Comicverfilmungen : Das Jahr der Superhelden

Rund 70 Comics sollen in diesem Jahr in die Kinos kommen oder in den Studios gedreht werden.

Lars von Törne
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Normalerweise bereiten sich Filmschauspieler auf ihre nächste Rolle vor, indem sie das Drehbuch lesen. Als Jeffrey Dean Morgan („Grey’s Anatomy“) damit begann, sich in die Rolle des maskierten Killers namens „Comedian“ in dem Film „Watchmen“ einzuarbeiten, fand der Hollywoodstar in der Post ein Päckchen, das ihm sein Regisseur Zack Snyder („300“) geschickt hatte. Es enthielt das Comicbuch „Watchmen“ von Alan Moore und Dave Gibbons, auf dem der Film basiert, der am kommenden Donnerstag auch in Deutschland anläuft. „Zack sagte uns Schauspielern, wir sollten den Comic lesen, bevor wir mit der Arbeit am Film anfangen“, erinnert sich Morgan. „ Erst danach schickte er uns das Drehbuch zu.“

Die Episode illustriert einen Trend in Hollywood: Immer öfter greifen Regisseure und Filmstudios auf Comics zurück. 70 neue Comicverfilmungen zählte kürzlich das Fachblatt „Total Film“, die in diesem Jahr in die Kinos kommen oder an denen die Studios arbeiten. Die Premiere von „Watchmen“ erwarten viele Comicfans mit besonderer Spannung. Das fast 400 Seiten starke, vielschichtige Drama um eine alternde Superheldengruppe, die durch eine Mordserie in den eigenen Reihen aufgerüttelt wird, gilt nicht nur in Comickreisen als zeitloses Meisterwerk. Das „Time“-Magazin zählte das 1986 erstmals veröffentlichte Comicepos zu den besten 100 Romanen aller Zeiten.

Für die Schauspieler war es Segen und Fluch zugleich, einen Comic als Vorlage zu haben, sagte Billy Crudup („The Good Shepherd“), der in „Watchmen“ den durch einen Unfall mit Superkräften ausgestatteten Wissenschaftler Dr. Manhattan spielt: „Das Buch wurde zu meinem besten Freund und zu meinem ärgsten Feind. Denn einerseits ist es fantastisch, wenn du als Schauspieler für jede Szene eine exakte visuelle Vorgabe hast, andererseits ist dadurch schon alles vorgezeichnet und du hast kaum Spielraum, um dir deine Figur selbst zu erarbeiten.“

Neben „Watchmen“ und dem seit Anfang Februar laufenden „The Spirit“ (mit Scarlett Johansson und Eva Mendes) drängen weitere Comicverfilmungen in die Kinos. Anfang April wird die Realverfilmung des bei Jugendlichen enorm populären Manga-Comics „Dragonball“ zu sehen sein, in der Hauptrolle Nachwuchsschauspieler Justin Chatwin („Krieg der Welten“). Ende April soll „Wolverine“ folgen, in dem Hollywoodstar Hugh Jackman erneut in die Rolle schlüpft, mit der er der Comicreihe „X-Men“ zum Erfolg verholfen hat.

Weitere Projekte locken mit ebenso prominenten Namen: So soll Teeniestar Shia LaBeouf die Hauptrolle in „Y: The Last Man“ spielen, der für 2010 angekündigten Verfilmung der Comicserie, in der es um die Odyssee des letzten Mannes auf Erden nach einer verheerenden Seuche geht. Bruce Willis ist im Gespräch als Hauptdarsteller des Science-Fiction-Krimi-Comics „Surrogates“. Kate Beckinsale wird die Hauptrolle in dem in der Antarktis angesiedelten Thriller „Whiteout“ spielen. Tom Cruise soll in „Sleeper“ einen mit übermenschlichen Kräften ausgestatteten Geheimagenten spielen. Leonardo DiCaprio ist als Ganganführer in der Realverfilmung des Manga-Klassikers „Akira“ im Gespräch. Ebenfalls in diesem Jahr soll die ironisch gebrochene Superheldengeschichte „Kick-Ass“ ins Kino kommen, die auf einer unvollendeten Comicserie basiert. Eine der Hauptrollen spielt der bekennende Comicfan Nicolas Cage. Die Sängerin und Schauspielerin Beyoncé Knowles hat Interesse, in einer lang geplanten Verfilmung die Amazone „Wonder Woman“ zu verkörpern. Zudem sind Fortsetzungen von erfolgreich eingeführten Titeln wie „Spider-Man“, „Iron Man“ und „Sin City“ geplant.

Wieso Hollywood auf bunte Bildgeschichten zurückgreift? Zum einen ist die Film- und Tricktechnik heute so weit fortgeschritten, dass einst nur in Worten und Zeichnungen darstellbare Fantasie- und Actionszenen inzwischen mühelos auf die Leinwand übertragbar sind. Vor allem aber ist in Hollywood eine Generation von Regisseuren und Produzenten nachgewachsen, die mit Comics groß geworden ist. „Wenn du ein Comicbuch schaffst, arbeitest du allein“, sagte Autor, Zeichner und Regisseur Frank Miller („Sin City“, „The Spirit“) kürzlich dem Tagesspiegel. „Das kostet nur ein paar tausend Dollar. Du kannst also tun, was du willst. Wenn du aber mit einem Film startest und es geht um 50 Millionen Dollar, sind viele Leute sehr nervös, ob sich die Investition lohnt.“ Sobald die Studios sehen, dass ein Comic ankommt, greifen sie zu. Miller selbst ist allerdings das beste Beispiel dafür, dass sich die Studios arg verschätzen können. Seine Anfang Februar angelaufene Verfilmung des Comicklassikers „The Spirit“ gilt künstlerisch und finanziell schon jetzt als einer der größten Flops des Jahres.

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