China : Nach Milch- nun Eierskandal

In China sind nun auch Eier gefunden worden, die mit der gesundheitsschädlichen Chemikalie Melamin kontaminiert sind. Die Behörden hatten versucht, den Skandal zu vertuschen. An dem Zusatz der Chemikalie in Milch sind bisher mindestens vier Kleinkinder in China gestorben.

Melamineier Foto: dpa
Kein Ende des Melaminskandals. Nun sind auch Eier betroffen. -Foto: dpa

China hat einen neuen Nahrungsmittelskandal: Mit der gesundheitsschädlichen Chemikalie Melamin ist nicht nur die Milch gepanscht, sondern auch Hühnerfutter künstlich aufgebessert worden. In immer mehr Eiern werden unzulässige Melaminwerte entdeckt. Während der Ermittlungen sei der Direktor einer Futtermittelfabrik in der Provinz Liaoning festgenommen worden, berichtete am Donnerstag die Pekinger Zeitung "Xinjingbao". Es wird vermutet, dass auch andere Hersteller den Proteingehalt ihrer Futtermittel mit der gefährlichen Chemikalie künstlich erhöht haben. Melamin wird in der Industrie als Bindemittel eingesetzt und darf nicht in Lebensmitteln benutzt werden.

Die Hongkonger Nahrungsmittelaufsicht hat bereits drei Sorten importierter Eier aus verschiedenen Provinzen Chinas beanstandet, was darauf hindeutet, dass größere Teile der Futtermittelindustrie betroffen sein könnten. Es sei ein "offenes Geheimnis", das aus Industrieabfällen gewonnenes Melamin verbotenerweise in Viehfutter gemischt werde, schrieb die Zeitung "Nanfang Ribao". Ähnlich wie nach der Entdeckung der Chemikalie in Milchpulver, an der 54.000 Kleinkinder in China erkrankt und mindestens vier gestorben sind, wurden erste Erkenntnisse über die belasteten Eier seit Wochen vertuscht. Darüber durfte jedoch nicht in chinesischen Medien berichtet werden.

Behörden vertuschten Skandal

Erst als die Hongkonger Nahrungsmittelaufsicht erste Eier aus dem Handel zog, reagierten auch chinesische Behörden. Vorher waren zum Beispiel amtliche Stellen in der Provinz Liaoning angewiesen worden, Anfragen über Melamin in Eiern abzuweisen, wie das Blatt "Xinjingbao" berichtete. Schon Anfang Oktober sei gegen den Hersteller Minxing ermittelt worden, der Futter an den Hersteller Hanwei (Hanovo) in Dalian (Liaoning), geliefert hatte. Mit drei Millionen Hühnern ist Hanwei einer der größten Produzenten von Eiern und Ei-Produkten in China und exportiert auch. In Hongkong waren erst Eier von Hanwei, dann auch aus den Provinzen Shanxi und Hubei beanstandet worden.

Der Direktor von Hanwei räumte ein, Ende September die Chemikalie im Hühnerfutter entdeckt zu haben, wie die "China Daily" berichtete. Er entschuldigte sich bei den Verbrauchern und beteuerte, niemals selbst Melamin in das Futter gemischt zu haben. "Wir sind ziemlich geschockt." Die Behörden haben dem Unternehmen aufgetragen, alle belasteten Eier zurückzurufen und seine Exporte einzustellen. In Japan war nach japanischen Presseberichten Mitte des Monats bereits Melamin in importiertem, getrocknetem Eier-Pulver von Hanwei entdeckt worden, das in Bäckereien und Nudelfabriken verwendet wird. In Südkorea wurden 23 Tonnen importierte Eier-Produkte von Hanwei Mitte Oktober wegen zu hoher Melamin-Belastungen vernichtet.

Eier werden aus den Supermärkten genommen

Der Skandal verdirbt den Chinesen auch den Appetit auf Eier. Der Verbrauch geht spürbar zurück. Die amerikanische Supermarktkette Wal- Mart zog Eier von Hanwei aus dem Handel. In der ostchinesischen Stadt Hangzhou wurden Eier einer beanstandeten Marke aus Shanxi aus den Supermärkten genommen. Als Konsequenz aus dem Skandal wollen die Behörden die Produktionsstandards für Viehfutter überarbeiten. Es sei bisher nicht zwingend auf Melamin getestet worden. In China muss Hühnerfutter mindestens einen Proteingehalt von zwölf Prozent haben, was mit der Zugabe von Melamin künstlich erreicht werden kann. Die Chemikalie war bereits vor einem Jahr in den USA in Hunde- und Katzenfutter entdeckt worden, dessen Grundstoffe aus China importiert worden waren. Der Skandal flog erst auf, als Tiere verendeten. (ut/dpa)

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