Welt : Damien Hirsts letzter Schrei

Matthias Thibaut[London]

„Dieses Restaurant wird es länger geben als Sie oder mich“, hatte Großbritanniens Kunstsuperstar Damien Hirst 1998 kurz vor dem Start seines „Pharmacy“-Restaurants prophezeit. Der Künstler und Hobbygastronom täuschte sich. Am Montagabend wurden Kunst, Mobiliar und Einrichtungen des vor einem Jahr geschlossenen Restaurants im Szeneviertel Notting Hill bei Sotheby’s versteigert – und die Preise waren so verrückt, dass nun auch der Plastik- aschenbecher direkt in die Kunstvitrine wandern darf. „Vielleicht war das Restaurant doch ein Erfolg“, kommentierte der Künstler. Die Auktion übertraf mit einer Gesamteinnahme von 16 Millionen Euro alle Erwartungen. Das erste Los, ein Paar Cocktailgläser, um deren Stiele sich eine Schlange wie um den Äskulapstab der Apotheker schlängelt, war eigentlich auf 50 bis 70 Pfund geschätzt. Auktionator Oliver Barker hatte bereits so viele schriftliche Gebote, dass er bei 1000 Pfund begann. Zugeschlagen wurden die beiden Gläser für 4000 Pfund.

Gut zwei Jahre lang trank die Prominentenszene aus solchen Gläsern Cocktails mit Namen wie „Hustensaft“ oder „Anästhesiemischung“. Das als Edelapotheke gestylte Restaurant verband die Lieblingsthemen des Künstlers: Tod, Kunst und Essen. Nach seiner Eröffnung 1998 war das „Pharmacy“ eine Zeit lang der It-Treffpunkt der „Cool Britannia Szene“, ein Ort, an dem man gesehen werden musste. Filmstars wie Madonna und Nicole Kidman, Sammler wie Eli Broad und Charles Saatchi tranken von Barman Dick Bradsell entwickelte Cocktails wie „Pharmaceutical Stimulant“. Tische waren auf Monate hinaus ausgebucht.

Doch als die Celebrities von der B-Liste nachdrängten, wurde das „Pharmacy“ ein Opfer ihres Erfolgs. Einige befürchten schon, der jetzige Rummel könnte Hirsts Kunst mehr geschadet als genützt haben. Denn ein bisschen war es im Auktionssaal doch, als würde nun die B-Liste der Sammler nachrücken.

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