Busunglück : Klick fürs Leben

Nach dem schweren Busunfall auf der A 14 untersuchen Experten, ob die Opfer angeschnallt waren.

Christian Tretbar
Gurt
Der Gurt ist Pflicht. Auch in Reisebussen. -Foto: ddp

Es macht kurz „Klick“, dauert keine drei Sekunden und kann Leben retten. Im Auto ist anschnallen längst selbstverständlich. Auch in Reisebussen gibt es eine Gurtpflicht. „Aber die halten die wenigsten ein“, sagt Maximilian Maurer vom ADAC. Das Busunglück am Montag auf der Autobahn 14 bei Dessau, bei dem 13 Menschen starben, habe einmal mehr gezeigt, wie wichtig es ist, sich auch im Bus anzuschnallen. „Noch kann man nicht sagen, wie viele in dem Unglücksbus angegurtet waren, aber die Tatsache, dass einige Opfer außerhalb des Busses und unter dem Fahrzeug gefunden worden sind, lässt darauf schließen, dass sie nicht angeschnallt waren“, erklärt Maurer.

„Wir haben eine Anschnallpflicht und jeder, der in einen Bus einsteigt, muss sich dessen auch bewusst sein“, sagt Alexandra Dittmann, Sprecherin des Bundesverkehrsministeriums. Außerdem sei der Busfahrer verpflichtet, seine Fahrgäste auf diese Anschnallpflicht hinzuweisen. 30 Euro Bußgeld pro Passagier werden bei einem Verstoß fällig. Die Polizei in Sachsen-Anhalt hat noch keine Anhaltspunkte, ob die Businsassen angeschnallt waren. Die genaue Ursache des Unfalls wird noch untersucht. Klar scheint nur, dass ein LKW auf den Bus am Ende eines Staus aufgefahren ist und der Bus dadurch eine acht Meter lange Böschung hinunterstürzte. Die Staatsanwaltschaft Dessau ermittelt deshalb gegen den 46-jährigen LKW-Fahrer Hermann R. wegen fahrlässiger Tötung. Aber sie prüft auch, ob die Ermittlungen ausgeweitet werden müssen.

Dass die moderne Dachkonstruktion des Busses mit einer Art Überrollbügel dem Sturz nicht standhielt, wundert den ADAC-Experten nicht: „Das hätte wohl keine Konstruktion ausgehalten.“ Vielmehr sei der LKW nicht auf dem neuesten Stand gewesen. „Das Modell ist vor 1996 gebaut worden“, sagt Claws Tohsche, Sprecher von Daimler-Chrysler. Mittlerweile gebe es Sicherheitssysteme wie eine automatische Abstandsregelung und einen Notbremsassistent. Dieser würde per Radar erkennen, wenn ein Aufprall droht und automatisch eine Notbremse einlegen. Rund 10 000 Euro kostet nach Auskunft von Tohsche ein Komplettpaket samt Notbremssystem bei Mercedes. „Allerdings sind erst 15 Prozent damit ausgestattet“, sagt Tohsche. Er fordert für Lastwagen, die dieses Sicherheitssystem haben, einen Rabatt bei der LKW-Maut. Das Bundesverkehrsministerium in Berlin wies diese Forderung indes zurück. Allerdings gebe es auf europäischer Ebene Überlegungen, diese Sicherheitssysteme für alle LKW gesetzlich vorzuschreiben.

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