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„Concordia“-Unglück : Suche nach Vermissten eingestellt

Die Suche nach vermissten Personen an Bord des gekenterten Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" wurde eingestellt. Die Sicherheit der Taucher kann aufgrund der anhaltenden schlechten Wetterbedingungen nicht mehr gewährleistet werden.

Die Insel Giglio mit dem Unglücksschiff bei Nacht.
Die Insel Giglio mit dem Unglücksschiff bei Nacht.Foto: Reuters

Die Suche nach Vermissten im Wrack der „Costa Concordia“ ist endgültig eingestellt worden. Die Suchaktionen im Inneren des Schiffs würden aus Sorge um die Sicherheit der Taucher beendet, sagte ein Sprecher der italienischen Feuerwehr. 17 Tote wurden bislang aus dem vor der Toskana-Insel Giglio havarierten Schiff geborgen, 15 Menschen werden noch vermisst, darunter sechs Deutsche.

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Beim Kentern des Kreuzfahrtschiffs „Costa Concordia“ vor der Küste Italiens ist auch die zweite als vermisst gemeldete Frau aus Baden-Württemberg ums Leben gekommen. Die 66-Jährige aus Achstetten sei unter den Toten identifiziert worden, sagte ein Polizeisprecher in Biberach am Dienstag. Am Montagabend habe das Bundeskriminalamt unter Berufung auf italienische Behörden die Polizeidirektion darüber informiert. Bereits am Montag hatte das Landeskriminalamt den Tod einer 71-Jährigen aus Neuffen bestätigt.

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Das Unglück der "Costa Concordia" in Bildern:

Das Kreuzfahrt-Unglück vor der Toskana
Am Sonntag jährt sich die Harvarie der Costa Concordia zum ersten Mal, bei der an Bord des Kreuzfahrtriesen 32 Menschen getötet wurden. Erwartet werden die Angehörigen der Todesopfer und ein Teil der rund 3200 Überlebenden, vor allem Deutsche, Franzosen und einige Peruaner.Weitere Bilder anzeigen
1 von 86Foto: Reuters
12.01.2013 14:21Am Sonntag jährt sich die Harvarie der Costa Concordia zum ersten Mal, bei der an Bord des Kreuzfahrtriesen 32 Menschen getötet...

Das Auswärtige Amt meldet mittlerweile insgesamt drei deutsche Todesopfer des Schiffsunglücks, die identifiziert sind. Die Zahl der vermissten Deutschen liege nun bei neun, sagte eine AA-Sprecherin am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. Zur genauen Herkunft der Opfer machte sie keine Angaben. Unter den drei Toten sei auch das bereits von den italienischen Behörden gemeldete deutsche Opfer. Die Rettungskräfte auf dem gekenterten Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia“ haben die Hoffnung, weitere Überlebende zu finden, aufgegeben.

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Nach dem Schiffsunglück vor Italien sind nach Angaben des Auswärtigen Amtes zwei deutsche Todesopfer identifiziert. Zehn Deutsche würden noch vermisst, sagte eine AA-Sprecherin am Mittwoch. Unter den beiden Toten sei auch das bereits von den italienischen Behörden gemeldete deutsche Opfer. Als vermisst gilt zur Zeit auch noch ein gehbehindertes Paar aus Adlershof.

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Der schwer beschuldigte Kapitän des havarierten Kreuzfahrtschiffes „Costa Concordia“ ist nach dem Schiffbruch beim Telefonieren mit Freunden abgehört worden. Die römische Tageszeitung „La Repubblica“ zitierte am Mittwoch aus den Gesprächen.

„Sowie das Schiff begonnen hat sich zu neigen, habe ich mich heruntergestürzt“, soll Schettino laut Zeitung gesagt haben. „Ein anderer an meiner Stelle wäre nicht so gnädig gewesen, dort längs zu fahren, damit sind sie mir auf den Sack gegangen“, habe er am Telefon berichtet. Er machte deutlich, dass ein nicht namentlich genannter „Manager“ in höchstem Maße insistiert habe, die Verbeugung genannte nahe Route an der Insel Giglio vorbei zu nehmen: „Fahr, fahr dahin, die Untiefe dort war nicht von den Instrumenten angezeigt, die ich zur Verfügung hatte, und wir sind da längs gefahren(...), um auf den Manager zu hören, fahr dahin, fahr dahin.“

Achtung, Lauschangriff: Der Kapitän des Unglücksschiffs "Costa Concordia", Francesco Schettino.
Achtung, Lauschangriff: Der Kapitän des Unglücksschiffs "Costa Concordia", Francesco Schettino.Foto: Reuters

In einem weiteren abgehörten Gespräch soll Schettino dem Blatt zufolge auf den Felsen zu sprechen gekommen sein, der der „Costa Concordia“ zum Verhängnis geworden ist: „Was soll ich Dir sagen, (...) wir fahren, um Giglio zu begrüßen, fahren, um Giglio zu begrüßen... es gab da einen hervorstehenden Felsen, den haben wir nicht gesehen, und wir sind draufgefahren. (...). Ich habe den nautischen Karten vertraut....“

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Eine seit der Havarie des Kreuzfahrtschiffes „Costa Concordia“ als vermisst gemeldete Frau aus Ungarn ist nach offiziellen Angaben bereits seit drei Jahren tot. Die Behauptungen der Angehörigen entbehrten jeder Grundlage, da die betroffene Frau vor drei Jahren verstorben sei, teilte das ungarische Außenministerium am Montag mit. Die Angehörigen der Frau hatten zuvor Kontakt mit den Rettungskräften in Italien aufgenommen und angegeben, sie hätten mit ihr telefoniert, als sie sich angeblich auf dem Schiff befand.

