Welt : Dagobert Dieb

Der Zeitungsmogul Conrad Black soll mit seiner geliebten Ehefrau umgerechnet 500 Millionen Dollar abgezweigt haben

Matthias Thibaut[London]

„Summer Drinks“ 13858 Pfund, 50000 Pfund für die Reparatur des Rolls-Royce. Das sind einige der Spesenposten, die der Londoner „Daily Telegraph“ seinem früheren Eigner Conrad Black erstatten musste. Genüsslich listeten Journalisten des Blattes auf, was der über einen Finanzskandal gestrauchelte Ex-Eigner die Zeitung so alles kostete: Concordereisen, Parties, Blumen für seine Frau – und 424861 Pfund für „Lord Blacks Londoner Personal“. Das ist nur die Spitze des Eisbergs. Ein 500-Seiten-Bericht untersuchte das Finanzgebaren des von der Queen geadelten Kanadiers und kam zu sensationellen Ergebnissen. Es ging nicht nur um die acht Millionen Dollar unautorisierter Zahlungen, die vor Jahresfrist Blacks Sturz und den Verkauf des „Telegraphs“ und der anderen Zeitungen der Holding „Hollinger International“ auslösten. Umgerechnet 500 Millionen Dollar sollen Black und seine glamouröse Frau, die Journalistin Barbara Amiel, für persönliche Zwecke aus der Unternehmenskasse abgezweigt haben. Vom Jogginganzug für die 63-jährige Lady Black bis zum „Happy Birthday Barbara“-Geburtstagsdinner im New Yorker Restaurant La Grenouille. Die Kosten für über 60 Gedecke, Beluga-Kaviar, Lobster und 69 Flaschen Wein: 42870 Dollar.

Nach Enron und Martha Stewart ist der zum Räuberbaron mutierte „Lord Nimmersatt“ Black ein weiterer Fall von Geldgier, der die internationale Unternehmenswelt in Misskredit bringt. Auch andere Hollinger-Direktoren werden in dem Bericht beschuldigt, darunter der frühere stellvertretende US-Verteidigungsminister Richard Perle. Von einer „Kleptokratie“ und „bewusstem Betrug“ ist die Rede. Schon spricht man von langen Prozessen und Gefängnis, auch wenn der 59-jährige Black alles abstreitet.

Aber nicht einmal Blacks geprellte Mitaktionäre würden behaupten, dass hier ein gewöhnlicher Schurke am Werk war. Der glühende Verehrer des angelsächsischen Kapitalismus ist Autor einer 1300-Seiten-Biografie Franklin Roosevelts. Mit seiner Frau stand er ganz oben auf der „Triple-A-Liste“ der Londoner High Society. Glamour, Geld und Politik verbanden sich zu einer rasanten Mischung und wenn die Blacks in ihrem 13 Millionen Pfund teuren Eigenheim in Kensington Parties feierten, fuhren Minister, Rockstars und die Intelligenz des Landes vor. Wer Black kennt, bescheinigt ihm Takt, Charme, Belesenheit und eine Vorliebe, Gesprächspartner durch ein gewählt-schrulliges Vokabular zu verblüffen. Amiel hatte bei neidischen Kollegen keine so gute Presse. Böse Zungen behaupten, der Stein sei ins Rollen kommen, als Blacks Mitaktionäre den „Vogue“-Bericht über Lady Blacks Londoner Wohnung am Kiosk entdeckten. Da stand Frau Barbara, 63, vor einem Regal mit einem Dutzend Hermes-Taschen und einem Schuhschrank, der eine Imelda Marcos hätte erblassen lassen.

Dann wollten Hollinger-Aktionäre wissen, was Barbara eigentlich für die 1,37 Millionen Dollar tat, die sie in ihren sieben Jahren als Vizepräsidentin von Hollinger International erhielt. „Beurteilung von Hollingers Konkurrenzpublikationen“ und „Kultivieren von Kontakten“ erklärte Amiel. „Zeitung lesen und Lunchen“ interpretierte das der nun veröffentlichte Bericht.

Nun wird Black als Möchtegern-Citizen-Kane beschrieben, als Millionär, der sich wie ein Milliardär aufführte. Aber hat der Skandal nicht auch einen romantischen Kern? „Er kümmert sich um mich. Das hatte ich nie“, soll Barbara Amiel über Black gesagt haben. Der Mann liebt seine eigene Frau.

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