Welt : Bus-Qualitätssiegel kommt

Die Ursache des schweren Unglücks ist noch immer unklar

Klaus Bachmann

Brüssel. Schulterzucken und Rätselraten über die Ursachen der Buskatastrophe von Hensies haben auch am Sonntag unter den Experten in Belgien vorgeherrscht. Das Unglück hatte sich am frühen Samstagmorgen um 5 Uhr 20 auf der belgischen Seite des belgisch-französischen Grenzübergangs Hensies ereignet und ingesamt elf Todesopfer gefordert. 37 Insassen wurden verletzt. Doch die erste Annahme, der Busfahrer sei eingeschlafen oder mit zu hoher Geschwindigkeit in den Grenzübergang eingefahren, hat sich bisher nicht bestätigt. Der Fahrer kam in den Flammen um. Der zweite Fahrer des Buses überlebte, lag aber beim Unfall in seiner Schlafkoje. Der belgische Staatsanwalt Claude Michaux erklärte, er könne die Beteiligung eines zweiten Fahrzeugs an dem Unfall ausschließen.

Nach bisherigen Erkenntnissen hatte der Bus etwa 50 Meter vor dem Grenzübergang eine Betonabsperrung gerammt, worauf offenbar ein Stück Beton den Tank aufriss. Das Benzin soll sich dann an den heißen Metallteilen des Busses entzündet haben. Der Fahrer eines Transporters, der 20 Meter vom Unfallort entfernt parkte und von der Explosion aufgeweckt wurde, berichtete später, die Türen des Busses seien geschlossen gewesen, als sich der Bus „buchstäblich in einen Feuerball verwandelte". Viele verdanken ihr Leben der Tatsache, dass der zweite Fahrer die hintere Bustür von außen öffnen und den Fahrgästen, die bei Bewusstsein waren, das Verlassen des Busses ermöglichen konnte.

Der Bus des Reiseveranstalters Rainbow-Tours stammte von der Nürnberger Firma Polster-Reisen und war auf dem Weg von München nach Paris. Er hatte vor allem junge Leute an Bord, von denen viele aus Gössweinstein bei Nürnberg stammen. In einer ersten Stellungnahme erklärte der Chef von Polster-Reisen, Rainer Polster, der Bus sei fast neu gewesen. An Bord waren zwei Fahrer, die sich abwechselten, und zusätzlich ein Mitarbeiter, der die Fahrer von organisatorischen Aufgaben entlasten sollte. Die Fahrer hätten zuletzt in Köln die Plätze getauscht. Einziger Hinweis darauf, dass dem Fahrer schlecht geworden oder er eingeschlafen sein könnte, ist die Aussage eines Lkw-Fahrers, der der Polizei mitteilte, ihm sei auf der Ardennen-Autobahn ein Bus begegnet, der hin und her geschlingert sei. Ob es sich dabei jedoch um den Münchner Bus handelte, geht daraus nicht klar hervor.

Stolpe setzt Gurtpflicht in Kraft

Anders als die meisten anderen Grenzübergänge Belgiens mit Nachbarländern unterscheiden sich die Kontrollpunkte an der Grenze zu Frankreich durch eine restriktivere Verkehrsführung mit Fahrbahnverengungen, die schnelles Abbremsen erforderlich machen. Seit Freitag regnete es in Südbelgien heftig mit Nebelbildung. Auf den Ardennen-Autobahnen mit ihren Steigungen werden die Fahrbahnen dann sehr schnell glatt, und die Sichtweite nimmt, besonders bei Nacht, rapide ab. Heftiges Bremsen am Grenzübergang hätte so auch dann zu einem Ausbrechen des Busses führen können, wenn sich dessen Fahrer an alle geltenden Geschwindigkeitsbegrenzungen gehalten hätte. Ein Experte des Automobilclubs von Deutschland, der am Unfallort war, erklärte, die Katastrophe habe sich auch bei einer Geschwindigkeit von etwa 50 km/h abspielen können.

Verkehrsminister Manfred Stolpe, der am Samstag den Unglücksort besuchte, will möglichst rasch die Gurtpflicht in Reisebussen einführen. Nach der Verabschiedung durch den Bundesrat am vergangenen Freitag liege Stolpe das Gesetz jetzt zur Unterschrift vor. Es soll am 1. März oder 1. April in Kraft treten. Fahrgäste in Reisebussen müssen nach dem Gesetz künftig ein Bußgeld zahlen, falls sie sich nicht anschnallen. Der Busfahrer muss die Reisenden zudem auf die Anschnallpflicht hinweisen.

Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (BDO) sagte ein deutschlandweites Qualitätssiegel für kommendes Jahr zu. Dieses solle nur nach einer „echten Qualitätsüberprüfung“ des jeweiligen Unternehmens vergeben werden, sagte BDO-Präsident Norbert Rohde.

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