Welt : Constantin von Jascheroff

Der erste richtig warme Tag in diesem Frühling. Cabriowetter. Der aufgepimpte BMW blitzt in der Sonne. Constantin von Jascheroff poliert ihn frisch für die erste Oben-Ohne-Fahrt des Jahres. Der junge Schauspieler und Musiker freut sich auf die langersehnte Spritztour mit offenem Verdeck und funkelnden Sommerfelgen.

Eine idyllische Gegend im Grünen. Satte Natur, schöne Gärten. Es ist ruhig, aber trotzdem zentral. Kudamm und Schlossstraße sind nur fünf Minuten entfernt. Seit einem Jahr lebt Constantin von Jascheroff mit seiner Freundin in dieser friedlichen Reihenhaussiedlung, wo ein Häuschen dem anderen gleicht. Die meisten sind denkmalgeschützt, so auch Constantins Domizil. Der junge Schauspieler ist ein Familienmensch. Sein Vater lebt um die Ecke. Nur eine Minute Fußweg entfernt. Bei ihm ist er aufgewachsen. Sein älterer Bruder Felix, Serienstar bei „Gute Zeiten - Schlechte Zeiten“ wuchs bei der Mutter auf. Constantin ist kein Mitte/Prenzlauer Berg Typ. Er braucht einen Ruhepol, das Heimelige. Conna - so nennen ihn seine Freunde - genießt seine freie Zeit mit seiner Partnerin, seiner Familie oder beim Musikmachen. „Ich liebe es, morgens um acht Uhr aufzustehn, den Tag zu nutzen“, den nutzen wir heute gemeinsam. Constantins Lieblingslokal ist der Alte Krug (1). Den gibt es seit über hundert Jahren in Dahlem. Niveauvolle Küche zu erschwinglichen Preisen. „Die altdeutsche Küche im Alten Krug ist supergeil: Rinderroulade, Fladen mit Speck, Kartoffeln - und es gibt ein Mittagsmenü.“ Im Sommer sitzt er draußen im grünen Biergarten, umgeben von lauter „netten, kultivierten Menschen“. Nebenan ist die Luise. Da hat er seinen ersten Absinth getrunken mit vierzehn. Constantin bezeichnet sich selbst als leidenschaftlicher Koch. Seine Spezialität: Spaghetti mit exquisiten Soßen oder Hühnerfrikassee. Für aufwendigere Gerichte ist seine Freundin zuständig. Das Schöne am Kochen: „Ich weiß, was drin ist.“ Momentan textet Conna einen kritischen Song über Ernährung. Musik macht er schon immer, mittlerweile hat er ein eigenes kleines Tonstudio. Damit er immer eine Sicherheitskopie hat von seinen Songtexten, Musiksachen, Verträgen und anderen wichtigen Unterlagen, besucht Constantin regelmäßig den Copyshop in der Königin-Luise-Straße (2). Ab und an muss er etwas für seine Freundin kopieren, wie heute. Die freundlichen Mitarbeiter kennen den sympathischen, zielstrebigen Künstler, der einer Schauspielerfamilie entspringt - auch seine Großeltern stehen auf der Bühne. Sein Vater Mario musste ihn früher stets in seinem Enthusiasmus bremsen, damit Conna den Sprung vom Kind zum Jugendlichen bis zum Erwachsenen ungehindert meistern konnte. Papa Mario treffen wir im Pluta Gartenbau (3). Ein kleines Blumen- und Pflanzenparadies in Dahlem. Gemeinsam mit Familienfreund Stephan schlendert Connas Papa übers Gartenbaugelände auf der Suche nach schönen Gewächsen. „Das sind meine Jungs“, strahlt Conna. Mario von Jascheroff arbeitet als Schauspieler und Regisseur; er ist bekannt als Synchronstimme von Mickey Maus. Sein Papa ist sein Vorbild. „Mit elf schenkte er mir ein Mischpult samt Mikro, jetzt hat er mein aktuelles Album mitproduziert.“ Inspiration für seine Songtexte schöpft Conna gegenüber in der malerischen Domäne Dahlem (4) - Deutschlands einziger Bauernhof mit U-Bahn-Anschluss. Ein Anfass- und Anschaubauernhof mit allerlei Tierchen wie Kühe, Schafe, Ziegen, Schweine, Enten, Hühner, Truthähne, Bienen, Pferde und Ponys - artgerecht gehalten. Die Hofanlage beherbergt eine eigene Backstube, Käserei, Töpferei, Stöberstände, einen Hof- und Bioladen. Regelmäßig werden Feste und Konzerte veranstaltet. Constantin ist Dauerbesucher des idyllischen Anwesens mitten in der Stadt. „Wenn ich Ärger mit der Freundin habe oder arbeitstechnisch zuviel Input, seile ich mich ab in die Domäne Dahlem.“ Ablenkung schenkt ihm auch sein liebstes Spielzeug: sein schwarzer 3er BMW (5). Ein echtes Unikat. Seit zwei Jahren bastelt er an dem 320 PS starken Geschoss schon herum „Mein Auto ist meine Augenweide!“, schwärmt Constantin. Der röhrende Alpina Auspuff ist unüberhörbar. Aus den Boxen dröhnen hämmernde Beats seines Debütalbums „Citydreams“. Wir cruisen vorbei an dem „coolsten Sticker Berlins“ (6). Einer von 10.000 dieser Sticker in der Hauptstadt, 30.000 wurden in ganz Deutschland verklebt. An Mülleimern, Ampeln, Automaten, Schildern, Wänden, Litfasssäulen, Toilettenhäuschen - „das ist Street Promo“. Seit Anfang des Jahres ist der vielseitige Künstler bei Warner gesigned. Als junges Rapduo präsentieren Conna und sein Kollege Doem mit ihrem aktuellen Album „Citydreams“ einen vom harten Untergrundrap losgelösten Stil: Urban Pop. Berliner Schnauze mit Ironie und Wortwitz. Seine Sorgen, Ängste und Probleme verarbeitet er in den Songtexten. „Musik ist meine Leidenschaft, ohne kann ich nicht mehr leben.“ Constantins Tonstudio (7) befindet sich in der obersten Etage seines schnuckeligen Häuschens direkt unter der Dachschräge. Es ist mollig warm. Selbstgemalte Bilder seiner Mama hängen an den Dachbalken. Pflanzen klettern die hölzernen Säulen empor. In der Ecke ruhen zwei Buddhafiguren. Eine heimelige Atmosphäre trotz der geballten Ladung technischer Gerätschaften. Der junge Künstler lebt nach Feng Shui und meditiert zur Entspannung. Zum Austoben geht’s hinters Haus in den Garten. Da steht sein großes rundes Trampolin (8). Es ist perfekt zum Üben von Vor- und Rückwärtssaltos. Constantin war auf dem besten Weg, ein professioneller Inlineskater zu werden, belegte sogar Platz 17 bei der Deutschen Meisterschaft im Streetskaten, bis er sein Knie um 360 Grad verdrehte - aus der Traum einer Profi-Skatekarriere.

Heute genießt Connas elfjährige Plüschkatze Shiva schnurrend das Sonnenbad auf dem Trampolin. Constantin schwingt sich in sein Cabrio, um die letzten Sonnenstrahlen des ersten warmen Frühlingstages auszukosten.

Sophie Guggenberger

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