Cyberkriminalität : Gema, Sega, CIA: Ist 2011 das Jahr der Hackerangriffe?

Erst Sony, der IWF, dann der US-Senat und die CIA -  am Wochenende Sega und nun die Gema. Beinahe täglich werden Unternehmen und Behörden Opfer von Hackergruppen. Aber nicht alle haben dieselben Ziele.

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Sony, Gema und selbst die CIA. Die Zahl der Hackerangriffe wächst.Weitere Bilder anzeigen
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20.06.2011 14:23Sony, Gema und selbst die CIA. Die Zahl der Hackerangriffe wächst.

Sie offenbaren Sicherheitslücken, legen zeitweise Webseiten lahm und machen sich lustig über Konzerne und Regierung. Doch Hackerangriff ist nicht gleich Hackerangriff. Neben kriminellen Tätern, die Datensätze stehlen, um sie später im Internet für viel Geld zu verkaufen, gibt es so genannte Hacktivisten, die sich politisch engagieren wollen, anderen Organisationen einen Schaden zufügen oder einfach nur Spaß haben wollen. Einige Hacker wollen auch einfach nur helfen, diese Sicherheitslücken aufzudecken, damit sie geschlossen werden können - diese werden "White-Hat-Hacker" genannt.

"Wir sind ein kleines Team von spaßigen Individuen mit dem Gefühl, dass die Eintönigkeit der Cyber-Community das behindert, worauf es ankommt: Spaß", schreibt die Gruppe Lulzsec auf der Startseite ihres Webauftritts. Sie sind verantwortlich für Angriffe auf Sony und die CIA. Weitere Angriffsziele können der Gruppe über ihre eingerichtete Hotline vorschlagen werden. In einem offenen Brief sollen sie sich jetzt an die Internetgemeinschaft gewandt haben, in dem sie erklären, wieso sie auch bei der drohenden Verfolgung der Justiz nicht aufhören wollen.

Neue Hackergeneration: Anonymous und Lulzsec

Ganz aktuell hat die Gruppe "Anonymous" der Gema den Krieg erklärt. Der Internet-Auftritt des Unternehmens ist derzeit nur sporadisch erreichbar. Hintergrund der Attacken ist der Streit zwischen der Gema und dem Videoportal Youtube. Im Mittelpunkt des Streits stehen die Lizenzzahlungen für das Abspielen von Musikvideos. Die Gema wahrt die Urheberrechte von mehr als 60.000 "Musikurhebern", also Komponisten, Textautoren und Musikverlegern. Sie fordert pro Videoabruf eine Gebühr - auf einer Gema-Preisliste ist von dreizehn Cent die Rede, in den seit 2009 währenden Verhandlungen forderte die Gesellschaft aber geringere Beträge. Der Internetriese hält diese Summe für überhöht, weil sie das Abspielen von Musikstücken zu einem Minusgeschäft mache. Seit einigen Tagen versucht Youtube, den Ärger der Nutzer auf die Gema zu lenken. Wenn das Portal Videos blockiert, verweist es in der Begründung ausdrücklich auf die deutsche Verwertungsgesellschaft. Die Gema hat Klage eingereicht und das sorgt für heftigen Streit zwischen der Gema und dem Youtube-Betreiber Google. Dieser sieht nach der Gema-Klage die Grundlage für weitere Gespräche entzogen. Eine Lösung könne es "nur am Verhandlungstisch und ohne juristische Verfahren" geben, erklärte Sprecher Kay Oberbeck vergangene Woche in Hamburg. Auf absehbare Zeit werde es daher keine Einigung geben.

Das Anonymous-Kollektiv hatte vor allem nach den WikiLeaks-Enthüllungen Attacken auf Organisationen lanciert, die ihrer Meinung nach die Freiheiten des Internets einschränken - und die Gema zählen sie allem Anschein nach dazu. Unklar ist dagegen, wer hinter der Attacke auf die größte Umtauschbörse für das Netz-Geld "Bitcoin" am Montag steht. Die Plattform wurde Opfer eines Hackangriffs und musste ihre Seite vorerst schließen. Offenbar konnten die Hacker die zentrale Datenbank des Geldwechslers entwenden. Mindestens ein Benutzerkonto mit einem größeren Betrag an Bitcoins soll dabei entschlüsselt worden sein. Der Wert der Währung fiel an dieser Börse von umgerechnet 17 US-Dollar in den Cent-Bereich.

Warum Hackergruppen schwer zu greifen sind, erfahren Sie auf der nächsten Seite.

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