Chronologie : Der Fall Lea-Sophie - Hungertod einer Fünfjährigen

Wegen Mordes hat das Schweriner Landgericht die Eltern der kleinen Lea-Sophie zu je elf Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Der Fall in einer Chronologie.

Schwerin2. November 2006: Der Großvater informiert das Jugendamt, weil er sich Sorgen um seine Enkelin Lea-Sophie macht.

12. November 2007: Das Jugendamt bekommt einen anonymen Anruf aus der Nachbarschaft. Der Anrufer macht sich Sorgen um die beiden Kinder der Familie. Beim Besuch von Jugendamtsmitarbeitern wird niemand angetroffen, die Eltern werden schriftlich ins Amt bestellt.

13. November 2007: Die Eltern erscheinen mit ihrem neugeborenen zweiten Kind im Jugendamt. Lea-Sophie ist nicht dabei. Sie sei bei Bekannten, sagen die Eltern.

20. November 2007: Der Vater von Lea-Sophie alarmiert den Notarzt. Das Kind wird in einem äußerst kritischen Zustand in das Klinikum Schwerin gebracht. Dort stirbt es kurze Zeit später. Die Fünfjährige weist erhebliche Unterernährung und starken Flüssigkeitsverlust auf, sie wiegt nur noch 7,4 Kilogramm. Die damals 23 Jahre alte Mutter und der 26-jährige Vater werden festgenommen.

29. November 2007: Trauerfeier und Beisetzung von Lea-Sophie auf dem Schweriner Waldfriedhof im engsten Familienkreis. Die Eltern sind nicht dabei. 1. Februar 2008: Schwerins Oberbürgermeister Norbert Claussen (CDU) spricht von "eklatanten Versäumnissen und organisatorischen Mängeln" im Jugendamt.

19. Februar 2008: Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen die Eltern wegen gemeinschaftlichen Mordes durch Unterlassen und Misshandlung von Schutzbefohlenen.

15. April 2008: Am Landgericht Schwerin beginnt der Prozess gegen die Eltern. Der 26-Jährige räumt ein, er habe als Vater versagt.

27. April 2008: Der nach Lea-Sophies Hungertod in die Kritik geratene Oberbürgermeister Claussen wird in einem Bürgerentscheid abgewählt.

2. Juni 2008: Lea-Sophies Mutter gesteht eine Mitschuld am Tod ihrer Tochter ein.

10. Juli 2008: Die Staatsanwaltschaft fordert jeweils 13 Jahre Haft für die Eltern. Die Verteidigung weist die Mordvorwürfe zurück und plädiert auf etwa acht Jahre Haft wegen Totschlags. (ck/dpa)

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