Welt : Chaos, Kälte, enttäuschte Gesichter

Peer Meinert

Die Organisatoren sind offenkundig mit den Megaveranstaltungen überfordertPeer Meinert

Das Chaos war perfekt. Zehntausende Kinder bibberten am Sonntag stundenlang bei eisiger Kälte auf dem Petersplatz - nicht mal für heiße Getränke war am "Tag der Kinder" gesorgt. Wenig später beängstigende Szenen auf dem Bahnhof in Rom: Zehntausende stürmten die Züge, die Luft zum Atmen wurde knapp. Und auch auf den Straßen der Ewigen Stadt ging nichts mehr. "Notstand in Rom", meinten Kommentatoren am Montag. Nur eines scheint sicher: Der erste Härtetest fürs Heilige Jahr ging ziemlich daneben.

Jahrelang hatte Rom Zeit, sich auf das Mega-Ereignis vorzubereiten. 30 Millionen Pilger werden im "Großen Jubeljahr" 2000 erwartet. Ausgerechnet den Kindern war das erste Großereignis am Sonntag gewidmet. 50 000 hatte der Papst geladen, schon im Morgengrauen trafen die ersten Busse ein. Doch zu spät entdeckten Begleiter und Veranstalter, dass weder Frühstück noch heiße Getränke bereitstanden. "Nicht mal ein Café hatte geöffnet", klagte der kleine Filippo aus Bari. "Ich konnte mir nicht einmal die Hände wärmen."

Die nächste Enttäuschung folgte vor dem Petersdom. Zwar hielten die Kinder ihre Eintrittskarten für die Messe fest in der Hand, doch war die Kirche längst von "ganz normalen" Touristen überfüllt. "Alles vorhersehbar", meint der Präfekt von Rom, Enzo Mosino, lakonisch. "Die Organisatoren wussten sehr genau, dass höchstens 10 000 Leute in die Kirche reinpassen, mindestens 40 000 Kinder mussten also draußen bleiben". Zwar war das "Jubiläum der Kinder" ein glanzvolles Medienereignis, der Papst sprach gegen Kinderarbeit und Abtreibung, doch den Heiligen Vater bekamen nur die allerwenigsten der kleinen Gäste zu sehen. "Eine Pilgerfahrt ohne Messe ist schon etwas bitter", meint ein Begleiter. Zum Angelus-Gebet immerhin zeigte sich Johannes Paul II. am Fenster. "Aber er sprach so leise, dass ich gar nicht verstehen konnte, was er gesagt hat", meint der zehnjährige Paolo enttäuscht. Am Ende verteilten die Carabinieri heißen Tee.

Schon fragen sich Experten besorgt, wie es bei den nächsten Großveranstaltungen wird. Am 11. Februar steht das "Jubiläum der Kranken" an, am 1. Mai das "Jubiläum der Arbeiter", im August das Welttreffen der Jugend. Meint der Stadtplaner Paolo Portoghesi: "Wir sind einfach unfähig, große Veranstaltungen zu organisieren."

Drei Millionen Gläubige kamen offiziellen Angaben zufolge seit Weihnachten - da begann offiziell das Heilige Jahr - nach Rom. "Drei Millionen Pilger am Rande der Nervenkrise", kommentiert die Zeitung "La Repubblica". 700 Autobusse drängten sich allein am Sonntag zum Vatikan, 150 000 Menschen stürmten die Züge auf dem Bahnhof Termini. Es war einfach zu viel für die Stadt. Nur Francesco Rutelli, der Bürgermeister von Rom, sprach von einem Erfolg der ersten Jubiläums-Tage; doch unter das gemeine Volk gemischt hat er sich wohl kaum.

Schon die Silvesterfeiern endeten in Katerstimmung. Zwar ließen bombastische Feuerwerke den Himmel erstrahlen, doch in den Niederungen ging es mitunter herbe zu. "Die Straßen wurden zu Latrinen", meint das Blatt angesichts des Mangels an Toiletten angeekelt. Überall waren Straßen und Lokale überfüllt. "Horden von Barbaren drangen in einige Restaurants ein und warfen die Gäste hinaus."

Ärzte-Präsident: Lebenserwartung von 100 Jahren möglich

Saarbrücken, 3.1.2000 (KNA) Die durchschnittliche Lebenserwartung der Deutschen könnte nach Einschätzung des Präsidenten der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, noch in diesem Jahrhundert auf 100 Jahre steigen. Es sei durchaus möglich, "dass wir am Ende dieses Jahrhunderts Nachkommen haben, die eine Lebenserwartung von rund 100 Jahren haben", sagte Hoppe am Montag dem Saarländischen Rundfunk. Solche Perspektiven ergäben sich vor allem wegen der Fortschritte in der Transplantationsmedizin, bei der Vorbeugung gegen die Immunschwächekrankheit Aids und bei der Behandlung von Krebs.

Hoppe äußerte gleichzeitig die Befürchtung, dass Krankheiten, die als ausgerottet galten, wiederkämen. Denkbar sei, dass die bislang entwickelten Antibiotika nicht mehr wirkten, weil sich die Krankheitserreger auf sie einstellten. Durch Flucht und Tourismus könnten zudem örtlich noch vorhandene Krankheiten erneut über die Welt verteilt werden.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben