Christina Rau : „Mit langem Atem“

Christina Rau zu Spenden und ihrer Bedeutung

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Foto: dpadpa

Sie haben nach dem Tsunami die Hilfsangebote aus Deutschland koordiniert. Was bewegt Menschen letztlich zum Spenden?

Bei dem Tsunami war es und in Haiti ist es das Ausmaß der Katastrophe und dass es nicht durch menschlichen Einfluss verursacht wurde, wie etwa im Fall eines Bürgerkrieges. Dazu kommt, dass man durch eine Geldspende wirklich helfen kann, anstatt nur hilflos dabeizustehen und zuzusehen. Die Tatsache, dass schuldlose Menschen Opfer wurden, bewegt. Die Möglichkeit per SMS, Internet oder Telefonhotline zu spenden, macht das Spenden leicht.

Wie lang ist der Zeitraum, in dem Gelder benötigt werden?

Vom Tsunami waren Staaten betroffen, die handlungsfähige Regierungen hatten, und trotzdem war allen vor Ort Handelnden bewußt, dass es viele Jahre dauern würde, die Lebensgrundlage der betroffenen Menschen wiederherzustellen. Im Falle Haiti stehen wir nicht nur vor einer Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes, sondern vor einem „failed state“, einem Land, in dem jede staatliche Struktur zusammengebrochen ist. Deshalb muss langfristige Hilfe genauso im Auge haben, dass staatliche Strukturen wieder aufgebaut werden und das Land nicht in dauernder Abhängigkeit bleibt.

In welcher Phase wird am meisten Geld benötigt?

Jetzt, denn jetzt geht es noch einmal in ganz anderer Art um Leben und Tod, als wir es in den vergangenen Tagen erlebt haben: dass nämlich nach den unsäglich vielen Opfern weiter Menschen sterben, weil keine medizinische Hilfe, kein Wasser und keine Nahrungsmittel verfügbar sind und Gewalt sich ausbreitet.

Wie lang wird nach Ihrer Einschätzung Haiti noch Hilfe benötigen?

In zehn Jahren wird man sehen können, ob Haiti auf einem guten Weg von der Hilfe zur Selbsthilfe ist.

Wie kann man sicherstellen, dass die Gelder auch wirklich am richtigen Ort und bei den richtigen Menschen ankommen?

Ein Garant dafür, dass die Gelder ankommen und nachhaltig verwendet werden, sind die Hilfsorganisationen, die schon vor der Katastrophe da waren und auch da sein werden, nachdem andere Schicksale und Ereignisse die tägliche Informationsflut beherrschen. Die Kindernothilfe ist zum Beispiel seit 1981 in Haiti engagiert, um Kinder und Jugendliche vor Elend und Gewalt zu schützen und ihnen Schulbildung zu ermöglichen, Unicef ist schon seit 1949 da.

Das Interview führte Elisabeth Binder.

Christina Rau engagiert sich seit langem in der Kindernothilfe. Die Witwe des früheren Bundespräsidenten Johannes Rau koordinierte im Auftrag der Bundesregierung die Tsunami-Hilfe.

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