Welt : Cunanan ist tot

Im Hausboot eines Deutschen erschossen aufgefunden MIAMI (dpa/rtr/AP).Er hatt am Schluß noch vier Schüsse in seiner Waffe.Jetzt ist der mutmaßliche Mörder des italienischen Modeschöpfers Gianni Versace, der 27jährige Andrew Cunanan, tot.Er hat sich wahrscheinlich selbst erschossen, als er in die Enge getrieben wurde.Seine Leiche wurde in einem Hausboot in Miami Beach gefunden, das dem Deutschen Torsten Reineck gehört.Es liegt im "Indian Creek" nur vier Kilometer von der eleganten Villa in South Beach entfernt, wo Cunanan vermutlich Versace aus bisher unbekanntem Motiv getötet hat.Über die Beziehung zwischen Cunanan und Reineck ist nichts bekannt. Richard Barreto, dem Polizeichef von Miami Beach, war die große Erleichterung anzumerken, als er am frühen Donnerstag morgen bekanntgab: "Unsere Bürger im ganzen Lande können heute Nacht aufatmen.Die Herrschaft des Terrors, die Andrew Cunanan über uns gebracht hat, ist vorüber." Außer Versace soll der 27jährige homosexuelle Callboy vier weitere Männer umgebracht haben. Die Identifizierung Cunanans gestaltete sich äußerst schwierig, weil er sich bei seinem Selbstmord ins Gesicht schoß.Es wurde völlig verstümmelt, wie ein Fernsehreporter berichtete, der das Hausboot betreten durfte.Die Polizei brauchte zehn Stunden, um ihn zu identifizieren.Dies gelang dann anhand der Fingerabdrücke. Nach einer der größten Fahndungen in der amerikanischen Kriminalgeschichte kam das Ende eher zufällig.Ein Hausmeister wollte am Mittwoch nach dem zweistöckigen blauen Hausboot mit einer Wohnfläche von fast 280 Quadratmetern sehen, als er einen Schuß hörte.Er glaubte, er sei das Ziel gewesen und alarmierte die Polizei.Mehr als 100 Beamte umzingelten das Boot und riefen immer wieder: "Kommen Sie heraus." Erfolglos. Nach vier Stunden setzte ein schwerbewaffnetes Sonderkommando Tränengas ein und stürmte das Hausboot.Kurz zuvor war nach Zeugenberichten auf dem Boot ein Schuß gefallen.Es könnte der Schuß gewesen sein, mit dem Cunanan sich selbst erschossen hat.Neben seiner Leiche wurde eine großkalibrige Pistole gefunden, die der Waffe ähnelt, mit der Versace und zwei andere Opfer getötet wurden. Zunächst fand die Polizei im Dunst der Tränengasschwaden niemanden.Zweimal durchsuchte sie das Boot erfolglos.Erst beim dritten Mal stießen die Beamten im Obergeschoß des Bootes, in dem sich die Schlafräume befinden, auf einen Toten.Kopf und Gesicht wiesen nach Angaben eines Beamten schwere Schußverletzungen auf, so daß eine sofortige Identifizierung unmöglich war.Erst die Fingerabdrücke brachten Klarheit. Seit er nach einer Serie von Verbrechen in den Bundesstaaten Minnesota, Illinois und New Jersey in Miami Beach untergetaucht war, hatte er offenbar in einem Hotel und später in mehreren Hausbooten, vermutlich oft ohne Wissen der Besitzer, gewohnt. Die "Washington Post" berichtete, daß sich der deutsche Hausboot-Besitzer Torsten Reineck nach Vermutungen des FBI in Mexiko aufhält.Möglicherweise sei er nach dem Versace-Mord aus Furcht geflohen, er könne das nächste Opfer werden.Ein Freund des Mannes sagte dem "Miami Herald", das Hausboot habe seit Weihnachten leer gestanden; es sei für 250 000 Dollar zum Verkauf angeboten worden. Reineck wird in Deutschland seit über drei Jahren wegen Betrugs und Steuerhinterziehung gesucht.Bei der Staatsanwaltschaft Leipzig liegt gegen den aus Hamburg stammenden Mann seit November 1993 ein EU-weit gültiger Haftbefehl vor.Seitdem ist der 49jährige auf der Flucht.Die Leipziger Staatsanwaltschaft werde nun einen Auslieferungsantrag an die USA prüfen, hieß es. Reineck war nach der Wende von Hamburg nach Leipzig gekommen, um in der sächsischen Stadt das große Geld als Spielhallenbesitzer zu machen.Er galt als "schillernde Halbweltfigur".Er kaufte eine kleine Leipziger Brauerei namens "Leo-Bräu", die jedoch kurze Zeit später in Konkurs ging.Oberstaatsanwalt Röger sprach zudem noch von einem zweiten Vorwurf des Betrugs in Höhe von knapp 200 000 Mark.

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