Carrie Prejean : Ganz schön unpassend

Wie die ehemalige US-Schönheitskönigin Carrie Prejean sich und ihre Memoiren vermarktet: Sie bringt die US-Talkshow-Legende Larry King gegen sich auf.

Rita Neubauer[San Francisco]

Carrie Prejean und kein Ende. Nun hat es die ehemalige „Miss Kalifornien“ sogar geschafft, die Talklegende Larry King gegen sich aufzubringen. Larry King in die Schranken zu weisen, das trauen sich wenige. Doch Carrie Prejean traute sich noch mehr und drohte in der vergangenen Woche sogar, mitten im Interview mit dem CNN-Routinier das Studio zu verlassen. Carrie Prejean geriet wegen einer eher unschuldigen Frage außer Fassung. King wollte wissen, warum die blonde Ex-Miss sich nun so gütlich im Rechtsstreit mit dem Misswahl-Veranstalter geeignet hatte.

Die Kalifornierin hatte während der Miss-USA-Wahl homophobe Äußerungen zur gleichgeschlechtlichen Ehe gemacht und anschließend wegen eines Vertragsbruchs im Juni ihr Krönchen verloren. Eine Reihe rechtlicher Auseinandersetzungen waren die Folge.

Wie so üblich in den USA, löste all dies nicht nur eine gehörige Aufregung im Blätterwald aus. Prejean stieg sogar zur Vorzeigefrau und politischen Symbolfigur der konservativen Rechten auf, die die gleichgeschlechtliche Ehe vehement ablehnt. Über all dies schrieb die Ex-Miss nun ihre Memoiren, die sie bei Larry King vorstellen wollte.

Der ließ sie auch anfänglich darüber klagen, dass sie das Ziel einer „Kampagne“ liberaler Medien sei und „verunglimpft“ werde. Doch dann kam die Frage nach dem Rechtsstreit.

Details wollte die Plaudertasche vermeintlich überhaupt nicht wissen, doch Prejean sah sofort rot und reagierte mit übertriebenem Furor. „Larry, das ist nun wirklich unpassend“, schalt die 22-Jährige den 53 Jahre älteren Moderator, der fassungslos und sichtlich verärgert auf die aus dem CNN-Studio in Washington zugeschaltete Prejean starrte.

Als im Anschluss an dieses Geplänkel auch noch Zuschauer Dan aus Detroit, schwul und ein Freund von Schönheitswettbewerben, heiter fragte, was sie homosexuellen Freunde sage, die heiraten wollen, da hatte Prejean die Nase voll. Sie fingerte ihr Mikrophon von der Bluse und machte Anstalten, das Interview abzubrechen. Zu diesem dramatischen Abgang kam es zwar nicht, doch das Interview mit dem Urgestein des amerikanischen Fernsehens war gründlich in die Binsen gegangen. Was nicht zuletzt Donald Trump, den Besitzer der „Miss Universe“-Organisation, verwunderte. „,Unpassend‘ ist für mich eher eine sexuell besetzte Wendung“, kommentierte Trump. Schließlich habe King doch nur „eine sehr, sehr einfache Frage gestellt“.

Auch der Direktor der „Miss California USA“-Wettbewerbe, Keith Lewis, blies ins gleiche Horn. „Die Öffentlichkeit bekommt nun endlich einen Eindruck von der wahren Carrie Prejean und ihrer wahnhaften Welt“, ließ er CNN mitteilen. „Ihr kindisches Betragen, ihre negative Einstellung, ihr Sarkasmus, die herablassende Art, ihre Respektlosigkeit und ihre fortwährenden Lügen, die sie nun zeigt, sind nur ein Bruchteil dessen, was wir mit ihr durchgemacht haben.“ „Psychologische Hilfe“ sei angebracht.

Oder einfach weniger Heuchelei – von beiden Seiten. Denn der Betreiber der Miss-Wahlen bezahlte der Schönheit zwar neue Brüste, erregte sich aber gleichzeitig darüber, als im Mai Rückenansichten der damals 17-jährigen, teilweise unbekleideten Prejean an die Öffentlichkeit gerieten. Und forderte prompt die 5200 Dollar für die Brustimplantate zurück, nachdem Prejean die Krone aberkannt worden war.

Eines dürfte die Ex-Miss durch ihren Ausfall gegenüber King erreicht haben – nämlich die Verkaufszahlen für ihr Buch zu steigern. Der ominöse Titel: „Still Standing“.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben