Welt : Chronologie eines Mordfalls

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Der 76Jahre alte Nürnberger Schönheitschirurg Franz Gsell wird in seinem Haus von zwei Unbekannten mit einer Axt niedergeschlagen und beraubt. Knapp drei Monate später stirbt er, angeblich an seinen Verletzungen, wie es zunächst heißt.

24. April – Tatjana Gsell, die Witwe des Mannes, wird verhaftet. Vorwurf: Mithilfe an dem Verbrechen.

17. Juli – Die Öffentlichkeit wird mit der Meldung überrascht, dass die Justiz den jungen Staatsanwalt Stefan M. verhaften lässt. Er ist nicht mit den Ermittlungen im Fall Gsell befasst. Er soll ein alter Freund der Witwe sein und steht in dringendem Tatverdacht der Beihilfe zur gemeinschaftlichen Nötigung und der Körperverletzung mit Todesfolge. Stefan M. ist neben dem einstigen Düsseldorfer Autohändler und Pleitier Helmut Becker der zweite Geliebte Tatjana Gsells, der eine Rolle in dem Kriminalfall spielt. Die Nürnberger Staatsanwaltschaft führt Becker als einen der Verdächtigen, erließ aber bislang keinen Haftbefehl.

26. Juli – Der „Spiegel“ meldet, es seien zwei weitere Verdächtige verhaftet worden. Es soll sich mutmaßlich um die Haupttäter handeln. Die Täter hätten zunächst lediglich das Luxusauto von Tatjana Gsell in deren Auftrag stehlen wollen, damit die für ihren luxuriösen Lebensstil bekannte „Society-Lady“ die Versicherungssumme kassieren konnte. Der Staatsanwalt fungierte demnach als Mittelsmann zwischen den Autoschiebern und seiner Jugendliebe Gsell. Erst im Verlaufe des Autodiebstahls hätten die beiden Männer beschlossen, den millionenschweren Schönheitschirurgen auszurauben.

27. Juli – „Bild am Sonntag“ meldet, es gebe Indizien dafür, dass das Opfer von der Planung des Diebstahls gewusst haben könnte. „Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass der Überfall von vornherein eine abgekartete Sache war“, schreibt das Blatt. Außerdem berichtet „Bams“, der Arzt sei nicht an den Verletzungen gestorben, sondern an einem Virus. Zudem habe eine DNA-Analyse ergeben, dass die beiden Verhafteten, die zuvor noch als Haupttäter gehandelt worden waren, nicht den Axtüberfall verübt haben. Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ enthüllt, der tote Arzt sei homosexuell gewesen.

28. Juli – „Bild“ zitiert einen Polizeibeamten, der einräumt, dass im Mordfall Gsell auch im Milieu der käuflichen Strichjungen ermittelt wird. os

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