Comicwettbewerb „Animate Europe“ : Europäische Querdenker

Mit dem Comicwettbewerb „Animate Europe“ will die Friedrich-Naumann-Stiftung zum kreativen Nachdenken über Europa anregen. Ab diesem Donnerstagabend sind die Sieger-Geschichten in Potsdam zu sehen.

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Europäischer Humanist: Erasmus diskutiert seine Ideen mit einem Seehund.
Europäischer Humanist: Erasmus diskutiert seine Ideen mit einem Seehund.Foto: Tabilio/Naumann-Stiftung

Durch eine Verkettung von Unglücksfällen findet sich der Philosoph Erasmus von Rotterdam Anfang des 16. Jahrhunderts auf hoher See im Bauche eines Wals wieder. Dort lernt er einen sprechenden Seehund kennen, den der Zustand der Welt ähnlich stark beschäftigt wie den großen Denker – Auftakt eines Gedankenaustauschs über das jüngste Werk des Philosophen, die Schrift „De Europa“, und die Idee eines europäischen Staatenverbundes.

Die Comic-Kurzgeschichte „Erasmus and the Seal“ stammt von dem in Hamburg lebenden italienischen Illustrator Marco Tabilio. Kürzlich gewann er damit den internationalen Comicwettbewerb „Animate Europe“, ausgerufen von der Friedrich-Naumann-Stiftung. Ein Sammelband präsentiert jetzt die fünf Bestplatzierten des Wettbewerbs, eine Wanderausstellung zeigt großformatige Drucke der Werke. Ab dem 20. Februar ist sie auch in Potsdam zu sehen.

„Gute Ideen brauchen Zweifel“

Erasmus, der als bedeutender Gelehrter des europäischen Humanismus gilt, erscheint in der Siegergeschichte als unkonventioneller Denker, der bereit ist, seine Konzepte zu hinterfragen. Das tut der Seehund mit Leidenschaft. So werden hier spielerisch die großen Fragen verhandelt, die die Europäische Union bis heute umtreiben: Was passiert in einem Staatenverbund mit Einheitswährung, wenn die Wirtschaftskraft der Länder zu stark auseinandergeht? Wie definiert man die Grenzen der Union? Welche Völker gehören dazu, welche nicht? Immer wieder bringt der Seehund den Namenspaten des EU-Auslandsstudienprogramms ins Grübeln und den Leser ebenfalls. Gezeichnet ist die achtseitige Episode in einem klaren, reduzierten Stil, der entfernt an Hergé („Tim und Struppi“) erinnert.

Sammelband: Dieses Album vereint die Gewinnerbeiträge in gedruckter Form, das Cover stammt von Emily Victoria Solichin.
Sammelband: Dieses Album vereint die Gewinnerbeiträge in gedruckter Form, das Cover stammt von Emily Victoria Solichin.Foto: Naumann-Stiftung

„Die Geschichte ist durch ihren surrealen Ansatz und Witz didaktisch, ohne belehrend zu sein“, heißt es in der Begründung der Jury für die Auswahl des Wettbewerbssiegers. „Was der Leser am Ende mitnimmt, wird ihm nebenbei vermittelt.“ Nun soll die Erzählung in der politischen Bildung eingesetzt werden, ebenso wie die anderen ausgezeichneten Comics. Die kommen didaktischer und geradliniger daher als der Siegerbeitrag. Die Erasmus-Geschichte besticht dafür durch ihren selbstironischen Ton und eine skeptische Perspektive. Ganz nach dem Motto des Seehundes: „Gute Ideen brauchen Zweifel.“

„Animate Europe“ 20. 2.–20. 4., Friedrich-Naumann-Stiftung, Karl-Marx-Str. 2, Potsdam, Mo.–Fr.: 17–19, Sa./So.: 10–18 Uhr.
Eröffnungsveranstaltung am Donnerstag, dem 20. Februar von 19 bis 21 Uhr. Begrüßung: Anne Wellingerhof, Leiterin Regionalbüro Berlin-Brandenburg der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Berlin/Potsdam. Grußwort: Dr. Christiane Gaehtgens, Spitzenkandidatin der FDP Brandenburg zur Europawahl, Potsdam. Einführung: Hans H. Stein, Leiter Regionalbüro Europäische Institutionen und Nordamerika der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Brüssel. Comic-Einführung: Lars von Törne, Tagesspiegel-Redakteur. Außerdem anwesend: Marco Tabilio, erster Preisträger des Wettbewerbs, und James Turek, Finalist.

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