Christian Pfeiffer : Deutscher Kriminologe kämpft gegen Prügelstrafe in USA

Der Kriminologe Christian Pfeiffer ist stets zur Stelle, wenn Medien einen Experten suchen. Jetzt gibt der 71-Jährige seinen Posten als Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts auf und geht nach New York.

Der Kriminologe Christian Pfeiffer.
Der Kriminologe Christian Pfeiffer.Foto: Ole Spata/dpa

Ganz gleich, ob Gewaltexzesse in Gefängnissen, Vergewaltigung in der Ehe oder Amokläufe an Schulen: Wenn es um die Einordnung von Verbrechen geht, ist Christian Pfeiffer seit Jahrzehnten ein gefragter Gesprächspartner. Zum 1. April verabschiedet sich der 71-Jährige als Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN). Jedoch kann man sich den hageren Juristen nicht auf der Liege eines Kreuzfahrtschiffes vorstellen. Pfeiffer arbeitet weiter und kämpft jetzt in den USA für gewaltfreie Erziehung.

Sein Ziel ist, in mindestens einem US-Bundesstaat ein Züchtigungsverbot durchzusetzen, ähnlich dem deutschen Gesetz zur Ächtung von Gewalt in der Erziehung. 70 Prozent der Amerikaner seien für das Schlagen von Kindern, empört sich der Forscher auf Heimatbesuch in seinem Büro im KFN in Hannover. In 19 US-Bundesstaaten dürften Lehrer ihre Schüler züchtigen. Pfeiffer plant eine Kampagne für gewaltfreie Erziehung und will diese mit einer neuen Studie untermauern. Dazu verlängert er seine Gastprofessur am John Jay College der City University New York.

Laut Pfeiffer machen Ballerspiele aggressiv

Im Herbst sollen 5000 Studenten an fünf amerikanischen Universitäten befragt werden. Unter anderem geht es dabei um eigene Gewalterfahrungen in der Kindheit. Auch die Mediennutzung wird ein Thema sein, denn der Kriminologe ist überzeugt davon, dass Ballerspiele aggressiv machen. „Die Hauptursache dafür, dass Männer im Leistungstief sind, ist das Computerspielen“, sagt er.

Mit seinen zugespitzten Thesen eckt Pfeiffer auch an. Kritiker werfen ihm vor, man könne nicht einfach von Mediengewalt auf reale Gewalt schließen. „Nicht selten lag Christian Pfeiffer mit seinen kontroversen Thesen zum Jugendschutz bei Computerspielen daneben.

Aber die Diskussionen darum haben uns als USK immer motiviert, noch besser und transparenter zu arbeiten“, sagt der Geschäftsführer der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK), Felix Falk.
Vor fünf Jahren stellte das KFN in einer Studie fest, dass die Gewalttätigkeit junger männlicher Muslime mit zunehmender Bindung an den Islam wächst. Der Zentralrat der Muslime bemängelte damals, die Studie sei zu plakativ und die Analyse der Ursachen greife zu kurz. Trotz Gegenwind rückt Pfeiffer nicht von seinen Überzeugungen ab.

Mehr Erfolge als Niederlagen

Vor zwei Jahren scheiterte die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche, mit dem die Bischofskonferenz das KFN beauftragt hatte. Die Bischöfe kündigten den Vertrag nach Streit um die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen. „Das war der größte Ärger, den ich je hatte“, sagt Pfeiffer heute. Die Kirche habe aber aus ihren Fehlern gelernt, der Skandal werde jetzt von Kollegen „ohne Zensur“ untersucht.
Wenn Pfeiffer zurückblickt, sieht er weit mehr Erfolge als Niederlagen. Die Gewaltkriminalität geht in Deutschland drastisch zurück. Das Gewaltschutzgesetz ermöglicht es seit 2002, prügelnde Ehemänner oder Ex-Partner in die Schranken zu weisen. „Der Staat hat die Mitverantwortung für das innerfamiliäre Leben übernommen“, sagt der frühere niedersächsische Justizminister, der SPD-Mitglied ist.

Als größten Erfolg verbucht der Kriminologe die Gründung der ersten deutschen Bürgerstiftung 1997 in Hannover. „Das ist eine Idee, die ich von Freunden aus New York mitgebracht habe.“ Inzwischen gibt es bundesweit mehr als 300 Stiftungen dieser Art. Sie kümmern sich meist um Kinder und Jugendliche und engagieren sich unter anderem in der Kultur, im Sozialen oder im Sport. Um für die Bürgerstiftungen zu werben, ist der KFN-Direktor vor drei Jahren fünf Wochen durch Deutschland geradelt.

Pfeiffer bleibt rastlos. In New York nimmt er regelmäßig die Treppe, um in seine Wohnung im 33. Stock eines Hochhauses in der Nähe des Central Parks zu gelangen. Weil seine Frau weiter in Hannover arbeitet, hat der 71 Jahre alte Gastprofessor in den vergangenen Wochen aber einiges gelernt, wie er erzählt: Selber kochen, selber staubsaugen und E-Mails schreiben. „Als ich in Hannover wegging, wusste ich kaum, wie man den Computer ein- und ausschaltet.“ (dpa)

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben