Cervelatkrise : In der Schweiz geht es um die Wurst

Die Krise in Schweizer Fleischereien und Kühlschränken hat ein Ende: Die Cervelatwurst, Leibspeise der Eidgenossen, ist gerettet.

ZürichMonatelang hatte die Alpenrepublik über die „Cervelatkrise“ debattiert und das Ende eines Nationalheiligtums befürchtet. Denn beim Import bestimmter Rinderdärme, die der Brühwurst als Pelle dienen, hatte es Probleme gegeben. „Doch nun können wir wenigstens 70 Prozent des Bedarfs wieder gesichert abdecken“, sagte der Direktor des eidgenössischen Fleisch- Fachverbandes, Balz Horber, am Mittwoch in Zürich.

Beinahe wäre das beliebte Lebensmittel, im Volksmund auch „Arbeiterfilet“ genannt, an einem von der EU verhängten Importstopp zugrunde gegangen. Während die Zutaten, Rind- und Schweinefleisch, aus der Schweiz selbst stammen, erwies sich vor einigen Jahrzehnten der fettarme Darm des brasilianischen Zebu-Rindes als ideale Umhüllung. Wegen des BSE-Risikos dürfen seit 2006 aber keine Rinderdärme mehr aus Brasilien nach Europa eingeführt werden. Nun würden vergleichbare Därme aus Argentinien, Uruguay und Paraguay eingeführt, erklärte ein Sprecher des Bundesveterinäramtes in Bern.

25 000 Tonnen Cervelat verspeisen die Eidgenossen jährlich, das entspricht etwa 160 Millionen Würsten. Bei den einheimischen Nahrungsmitteln erklomm sie gar die Spitzenposition der meistverkauften Lebensmittel, noch vor Brot, Milch und Käse. Mitte des 19. Jahrhunderts hatte die Wurst ihren Siegeszug in der Schweiz angetreten. Wegen ihrer Haltbarkeit und der günstigen Herstellung galt sie vor allem in den Anfangsjahren der Industrialisierung als „Fleisch des armen Mannes“. dpa

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