Welt : Comic erregt Gemüter

Uni Essen verteidigt Abbruch der Ausstellung.

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Frauenschicksal. In seiner viel gelobten Graphic Novel „Habibi“ erzählt Craig Thompson vor einer prachtvollen orientalischen Kulisse die Geschichte zweier Sklaven. Es geht um Liebe und Leid sowie das gemeinsame Erbe von Islam und Christentum. Illustration: Craig Thompson/Reprodukt
Frauenschicksal. In seiner viel gelobten Graphic Novel „Habibi“ erzählt Craig Thompson vor einer prachtvollen orientalischen...

Berlin - Nach dem umstrittenen Abbruch einer Comic-Ausstellung aufgrund von Protesten muslimischer Studenten geht die Universität Duisburg-Essen jetzt in die Offensive. Mehr als eine Woche nach dem Vorfall veröffentlichte die Hochschulleitung am Mittwoch eine erste Stellungnahme zu dem Vorfall, der bundesweit Schlagzeilen machte. Einerseits wird daran die teilweise handgreiflich geäußerte Kritik an der Ausstellung zurückgewiesen. Andererseits verteidigt die Universität ihre Entscheidung, die Schau vorzeitig abzubrechen, nachdem eine Studentin ein als anstößig empfundenes Bild abgerissen und mit einer Schere beschädigt hatte.

Auslöser des Eklats war eine Ausstellung studentischer Collagen in der Uni-Bibliothek. Darauf waren Bilder aus Graphic Novels, also literarisch anspruchvollen Comic-Büchern, für ein Anglistikseminar mit Texten in einen neuen Zusammenhang gestellt worden. Nachdem die Ausstellung vier Wochen lang gezeigt worden war, erregten Mitte Juni offenbar zwei Poster Kritik seitens einiger muslimischer Studierender. Die fühlten sich durch die Verbindung sexueller und religiöser Motive in ihrem religiösen Empfinden verletzt. Am 17. und 24. Juni riss dann eine muslimische Studentin je ein Plakat ab, im letzteren Fall zerschnitt sie es auch mit einer Schere. Eines der Plakate zeigte Motive aus dem Orient-Comic „Habibi“ des US-Autors Craig Thompson, das andere soll Szenen aus der Graphic Novel „Exit Wounds“ der israelischen Autorin Rutu Modan zeigen.

Nach diesem Vorfall brach die Uni-Leitung die Ausstellung vorzeitig ab. Das provozierte viel Kritik, da darin ein Einknicken vor den Protestierern gesehen wurde. Die Uni-Leitung verteidigt ihren Schritt hingegen als „Protest gegen die erfolgte Zensur“ durch die Studentin. Neben einem Gespräch mit der Studentin und der Androhung rechtlicher Konsequenzen ist nun auch ein Kolloquium zu dem Vorgang geplant, ein Islamwissenschaftler wurde um eine Expertise zu den Postern gebeten. Lars von Törne

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