Da der Name der Frau nicht auf der Passagierliste stand, hatte es Spekulationen über eine ungewisse Zahl von blinden Passagieren auf der „Costa Concordia“ gegeben. Der Kreuzfahrtanbieter Costa Crociere wies diesen Verdacht zurück. Alle Menschen an Bord müssten sich strengen Kontrollen unterziehen, sobald sie das Schiff betreten, teilte das Unternehmen mit. Dabei werde ein Foto gemacht, das mit einem Strichcode auf der Bordkarte kombiniert werde. Die Liste mit den Passagieren werde wiederum an die Firmen-Zentrale geleitet. Verstöße gegen diese Vorschriften würden mit „disziplinarischen Maßnahmen“ geahndet. (AFP)

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Zu den Kuriositäten der Havarie der "Costa Concordia" gesellt sich eine weitere Meldung: Wie das Nachrichtenportal "Der Westen" online berichtet, soll die Supermarkt-Kette Edeka in einem aktuellen Werbeprospekt für ein Angebot auf dem Kreuzfahrtschiff geworben haben. Jugendliche könnten demnach in den 1500 luxuriösen Kabinen des Luxus-Dampfers gratis mitfahren, heißt es. Edeka bedauere die Panne.

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Der italienische Zivilschutz hat grünes Licht für das Abpumpen des Treibstoffs aus der havarierten „Costa Concordia“ gegeben. Die Aktion sei genehmigt worden, sagte Behördenchef Franco Gabrielli am Montag auf der Insel Giglio. Gleichzeitig solle die Suche nach weiteren Opfern des Unglücks fortgesetzt werden. Das vor der Küste der Toskana-Insel auf der Seite liegende Schiff sei „stabil“, es gebe keine Gefahr, dass es in die Tiefe rutsche, fügte Gabrielli hinzu. Im Wrack des am 13. Januar auf einen Felsen gefahrenen Luxusliners befinden sich rund 2400 Tonnen Treibstoff. Zur weiteren Durchsuchung der „Costa Concordia“ hatten italienische Taucher zuvor ein neues Loch in das Wrack gesprengt. Durch die Lücke zwischen den Decks vier und fünf wollten die Einsatzkräfte Zugang zum Restaurant-Bereich erhalten, wo noch Opfer der Katastrophe vermutet werden.

Taucher haben zwei weitere Leichen im Inneren des Kreuzfahrtschiffes „Costa Concordia“ gefunden. Bei den Toten handele es sich um Frauen, teilten die Bergungsmannschaften am Montag auf der Insel Giglio mit. Damit sind insgesamt 15 Leichen geborgen, 8 davon wurden identifiziert. Die beiden Frauen seien auf Deck des havarierten Schiffes entdeckt worden, teilte Krisenstabsleiter Franco Gabrielli mit. Die Rettungstaucher werden sich bei der Suche weiter auf das Deck konzentrieren, wie ein Feuerwehr-Kommandant berichtete.

Rund 20 Menschen werden noch vermisst, darunter auch ein Paar aus Berlin. Möglicherweise liegt die Zahl der Vermissten höher, weil es blinde Passagiere an Bord gegeben haben könnte.

Zehn Tage nach dem Unglück wurden die Chancen, noch Überlebende zu finden, jedoch als äußerst gering bewertet. Zur Verstärkung der Suchmannschaften wurde auch ein Spezialschiff erwartet, das mit Hochauflösungskameras den Meeresboden absuchen soll.

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Fragen wirft weiter das Verhalten von Kapitän Francesco Schettino in der Unglücksnacht auf. Zeitungsberichten zufolge soll er zum Zeitpunkt der Kollision des Luxusliners mit einem Felsen abgelenkt gewesen sein, weil eine kleine Gruppe von Leuten auf der Brücke stand und sich unterhielt. Schettino habe mit ihnen gescherzt, während das Schiff zu schnell gefahren sei, hieß es.
Unklar ist weiter auch, ob die „Verbeugung“ vor der Insel Giglio durch das sehr nahe Vorbeifahren der „Costa Concordia“ von der Betreibergesellschaft genehmigt und gewünscht war oder nicht. Das Unternehmen dementiert dies und gibt Schettino die alleinige Verantwortung für das gefährliche Manöver.

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Nach der Tragödie des Kreuzfahrtschiffes „Costa Concordia“ vor der italienischen Küste vermuten die Behörden inzwischen, dass sich mehrere blinde Passagiere an Bord befunden haben könnten. Zivilschutz-Einsatzleiter Franco Gabrielli erklärte, dass die am Sonntag entdeckte Leiche einer Ungarin nicht in den offiziellen Listen eingetragen gewesen sei. Vier weitere Leichen seien bisher ebenfalls nicht identifiziert worden, anhand der Passagierlisten sei dies nicht möglich. Wegen dieser Ungenauigkeiten müsse noch von mindestens 24 Vermissten ausgegangen werden.

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Eine Woche nach dem Schiffsunglück vor Italien gibt es kaum noch Hoffnung auf Überlebende. Taucher suchten am Donnerstag unter Hochdruck vor der Insel Giglio nach Vermissten. Doch Meteorologen warnten vor starken Winden und schwerem Seegang, die das havarierte Schiff sinken lassen könnten. Experten bereiteten das Abpumpen des Treibstoffes der „Costa Concordia“ vor. Neue italienische Berichte über die Zustände an Bord lenkten den Blick auch auf blinde Passagiere auf der „Costa Concordia“ waren. Auf der Kommandobrücke soll eine mysteriöse Frau gesehen worden sein. (AFP/dapd/dpa)

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