Welt : Christi Geburt: Jahrtausendfeier sechs Jahre zu spät?

Detlef Rudel

Folgt man dem amerikanischen Physiker Michael Molnar, hat die Menschheit das neue Jahrtausend fast sechs Jahre zu spät gefeiert. Molnar, der an der Rutgers Universität in New Jersey wirkt, entwickelte zu Christi Geburt eine in sich schlüssige und einleuchtende Hypothese. Danach wurden die "drei Weisen" von keinem Stern zur Krippe in Bethlehem geführt und schon gar nicht von einem Kometen, sondern von einem Horoskop, einer einmaligen Konstellation von Sternen.

Diese trat exakt am 17. April des Jahres 6 v. Chr. um 8.26 Uhr Ortszeit ein. Die Zeitschrift "Bild der Wissenschaft" berichtet in ihrer Dezember-Ausgabe darüber.

Bei den vielen Versuchen, die tatsächliche Geburtsstunde Christi einzugrenzen, hat der "Stern von Bethlehem" immer eine zentrale Rolle gespielt. Manche Wissenschaftler glaubten an einen Kometen, andere an eine Supernova. Molnar setzte beim Beruf der "drei Weisen" an, die nämlich entgegen dem weit verbreiteten Glauben keine Könige waren, sondern Sterndeuter oder Astrologen.

Da zur damaligen Zeit die Himmelskunde der Griechen ihre Blüte hatte, studierte der Wissenschaftler das dafür grundlegende Werk "Tetrabiblos" des griechischen Astronomen Ptolemäus und wurde fündig. Damit war zuerst einmal der Komet als Dreikönigsstern aus dem Rennen: Solche Himmelskörper galten als Vorboten für Tod und Krieg, nicht aber für königliche Geburten.

Ptolemäus beschreibt, welche Konstellationen für die Geburt eines Königs günstig sind. Danach ist Jupiter als König der Planeten stets ein günstiges Zeichen. Kommt noch Saturn hinzu, kommen edle und gute Menschen zur Welt, die in Verbindung mit Mars zudem kräftig und streitbar werden. Merkur steht für fromme und philosophische Naturen, Venus für solche, die Gott lieben. Treten auch noch Sonne und Mond hinzu, werden laut Ptolemäus "die, welche erzeugt werden, Könige sein".

Schon ein Zusammentreffen dieser Planeten ist selten. Ereignet es sich aber zudem im Widder, dem heiligen Sternbild Judäas, musste das für die damaligen Astrologen das untrügliche Zeichen für die Geburt des neuen Königs der Juden sein, der dem Volk Israel im Alten Testament prophezeit worden war. Am 17. April 6 v. Chr. um 8.26 Uhr war diese eigenartige Konstellation eingetreten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben