Welt : Concorde-Unfall: Die letzten Sekunden des Unglücks von Paris

Die Ermittler des Concorde-Unfalls vom 25. Juli haben die letzten Augenblicke bis zum Absturz minutiös rekonstruiert, doch lässt der am Freitag in Le Bourget bei Paris vorgestellte Zwischenbericht weiter Fragen über den genauen Ablauf der Katastrophe offen. Die Gespräche im Cockpit zeigen, dass die Besatzung versucht hat, das Feuer an der linken Tragfläche zu bekämpfen und auf dem nahen Flughafen Le Bourget notzulanden.

Das französische Büro für Unfallermittlung (BEA) stellt in seiner Zwischenbilanz aber fest, dass die Concorde nach dem Platzen eines Reifens keine Chance mehr hatte. Die Ermittler enthalten sich jeder Schlussfolgerung über die Verantwortung für das Unglück bei Paris, bei dem 113 Menschen starben, darunter 96 deutsche Touristen. Auslöser sei aller Wahrscheinlichkeit nach das 43 Zentimeter lange Metallteil auf der Startbahn 26 des Flughafens Charles-de-Gaulle gewesen, das nicht von der Concorde stammt. Dabei kritisiert das BAE auch die Flughafenverwaltung, die zu diesem Zeitpunkt offenbar die Startbahn nur unzureichend nach Fremdkörpern abgesucht hatte. Teile eines explodierenden Reifens am linken Fahrwerk durchschlagen einen Tank, ausströmendes Kerosin entzündet sich. Zu diesem Zeitpunkt ist die Maschine bereits so schnell, dass sie nicht mehr auf der Piste anhalten kann. Um 16.43 Uhr und 13 Sekunden warnt ein Fluglotse: "Concorde 4590, Sie haben Flammen, Sie haben Flammen hinter sich." Der Bordingenieur meldet eine Störung am Motor zwei und schaltet ihn ab, der Pilot Christian Marty ordnet das Verfahren zum Feuerlöschen an. Das Fahrwerk lässt sich nicht einfahren. "4590, Sie haben große Flammen hinter sich", sagt der Tower. Um 16.43 Uhr und 37 Sekunden gibt er der Concorde die Erlaubnis, umgehend zum Flughafen zurückzukehren, und informiert die Feuerwehr.

Das Feuer umfasst mittlerweile beide Triebwerke am linken Flügel. Der Kopilot verweist immer wieder auf die fehlende Geschwindigkeit. "Le Bourget, Le Bourget", sagt er um 16.44 Uhr und 14 Sekunden. "Zu spät", erwidert der Pilot. Dennoch fliegt die Concorde eine Linkskurve in Richtung auf den nahen Militärflughafen. Motor eins verliert Leistung. Der Tower informiert die Feuerwehr, dass die Concorde auf dem Flughafen Charles-de-Gaulle landen solle. "Negativ, wir versuchen Le Bourget" antwortet der Kopilot um 16.44 Uhr und 22 Sekunden. Neun Sekunden später endet die Aufzeichnung. Die Concorde stürzt mit 109 Menschen an Bord auf ein Hotel in Gonesse, mehr als 90 Tonnen Kerosin explodieren. Am Boden kommen vier Menschen um.

Die Ermittler betonen, die Besatzung habe sich weder über das Ausmaß des Feuers klar werden können noch sei sie in der Lage gewesen, den Brand zu bekämpfen. Ein einfacher Zwischenfall wie ein platzender Reifen, der sich wiederholen könne, habe in kurzer Zeit katastrophale Folgen gehabt, die von der Besatzung nicht zu meistern gewesen seien. Den zwölf verbliebenen Concorde-Maschinen von Air France und British Airways ist mittlerweile die Flugerlaubnis entzogen worden. Die endgültige Klärung der Ursache für den Absturz der Concorde dauert möglicherweise noch Jahre.

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