Chinesisches Neujahr : Rettet den Affenkönig

Am Montag beginnt nach dem chinesischen Mondkalender das Jahr des Feuer-Affen. Es soll ein besseres Jahr werden mit leichter wirtschaftlicher Erholung - aber nicht für Donald Trump.

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Ein tanzender Affe wartet im Ditan-Park in Peking auf den Beginn des Jahr des Affens.
Ein tanzender Affe wartet im Ditan-Park in Peking auf den Beginn des Jahr des Affens.Foto: dpa

Noch ist ihm nicht geholfen, aber es könnte sein, dass sich der Anführer einer wilden Affenhorde auf dem Berg Emei in der zentralchinesischen Provinz Sichuan einen glücklichen Zeitpunkt für seine tragische Verletzung ausgesucht hat. Ein chinesischer Tourist hatte den zwölf Jahre alten Primaten im Schnee sitzend fotografiert und dabei auch eine schwarze Kordel dokumentiert, die seinen rechten Fuß abschnürt und eine blutende Wunde verursacht. Die ins Internet gestellten Fotos rührten am Wochenende zigtausende chinesische Internetnutzer, die prompt Hilfe für den verletzten Affen forderten. Inzwischen hat die Verwaltung des Berg Emei reagiert und nach Informationen der Zeitung „China Daily“ eine Rettungsaktion für den wilden Affen gestartet. Was nämlich das Schicksal von Affen jeder Art betrifft, ist die chinesische Bevölkerung in diesen Tagen ganz besonders sensibilisiert.

Am heutigen Montag beginnt im asiatischen Kulturkreis nach dem traditionellen Mondkalender das Jahr des Affens. Mit buntem und lautem Feuerwerk starteten die Chinesen in der Neujahrsnacht in das zweiwöchige Fest, zu dem sehr, sehr, sehr viele von ihnen traditionell nach Hause zu ihrer Familie zurückgekehrt sind. Rund drei Milliarden Auto-, Zug oder Flugreisen wurden von den Behörden rund um das diesjährige Neujahrsfest erwartet.

Viele Chinesen schmücken ihre Wohnungen an den Festtagen rot

Viele Chinesen schmückten ihre Wohnungen in den Festtagen rot und überreichten sich gegenseitig Hongbao, rote Umschläge mit Geld. Das soll Glück bringen. Der Lärm und die Farbe Rot, so der Aberglaube, sollen auch das Monster „Nian“ („das Jahr“) abschrecken, das zum Jahreswechsel die Menschen verängstigt und ihre Tiere frisst. Inzwischen schreckt die Knallerei umweltbewusstere Chinesen ab, denn mit den Raketen schießen auch die ohnehin nicht gerade geringen Feinstaubwerte in noch größere Höhen. Die Behörden in Peking versuchen inzwischen, das zweiwöchige Feuerwerk in den Altstadtgassen etwas einzuschränken. Mit wenig Erfolg.

Das neue Jahr des Affens soll ein etwas besseres werden als das abgelaufene Jahr des Schafes. Dem lebhaften und intelligenten Affen werden in der chinesischen Astrologie positivere Eigenschaften zugeschrieben als dem stoischen Schaf. So werden wieder mehr Geburten in China erwartet, im Jahr des Schafes hatten sich viele Paare trotz der Aufhebung der Ein-Kind-Politik zurückgehalten.

Doch weil sich in der chinesischen Astrologie in diesem Jahr das Tierkreiszeichen Affe mit dem Himmelsstamm Feuer auftritt, wird auch das kommende Jahr nicht uneingeschränkt positiv. Im Jahr des Feuer-Affens werden dem Hongkonger Feng-Shui-Meister Louis Wong zufolge „sehr viele Feuer weltweit ausbrechen, besonders in den Wäldern“. Auch werde Südostasien viele Virus-Krankheiten erleben. „Wir müssen sehr vorsichtig vor dem Zika-Virus sein“, sagte Louis Wong der Nachrichtenagentur AP. Für Ehepaare, die im Jahr des Feuer-Affens Streit vermeiden wollen, empfiehlt er einen Feuerwerkskörper hinter die Haustüre zu legen. Der Fengshui-Meister Raymond Lo, ebenfalls aus Hongkong, prophezeit sogar „internationale Konflikte und Zusammenstöße“.

Wirtschaftlich war das Jahr des Schafes in China von einem Abschwung und der Börsenkrise geprägt. Für das kommende Jahr sagt nun der Feng-Shui-Report der CLSA-Finanz- und Investmentfirma einen sanften Abschwung bis Mitte des Jahres voraus, gefolgt von einer Erholung. „Insgesamt ist es ein Jahr für langsame und vorsichtige Expansion, nicht für wilde Affen-Eskapaden“, wird das Finanzhaus von der Nachrichtenagentur AP zitiert. Außerdem solle der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump seine Ausgaben im Auge behalten und sich vor der „goldzüngigen“ Hillary Clinton in Acht nehmen. Die demokratische Präsidentschaftskandidatin ist nämlich im Jahr des Schweines geboren – und ist damit eine gute Gefährtin für den Affen.

Die Menschen in China interessieren sich gegenwärtig für alles, was mit Affen zusammenhängt. So erlebt gerade der Kung-Fu-Stil „Houquan“ eine Renaissance. Darin ahmen die Kämpfer die Bewegungen eines Affens nach, springen schnell umher oder schlagen Saltos. Bei etlichen Kung-Fu-Schulen stieg zuletzt die Nachfrage nach diesem Stil. Auch erlebt die historische Romanfigur des Affenkönigs neuen Zuspruch. In „Die Reise in den Westen“, einer bei Kindern besonders beliebten Geschichte, rettet der Affenkönig Sun Wukong einen Mönch aus allerlei gefährlichen Situationen. Der 64 Millionen Dollar teure chinesische Actionfilm „Monkey King 2“ startet gerade in den deutschen Kinos.

Als ein solcher Affenkönig gilt nun auch der verletzte Anführer auf dem Berg Emei. „Bitte rettet den Affenkönig sobald wie möglich“, schreibt ein Internetnutzer. „Die 40 anderen Affen brauchen seinen Schutz.“ Und wann sollte es einer chinesischen Behörde gelingen, einen Affenkönig zu retten, wenn nicht in diesem Jahr?

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