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Welt : Clinton schaltet das Pentagon ein - die Rettungsaktionen in Europa laufen erst schleppend an

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Nach anfänglichem Zögern haben die USA bei der Hilfe für Mosambik den Turbogang eingeschaltet. Drei Tage Fernsehbilder aus dem Katastrophengebiet überzeugten US-Präsident Bill Clinton davon, auf die Armee zurückzugreifen, anstatt lediglich auf die zivile Hilfsagentur USAID. Ein Einsatzkommando mit sechs Transporthubschraubern soll so rasch wie möglich aus Europa ins südliche Afrika geschickt werden, um bei den Rettungsaktionen für die Menschen im Hochwassergebiet zu helfen. Das Pentagon erwägt zudem, ein Katastrophenhilfemanöver, das Anfang März in Kamerun stattfinden sollte, nach Mosambik zu verlegen. An dem Manöver namens "Glänzender Löwe" sollten 550 US-Soldaten teilnehmen, darunter Sanitäter, Piloten, Bodenpersonal und Versorgungsteams.

USAID ist seit Anfang Februar aktiv, um den Hochwasser-Opfern zu helfen. Zunächst bedeutete dies jedoch hauptsächlich finanzielle Unterstützung für regierungsunabhängige Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen. Am Mittwoch traf ein US-Militärflugzeug mit Hilfsgütern in Mosambik ein; seit Dienstag sondiert eine Abordnung der Armee die Lage vor Ort.

Grundsätzlich zögert aber das amerikanische Verteidigungsministerium, sich an Hilfsaktionen in fernen Ländern zu beteiligen: Die Kapazitäten der US-Streitkräfte seien wegen der Teilnahme an den internationalen Missionen auf dem Balkan, in Korea und am Golf so gut wie ausgeschöpft, lautet die ständige Klage der Generäle. Sie kämpfen dagegen, dass das Militär zur Katastrophenfeuerwehr umfunktioniert wird.

Zudem gehört der afrikanische Kontinent militärisch nicht zu den Prioritäten der USA. Es ist aufwendiger, Kräfte dorthin zu verlegen als zum Beispiel nach Mittelamerika. Zwar verfügt die US-Armee über riesige C-5-Lastflugzeuge, die auch Helikopter transportieren können. Doch sei es mehr als fraglich, ob sie im Überschwemmungsgebiet landen könnten, sagte ein Vertreter des US-Verteidigungsministeriums.

Politisch macht es indes Sinn, die Hilfe für Mosambik aufzustocken: Die Fernsehbilder haben auch die amerikanische Öffentlichkeit mobilisiert, und Clinton will dem Eindruck entgegentreten, er lasse Afrika im Stich. Insgesamt wollen die USA jetzt 12,8 Millionen Dollar ausgeben. Darin inbegriffen sind die Kosten für die Entsendung eines Wasserrettungsteams aus Miami in Florida, das auf die Suche von Flutopfern und deren Bergung spezialisiert ist. Weitere Teams mit Schlauchbooten will die amerikanische Armee bereitstellen.

Die Bundesregierung in Berlin will bis zu zehn Bundeswehr-Hubschraubern in das Katastrophengebiet schicken. Gebraucht werden in Mosambik, wo der Limpopo teilweise eine Breite von 125 Kilometern angenommen hat, vor allem Hubschrauber und Boote zur Rettung von Menschen von Hausdächern oder Bäumen. Bundesaußenminister Joschka Fischer kündigte einen Besuch in Mosambik für Ende des Monats an, um sich selbst ein Bild von der benötigten Hilfe zu machen. Das Auswärtige Amt teilte mit, ein Arbeitsstab habe die weiteren Hilfsaktionen erörtert. Bisher seien bereits mehr als drei Millionen Mark bereitgestellt worden. Diese Summe könne bei Bedarf aufgestockt werden, hieß es am Donnerstag in Berlin. Großbritannien schickte bereits Lebensmittel, Medikamente, Schlauchboote und drei Hubschrauber ins südliche Afrika.

Die Europäische Kommission stellte Mosambik unterdessen weitere Hilfen in Aussicht. Nach einer Mosambik-Reise von Entwicklungskommissar Poul Nielson wolle die Kommission auf der Grundlage seiner Berichte weitere Hilfsmaßnahmen prüfen, hieß es am Donnerstag in Brüssel. Das EU-Hilfswerk Echo hatte bereits in der vergangenen Woche 1,2 Millionen Mark für Mosambik aufgebracht. Zudem werde derzeit die Bereitstellung weiterer vier Millionen Mark an Hilfen vorbereitet, teilte die Kommission mit. Zudem erörtere die Kommission derzeit Wiederaufbauhilfen für das afrikanische Land.

Seit dem vorigen Sonntag wurden offiziellen Angaben zufolge nur rund 8000 Menschen in Sicherheit gebracht, bedroht von dem Hochwasser sind aber Hunderttausende. Mindestans 200 Menschen sind bislang nach Schätzungen der Behörden ertrunken. Die Gefahr von Epidemien durch verschmutztes Wasser wächst. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf warnte bereits vor der Ausbreitung von Cholera, Ruhr und Malaria in dem Hochwassergebiet.

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