Welt : Concorde-Trauerfeier: Die Frage nach dem Warum bleibt unbeantwortet

Im Beisein von Bundeskanzler Gerhard Schröder und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidenten Wolfgang Clement ist am Freitag im Kölner Dom in einem zentralen Trauergottesdienst der 113 Opfer des Concorde-Absturzes vom 25. Juli bei Paris gedacht worden. Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Präses Manfred Kock, erklärte in seiner Predigt vor den Hinterbliebenen der Opfer: "Die Frage nach dem Warum bleibt unbeantwortet - unerbittlich und schmerzlich". Alle technischen Erklärungen über die Unfallursache könnten nicht ungeschehen machen, was geschehen ist. "Auch künftig werden Ereignisse dieser Art eintreten, wir wissen es wohl", meinte Kock.

Weihbischof Friedhelm Hofmann erklärte in Vertretung des Kölner Erzbischofs Joachim Kardinal Meisner, die Menschen könnten sich "nicht damit abfinden, wenn der Tod plötzlich in unser Leben einbricht". Durch Ereignisse wie den Flugzeugabsturz, die Zugunglücke von Brühl und Enschede oder auch das jüngste Bahnhofsattentat in Düsseldorf fühlten sich die Menschen überrumpelt, allein gelassen und überfordert." Trotz frappierender Fortschritte im wissenschaftlichen und technischen Bereich und trotz Absicherung des Lebens nach allen Seiten hin überrasche der plötzliche Tod eines lieben Menschen immer wieder, meinte Hofmann.

An dem ökumenischen Gedenkgottesdienst im Kölner Dom nahmen neben zahlreichen Bürgern der Stadt auch Bundesratspräsident Kurt Biedenkopf, Hessens Ministerpräsident Roland Koch, die Bundesminister Karl-Heinz Funke, Werner Müller und Otto Schily sowie weitere Minister aus verschiedenen Bundesländern teil. Auch der französische Botschafter und die Generalkonsule von Frankreich und den USA hatten ihr Kommen zugesagt. Der im ZDF live übertragene Trauergottesdienst begann mit dem Lied "Wir sind nur Gast auf Erden".

Anwälte von Angehörigen der Opfer des Concorde-Absturzes in Paris wollen eine Interessengemeinschaft formen, um die Fluggesellschaft Air France zur Zahlung von Entschädigungen in amerikanischer Größenordnung zu veranlassen. Zwei Rechtsanwälte - der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum in Köln und Christof Wellens in Mönchengladbach - teilten am Freitag mit, sie hätten Kontakt mit Air France beziehungsweise deren Versicherungen aufgenommen.

Baum, der mit dem Berliner Luftrechts-Professor Elmar Giemulla zusammenarbeitet, vertritt nach eigenen Angaben etwa 30 Mandanten, die Mönchengladbacher Kanzlei Backes, in der Wellens arbeitet, handelt nach dessen Angaben im Auftrag von 15 Erbengemeinschaften. Baum und Wellens rechnen damit, dass sich ihnen in nächster Zeit die Anwälte von Hinterbliebenen weiterer Absturzopfer anschließen werden.

Die Anwälte haben nicht die relativ geringen Entschädigungen im Visier, die in Deutschland und Frankreich üblich sind. Sie orientieren sich nach eigenen Angaben eher an den im Vergleich dazu sehr hohen Entschädigungen, die von amerikanischen Gerichten zugesprochen werden - laut Wellens waren es in den letzten zehn Jahren im Durchschnitt 2,7 Millionen Dollar pro Todesopfer eines Flugzeugunglücks.

Was sie für tatsächlich erreichbar halten, sagten beide Anwälte nicht. Baum verwies darauf, dass zunächst einmal der Schaden erfasst werden müsse, angefangen bei zerstörtem Gepäck über Beerdigungskosten, wirtschaftliche Schäden und Unterhaltskosten bis hin zum seelischen Schmerz. Bei der Entschädigung für letzteren werde man "sehr intensiv" in amerikanische Vorstellungen hineinkommen.

Im Augenblick stünden die Betroffenen noch unter dem Eindruck der Beerdigungen und der gemeinsamen Trauerfeier im Kölner Dom.

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