Welt : Concorde: Den Reeder Peter Deilmann trifft das Unglück ganz persönlich

Jörn Hasselmann

Die "Deutschland" war seine Idee, sein Kind, sein Traum. Und der ist nun erschüttert, und Peter Deilmann ist es auch. Große Reden liebt der Reeder aus dem Holsteinischen ohnehin nicht, und nun muss er vor der lauernden Presse Rede und Antwort stehen. Der Unternehmer ist grundehrlich: "Ich kann Ihnen das nicht sagen und auch nicht vermitteln. Es ist außerhalb meiner Fähigkeit, Worte zu finden." So spricht er es vor dem Firmensitz in Neustadt in die laufenden Kameras.

Peter Deilmann baut lieber Schiffe. Mit der "Deutschland" hat er sich vor zwei Jahren seinen persönlichen Traum von einem Schiff erfüllt. In Deutschland gebaut, mit deutscher Flagge am Heck, weitgehend deutscher Crew und vor allem mit diesem Namen: "Deutschland". Und es war ein Bundespräsident, Richard von Weizsäcker, der das im Stil eines Grandhotels der 20er Jahre gehaltene Schiff im Mai 1998 in Kiel taufte. Und dann der Coup mit dem Kapitän, Deilmann hatte sich den Renommier-Kommandanten der Bundesmarine geangelt, Immo von Schnurbein von der "Gorch Fock". Für den 64-Jährigen war es schon eine schwere Enttäuschung, als das Getriebe unzumutbar laut lärmte, 40 Kabinen im Achterschiff erst wieder zu belegen waren, als ein neues Getriebe eingebaut war. "Deutsche Wertarbeit" wollte er haben, betonte er immer wieder, und was ihm die Werft einbaute, war Murks. Noch mehr verbitterte ihn, dass ein renommierter Kreuzfahrttester, der "Berlitz Guide", Ende 1998 seinem Schiff nur vier Sterne zugestand. Da der Autor geradezu fahrlässig schluderig recherchiert hatte, fiel es Peter Deilmann leicht, das ganze Buch vor Gericht zu kippen.

Die Deutschland hat fünf Sterne verdient, sagt Deilmann, und seine Passagiere stimmen ihm zu. Viele Stammkunden sind darunter, "Repeater", wie man sie in der Branche nennt. Gut betuchte, nicht gerade die jüngsten Menschen, die nicht mehr jede Mark zweimal herumdrehen müssen. Sie genießen das Schiff, das Ambiente, den Service an Bord, der sich auch um kleinste Dinge kümmert. Und bezahlen dafür pro Person etwa 8000 bis 25 000 für zwei Wochen. 2950 Mark Aufschlag für den Concorde-Flug fallen da nicht mehr ins Gewicht.

Mit nur gut 520 Passagieren und 300 Kabinen ist die Deutschland das genaue Gegenteil des gegenwärtigen Kreuzfahrttrends des immer größer, immer schneller, immer anonymer. Grauenhaft findet Deilmann die US-Schiffe, auf denen jede Kabine einen eigenen Balkon hat. Dort sind die Gesellschaftsräume wie ausgestorben. Deilmann will, dass sich seine Gäste allabendlich im Anzug im "Kaisersaal" treffen, das ist der von Kritikern als "plüschig" gegeißelte Ballsaal. Hier stehen die "Prominenten" auf der Bühne, die Deilmann gerne einlädt. Wilhelm Wieben zum Beispiel oder Otto Sander, Cornelia Froboess, Wolf-Jobst Siedler oder Günter Pfitzmann. Berti Vogts unterhielt die Passagiere während der EM mit launigen Kommentaren zum deutschen Gekicke.

Und nun die Concorde. "Das Leben geht weiter", sagte Deilmann noch in die Fernsehkameras. Und auch hier geben ihm seine Passagiere Recht. Keiner der verbliebenen 410 hat sein Angebot angenommen, die Reise gratis zu stornieren. Heute, Punkt 14 Uhr, wird Kapitän Hajo Janssen im Hafen von New York das Kommando "Leinen los" geben. 50 Kabinen des Traumschiffes bleiben frei auf der 64. Reise.

0 Kommentare

Neuester Kommentar