Cosa Nostra und Co. : Der Kampf gegen die Mafia

RomDer Begriff Mafia ist im 19. Jahrhundert auf Sizilien entstanden und bezieht sich heute auf die in Italien vertretenen kriminellen Organisationen Cosa Nostra (Sizilien), Camorra (Kampanien), 'Ndrangheta (Kalabrien) und Sacra Corona Unita (Apulien). Nach den beiden Weltkriegen wurde 1945 die traditionelle von einer neuen Mafia mehr oder weniger abgelöst. Der Kampf des italienischen Staates gegen die Mafia war dabei über lange Jahre von einer unentschlossenen bis gleichgültigen Haltung geprägt. Erst als 1980 ein gewaltiger Mafiakrieg des brutalen Corleone-Clans gegen die Clans aus Palermo ausgebrochen war, gingen die Strafverfolgungsbehörden im Land in die Offensive.

Als Reaktion auf die Terrorwelle wurde der General Alberto Dalla Chiesa 1982 als Präfekt der Provinz Palermo eingesetzt. Er begann erstmals damit, eine wirksame Infrastruktur für die Bekämpfung der Mafia aufzubauen, auch wenn er keine große Unterstützung des Staates erhielt. Seine Ermordung am 3. September 1982 nach nur 100-tägiger Amtszeit zeigte, dass die Mafia in ihm einen ernstzunehmenden Gegner sah. Der enorme öffentliche Druck führte schließlich zur Einrichtung eines zentralen Hohen Kommissariats für den Kampf gegen die Mafia mit den von Dalla Chiesa geforderten Kompetenzen.

Überläufer als Kronzeugen

Zudem wurde das sogenannte "La-Torre-Gesetz" verabschiedet, welches erstmals die bloße Zugehörigkeit zur Mafia als Straftatbestand wertet. Sein Erfinder, der Abgeordnete Pio La Torre, wurde 1982 ebenfalls von der Mafia ermordet. Das Gesetz und die Antimafiakommission erlaubten eine effektivere Verfolgung auch im Bereich der Politik. Zudem gelang es den Strafverfolgungsbehörden Überläufer (pentiti) als Kronzeugen zu gewinnen, allen voran Tomasso Buscetta, der durch seine Aussagen erstmals tiefe Einblicke in die sizilianische Cosa Nostra gab.

Buscetta kam ins Zeugenschutzprogramm und erhielt eine Gesichtsoperation. Durch seine Aussagen kam es von Februar 1986 bis Dezember 1987 in Palermo zu einem Maxi-Prozess, bei dem 400 mutmaßliche Mafiosi - darunter auch der lange Jahre flüchtige Salvatore "Toto" Riina - angeklagt waren.

Heute gilt der ehemalige Oberstaatsanwalt von Palermo, Piero Grasso, als wichtigster Mafia-Jäger Italiens. Seiner Arbeit sind zahlreiche Erfolge zu verdanken, darunter auch 2006 die Festnahme des über 40 Jahre flüchtigen wichtigsten Mafia-Bosses Bernardo Provenzano durch Spezialeinheiten der Polizei. "Wir haben die Mafia in die Knie gezwungen", ist Grasso überzeugt. (mit dpa)

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