Welt : Bundeswehr: Zöpfe frei!

Gleiches Recht für Männer und Frauen

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Friseurbesuch vor Dienstantritt – das galt für Generationen: Wer zum Bund ging, musste Haare lassen. Niemand weiß, wie viele Männer die Wandlung zum Soldaten auch in Angst um ihre Frisur verweigerten. Wallende Mähnen waren verboten.

Ende des 20. Jahrhunderts kamen die Frauen zur deutschen Bundeswehr. Sicherheitsgründe können seitdem kein Argument mehr für Friseurbesuche sein. Dennoch: Laut dem so genannten Haarund-Bart-Erlass der Bundeswehr muss das Haar „am Kopf anliegen oder so kurz geschnitten sein, dass Ohren und Augen nicht bedeckt werden“ – so gilt es jedenfalls für Männer. Die „Haartracht weiblicher Soldaten“ darf nur den „vorschriftsmäßigen Sitz der militärischen Kopfbedeckung“ nicht behindern.

Das ist ungerecht, entschied das Truppendienstgericht Süd in München und kritiserte die Frisuren-Vorschrift als verfassungswidrig, weil sie für Männer und Frauen unterschiedliche Regeln enthält. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums verteidigte am Samstag den Erlass.

„Der Spiegel“ berichtet über einen 18-jährigen Soldaten, der sich geweigert hatte, seinen 25 Zentimeter langen Zopf abzuschneiden. Wegen Befehlsverweigerung war der willensstarke Zopfträger in eine Zelle gesperrt und vom Kompaniechef mit 150 Euro Geldbuße belegt worden. Nachdem ihm bis zu drei Wochen Arrest angedroht wurden, trennte er sich doch von seinem Kopfschmuck – und zog vor Gericht. Das folgte seiner Sicht und könnte so für eine Revolution auf den Köpfen der Soldaten sorgen. Die Unterscheidung von Männer- und Frauen-Zöpfen sei „unverständlich“ und der Befehl „Zopf ab“ ein unzulässiger Eingriff in das Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit.Also Schluss mit alten Zöpfen: Pferdeschwänze für alle! cwe/ddp

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