Welt : Coca-Cola-Kontrollen auch in Deutschland

BERLIN/BRÜSSEL/PARIS (Tsp/AFP). Der Coca-Cola-Skandal zieht immer weitere Kreise: Nach Belgien, den Niederlanden und Luxemburg sind am Mittwoch in Frankreich 50 Millionen Dosen des Coca-Cola-Konzerns vom Markt genommen worden. Der Konzern hatte Dienstag eingeräumt, daß Fehler in Belgien und Frankreich für die Gesundheitsprobleme von Konsumenten verantwortlich sind. In Frankreich untersagte die Regierung den Verkauf der Büchsen mit Coca-Cola, Coca-Cola-Light, Sprite und Fanta, nachdem zwei Männer im Norden des Landes über Unwohlsein geklagt hatten.

Das Bundesgesundheitsministerium erneuerte am Mittwoch seinen Standpunkt, daß Getränke des Konzerns aus deutscher Produktion unbedenklich seien, weil die Fehler eindeutig nur in Belgien und Frankreich aufgetreten sind. In Deutschland vertreibt Coca-Cola nur Produkte, die im Land produziert und abgefüllt wurden. Die Verbraucher sollten deshalb darauf achten, daß die Angaben auf den Flaschen oder Verpackungen in deutscher Sprache abgefaßt seien. Das Gesundheitsministerium schließt aber nicht aus, daß im Grenzgebiet zu Belgien solche Getränke auftauchen. Diese Produkte seien an ihrer Beschriftung in französischer und niederländischer Sprache zu erkennen und sollten vorsichtshalber nicht getrunken werden.

Da nicht mit Gewißheit ausgeschlossen werden kann, daß Getränke aus Belgien bis nach Berlin gelangen, suchen die Berliner Lebensmittelüberwachungsbehörden seit gestern in Betrieben des Getränkeunternehmens sowie im Groß- und Einzelhandel nach belgischen Produkten. Die Firmenvisite sei rein vorsorglich, sagte der Sprecher der Senatsgesundheitsverwaltung, Christoph Abele. Es bestehe kaum eine Gefahr, daß die deutsche Produktion betroffen sei. Es wäre denkbar, daß ein Händler die Getränke in Belgien gekauft hat, die dort billiger sind. Ein solches Vorgehen ist verboten. Unter anderem widerspricht es der Lebensmittelkennzeichnungsverordnung, die eine deutsche Beschriftung vorschreibt. Im grenznahen Rheinland-Pfalz waren Tausende Flaschen und gestern auch Dosen aus Belgien beschlagnahmt worden, die auf Volksfesten vertrieben werden sollten.

In Berliner Supermärkten ist von einer Verunsicherung der Kunden offenbar kaum etwas zu spüren. Nachfragen in mehreren Supermärkten ergaben, daß die Kunden wegen des Coca-Cola-Falls noch nicht einmal Fragen stellen. Auch die Umsätze gehen nicht zurück, weil die Kunden über den Sachverhalt offenkundig informiert sind.

Im Saarland und in Hessen werden allerdings auch deutsche Coca-Cola-Produkte aus Gründen der Vorbeugung stichprobenartig untersucht. Mit einer Gefahr werde aber nicht gerechnet, erklärte das Gesundheitsministerium in Saarbrücken.

Die Konkurrenz profitiert

Kurs der Coca-Cola-Aktie gesunken / Kritik von Händlern

Brüssel (AP/AFP). "Eine Coke ist eine Coke ist eine Coke, egal wo auf der Welt du sie trinkst." So begrüßt die Coca-Cola-Zentrale die Besucher ihrer Homepage im Internet. Doch seit den Vorfällen in Belgien stimmt der Satz nicht mehr. Dem Unternehmen bereitet dies Probleme. Aber es hilft ihm auch. Denn so kann die Deutschland-Vertretung darauf hinweisen, daß eine deutsche Coke eben keine belgische und darum auch keinesfalls gesundheitsschädlich ist. Viele Verbraucher allerdings befriedigt das wenig, und auch der Handel ist verunsichert.

Der Vergiftungsskandal gab den Konkurrenten Coca-Colas in Belgien ungeahnten Auftrieb. Belgischen Zeitungsberichten zufolge sind vor allem Pepsi-Cola und Virgin gefragt wie nie zuvor, die zum Teil eine Steigerung der Nachfrage um das Zehnfache verzeichneten. Coca-Cola beherrscht bislang unangefochten den Markt in Belgien. Der Anteil an den Gesamtverkäufen bei Softdrinks lag zuletzt bei 56 Prozent.

Unter dem Eindruck des Skandals fiel die Aktie der Coca-Cola Co. am Dienstag an der New Yorker Börse um 1,64 Prozent auf 63,75 Dollar. Zu wirtschaftlichen Folgen äußerte sich das Unternehmen bisher nicht.

Der Hauptverband des deutschen Einzelhandels kritisierte die Informationspolitik von Coca-Cola. "Das Unternehmen hätte schneller und besser informieren müssen über die Fakten", sagte Verbandssprecher Hubertus Pellengahr. Das sei für den Handel wichtig, damit er das Risiko einschätzen und den Verbraucherschutz gewährleisten könne. Auch beim Bundesverband für den deutschen Getränkefachgroßhandel liefen die Telefone heiß, weil Händler auf der Suche nach Informationen waren.

Der Konzern allerdings wies die Vorwürfe zurück. "Wir haben alle Kunden informiert", erklärte Sprecherin Ursula Lindenberg in Essen. Das Unternehmen schätzte die Verunsicherung der Kunden auch nicht so groß ein, daß die Produktion gedrosselt wird.

Kohlendioxid und Pilzbekämpfungsmittel

Zwei Gründe nennt das Unternehmen Coca-Cola für die Verunreinigung einiger Softdrinks: Kohlendioxid "schlechter Qualität" in Belgien und ein Pilzbekämpfungsmittel (Fungizid), das in Frankreich an die Außenwand anderer Dosen gelangt sei.

Kohlendioxid ist ein ungiftiges Gas - farblos, unbrennbar und geruchslos. Der künstliche Zusatz von Kohlendioxid bringt Softdrinks zum Sprudeln. Wird Kohlendioxid in Wasser gelöst, entsteht Kohlensäure. Diese schwache Säure wird oft als Synonym für Kohlendioxid genutzt.

Fungizide sind Pilzbekämpfungsmittel. Die Chemikalien sind von sehr unterschiedlicher Zusammensetzung und Giftigkeit. Sie werden vor allem im Pflanzenschutz eingesetzt, aber auch zum Schutz von Holz oder Lebensmitteln.

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