Welt : Currywurst erobert München Anwaltstrio überquert den Weißwurstäquator

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Es war im Juni, während der Fußball-WM in Berlin, als drei Münchner Anwälte nach dem Verzehr mehrerer Currywürste entschieden: Auf diese Spezialität wollen wir im Süden nicht länger verzichten. Thomas Keller, Sanjay Bakshi und Joachim Menz hatten die Currywurst freilich schon früher entdeckt: „Immer wenn ich in Berlin war, habe ich eine gegessen“, sagt Keller.

Mit ihrem Catering-Service „Curry Sazske“ stürmen die drei Anwälte nun die bisher als Weißwurstbastion berüchtigte bayerische Landeshauptstadt. Serviert wird den Kunden dabei nur eigens aus der Bundeshauptstadt eingeführte Wurst samt Gewürz und Soße. Denn es gebe zwar auch in München etwa fünf Imbisse, an denen Currywurst verkauft werde, sagen die Anwälte – aber die habe nichts mit dem Original zu tun. Seit die Idee des Wurstimports geboren wurde, sind die drei Experten. Mit Leidenschaft erzählen sie, dass eine Currywurst natürlich nicht frittiert oder gegrillt werden darf, dass es auf die richtige Mischung aus Schweinefleisch, Fett, Wasser und Gewürzen in der Wurst mit oder ohne Darm ankomme, dass sie nur mit der Hand geschnitten und nur mit einem akzeptablen Currypulver „bestäubt“ werden dürfe - und dass keinesfalls einfacher Ketchup sie krönen könne.

Immer wieder ließ sich das Trio Päckchen mit Wurstproben und Soße in die Kanzlei schicken. Dort haben sie auch das korrekte Gerät zum Wenden der Wurst im Fett stehen: eine sogenannte Giddleplatte. Die gesamte Bürobelegschaft wurde damit so lange verköstigt, „bis einige gesagt haben, wir können nicht mehr“, erinnert sich Keller.

Denn erst im September trudelte das Paket mit der Erlösung aus Steglitz ein: Den Gaumen der Juristen entzückte das Produkt aus den „Bratpfanne“-Buden von Matthias Mosgraber. Der Berliner freut sich natürlich, den Münchnern echte Wurstkultur beibringen zu können, wie er sagt. Mosgraber lässt sich seine Wurst extra anfertigen, und die Tomatenmarksoße wird selbstverständlich eigens nach Mutterns Rezept angerührt. Sie schmecke sehr rein nach Tomaten und sei sehr leicht, sagt Bakshi. Details verrät er natürlich nicht – das Rezept bleibt geheim.

Die echte Currywurst ist eben Vertrauenssache – und für die im Nebenberuf brutzelnden Anwälte eine Erfolgsgeschichte. Bis zum Jahresende werden sie auf mindestens fünf größeren Catering-Veranstaltungen jeweils bis zu 120 Gäste verköstigt haben. Das war auch das Ziel für den Anfang, denn die Mission geht weiter: Wohl schon ab Januar wird es zusätzlich eine eigene Bude in der Münchner Innenstadt geben. Dort wird es dann ausschließlich mit Liebe zubereitete Original-Currywurst geben – keine Bratwurst, keinen Leberkäs, keine Weißwurst. Nur Brötchen und Pommes kommen als Beilage zu der standesgemäß mit Piekser servierten Spezialität in Frage. Schickimicki dürfe es auch in der Bude auf keinen Fall zugehen: „Die Currywurst ist ein Gericht von der Straße“, sagt Bakshi. Und fügt hinzu: „Das bedeutet aber nicht, dass sie lieblos zubereitet sein muss. Currywurst ist ein superehrliches Essen, und so soll das auch bleiben.“

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