• Costa Concordia: Wie das überlebende Berliner Ehepaar Jutta und Joachim Neumann die Bergung erlebte

Costa Concordia : Wie das überlebende Berliner Ehepaar Jutta und Joachim Neumann die Bergung erlebte

Sie haben das Drama überlebt: das Berliner Ehepaar Jutta und Joachim Neumann aus Kladow. Sie waren auf der Costa Concordia, als das Kreuzfahrtschiff vor der Insel Giglio havarierte. Was sie heute sagen.

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Es lässt sie nicht los. Jutta und Joachim Neumann aus Kladow.
Es lässt sie nicht los. Jutta und Joachim Neumann aus Kladow.Foto: Paul Zinken

Schon seit Tagen gibt es in ihrem Laden nur ein Thema: Die Bergung der „Costa Concordia“. Jutta Neumann ist in Kladow, einem Dorf tief im Süden des Berliner Bezirks Spandau, eine kleine Berühmtheit. Sie hat seit Jahren einen Schreibwarenladen und verkauft dort für ein paar Centstücke bunte, saure, leckere Süßigkeiten – was die Kinder zu schätzen wissen, aber das nur am Rande.

Nachbarn in Kladow brachten Jutta und Joachim Neumann Blumen am Tag der Bergung

So richtig bekannt wurde Jutta Neumann, 68, erst durch das Drama im Mittelmeer: Jutta und Joachim Neumann gehören zu den Überlebenden der Katastrophe vom Januar 2012. Sogar Blumen wurden ihr am Tag der Bergung in ihren Laden gebracht, eine „Aufmunterung“ der Nachbarn. An Bord des Schiffes befanden sich acht Berliner, ein gehbehindertes Paar aus Adlershof überlebte die Tragödie nicht.

„Natürlich tauchen jetzt wieder alle Erinnerungen an das Unglück auf“, erzählt Jutta Neumann. „Ich gehe mit den Bildern ins Bett und mache morgens wieder den Fernseher an.“ So könne sie die Ereignisse verarbeiten, die sie seit dem 13. Januar 2012 jeden Tag beschäftigen würden. Sie denke zurück an die Zaubershow im Theatersaal zwei Stunden vor dem Aufprall auf dem Felsen, an ihre Buchung von zwei Landausflügen oder an die feierliche Verabschiedung des Kapitäns vom Schiff. Er habe am nächsten Tag einen anderen Kreuzfahrtdampfer übernehmen sollen. Gegen 21.45 Uhr habe es dann einen fürchterlichen Knall gegeben. Das Schiff sei in Schieflage geraten.

Sie haben Geld, Gepäck, Schmuck und ein iPhone zurückgelassen

Gepäck, Geld, der Bernsteinschmuck aus der Kurischen Nehrung und das iPhone lagen noch in der Kabine im dritten Stock. Die Reederei hatte allen Passagieren mitgeteilt, dass die Kabinen und die Tresore in Begleitung der italienischen Staatsanwaltschaft nach dem Aufrichten des Schiffes geöffnet würden. „Viel Hoffnung auf Rückgabe unserer Sachen habe ich nicht, aber vielleicht funktioniert ja mein Handy noch“, sagt sie.

Um große Schiffe macht das Ehepaar Neumann seit dem Unglück einen Bogen. Eine Fahrt über den Wannsee habe schon etwas Überwindung gekostet. „Leider trauen wir uns nicht mehr auf ein Kreuzfahrtschiff“, sagt Neumann. „Da sitzt die Angst zu tief. Dabei habe ich Kreuzfahrten vor allem wegen der vielen Erlebnisse auf den Landausflügen geliebt. Ich hatte nach der Fahrt mit der ‚Costa Concordia’ sogar schon die Tour von Warnemünde nach St. Petersburg gebucht. Aber auf so einen großen Dampfer wagen wir uns wohl nie wieder.“ Claus-Dieter Steyer

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