan Delay, bekannt für souligen Hip-Hop, überraschend von der Braunschweiger Gothic-Band „Oomph!“ geschlagen wurde. „Oomph!“ mit der Sängerin Marta Jandová waren bis dahin zwar nur wenigen bekannt, ließen aber trotzdem mehr Fernsehzuschauer zum Telefonhörer greifen.

„Ein prominenter Name muss nicht für einen Sieg stehen“, sagt Michael Ostermeier, Sprecher von Veranstalter Pro Sieben. Vielmehr entscheide eine treue Fangemeinde über Sieg oder Niederlage. „Deshalb haben auch Newcomer wie Jennifer Rostock gute Chancen.“ Nach der Teilnahme an der Show hatten Bands wie Mia aus Berlin große Erfolge: Gleich 49 Chartsplätze sind sie nach oben gesprungen. „2005 mussten wir die Bands selbst ansprechen“, sagt Ostermeier. „Heute melden sich die Künstler bei uns.“

Auch bei den Zuschauern scheint die Musikveranstaltung anzukommen. „Die letzte Show sahen im Schnitt zwei Millionen Zuschauer“, sagt Pro-Sieben-Sprecherin Tina Land dem Tagesspiegel. Das sei ein Marktanteil von 12 Prozent in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen. Ins Berliner Tempodrom kamen im letzten Jahr 2500 Besucher, in der ausverkauften Tui-Arena werden nun sogar 8500 Menschen erwartet.

Das wohl Beste am „Bundesvision Song Contest“ ist, dass Raab Künstler fernab des Mainstreams fördert. Schade nur, dass die dann am Massengeschmack des Fernsehpublikums scheitern.

„Bundesvision Song Contest“,

Donnerstag, 21 Uhr, Pro Sieben

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