Castingshow : Daniel ist Deutschlands Superstar

Der blonde Jüngling Daniel Schumacher hat das Finale von Deutschland sucht den Superstar gewonnen. Ob er tatsächlich zum Star aufsteigt, bleibt fraglich. Auf jeden Fall kommt jetzt viel Arbeit auf ihn zu – in einem großen musikalischen Verwertungskreislauf.

Annette Kögel
DSDS
Hauptsache Gefühle. Bei DSDS werden Emotionen aus den Kandidaten herausgequetscht. -Foto: dpa

Hits, Geld, Auftritte ohne Ende – auf den Sieger, aber auch auf Zweit- und Drittplatzierte, die alle Teil eines riesigen Verwertungskreislaufs sind, kommt jetzt viel Arbeit zu. Auf Erfolg hoffen auch die schwarzhaarige Sarah Kreuz mit der dunklen Stimme und der von der Jury „The Voice“ genannte, unverwechselbar klingende Samtbarde Daniel Schuhmacher. Die Siegertitel beider Finalisten sind schon längst aufgenommen, der Gewinnervertrag mit Sony Music ist so gut wie in der Tasche. Und schon am Freitag wird der Bohlen-Siegertitel „Anything but Love“ in den Charts durchstarten. Schneller Erfolg, schnell wieder verblasst? Was ist eigentlich aus den Siegern der früheren Staffeln von „Deutschland sucht den Superstar“ geworden?

Mark Medlock, der große Bohlen-Superstar Mark Medlock, der die DSDS-Staffel vor zwei Jahren gewann, kam mit seinem neuen Song „Mamacita“ heraus. Nachdem das RTL-Bohlen-Team seinen 2007-Gewinner, den „beliebtesten Drecksack Deutschlands“, bei der gestern zu Ende gegangenen DSDS-Staffel auftreten ließ, ist die karibisch angehauchte Sommermelodie sofort auf Platz zwei der deutschen Musikcharts eingestiegen. Besser geht es fast nicht, da klingeln die Kassen, da wird wieder Musik runtergeladen, und Handy-Klingeltöne auch. Im Hintergrund schwingt sich bei dem Medlock-Song, wie schon beim Vorjahressommerhit „Summer Love“, die piepsige Bohlen-ModernTalking-Stimme in höchste Töne auf, auch das hilft bei der Vermarktung. Eingängige Melodien, ansteckende Rhythmen und dazu ein Text, den jeder mitsingen kann – das ist das Erfolgsrezept der Superstar-Maschinerie hinter der inszenierten Casting-Unterhaltungsserie.

Alexander Klaws, Premiere-Gewinner der ersten Staffel 2003, hat insgesamt zwei Millionen Tonträger verkauft. Er hat auch in dem Musical „Tanz der Vampire“ als Darsteller Geld verdient, er tritt in der TV-Serie „Anna und die Liebe“ auf. Noch immer tourt Klaws bei Konzerten durch die Lande, füllt auf dem deutschen Musikmarkt kleinere Hallen und spielt bei Veranstaltungen, bei großen Festen.

Wie Siegerin Elli Erl, die sich während der 2004er Staffel von Anfang an vor den Kameras dazu bekannte, dass sie Frauen liebt. Und das, obwohl es Frauen wegen der überwiegend weiblichen Zuschauerschaft generell bei den Telefonabstimmungen schwerer haben. Die Zuschauerinnen himmeln lieber einen Mann an. Elli wollten aber alle, sie siegte. So ist sie auch heute noch immer mal wieder als Stargast auf Szene-Events mit dabei, wie auch schon bei den „Respect Games“ für mehr Toleranz gegenüber Homosexuellen in Berlin. Sängerin Elli mit der rockigen Röhre trennte sich schnell von dem Bohlen-Produzententeam. In einer ähnlichen Zielgruppe genießt RTL-Dschungelcamp-Mitkämpferin Lorielle London, vormals unter dem Namen Lorenzo aus der zweiten Staffel bekannt, eine hohe Einschaltquote. DSDS-Daniel Küblböck, ebenfalls als Paradiesvogel gestartet, gab schon mit 18 Jahren seine Biografie „Ich lebe meine Töne“ heraus. Und gründete eine eigene GmbH, die Devotionalien zu positiven Lebenseinstellungen online anbietet. Heute tritt er auf Dorffesten auf oder bringt die „Wupperfelder Festwochen“ zum Kochen. Thomas Godoj, der Superstar 2008, befindet sich dagegen auf großer Tournee. Nun aber sind erst mal die aktuellen Sternchen mit der Vermarktung dran. DSDS-Magazine, Fan-Devotionalien im Internet, Handyzubehör sollen an die Zielgruppe gebracht werden. Dafür gibt es auch wieder den Finalisten-Song mit den 15 letzten Kandidaten.

Weil es doch so schön war.

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