Welt : Damit nichts unwiederbringlich verloren ist

Nach einem Einbruchsdiebstahl zahlt die Hausratversicherung – doch es gibt einige Fallstricke. Ein Blick ins Kleingedruckte.

Susanna Hoke
Fenster und Türen müssen geschlossen sein. Bewohner, die es Einbrechern zu leicht machen und zum Beispiel ein Fenster gekippt lassen, müssen im Ernstfall die Konsequenzen alleine tragen: Im Fall von „grober Fahrlässigkeit“ ersetzt die Hausratversicherung den Schaden nicht. Es sei denn, man schließt dafür eine Extraklausel ab. Foto: dapd
Fenster und Türen müssen geschlossen sein. Bewohner, die es Einbrechern zu leicht machen und zum Beispiel ein Fenster gekippt...Foto: dapd

Der neue Flachbildfernseher, ein Portemonnaie voller Bargeld oder Großmutters Perlenkette – was Diebe bei einem Einbruch mitgehen lassen, zahlt die Hausratversicherung. Dabei lohnt sich ein Blick ins Kleingedruckte.

„Die Hausratversicherung greift nur bei einem Einbruchsdiebstahl, es müssen also Einbruchsspuren an Türen oder Fenstern vorliegen“, sagt Rüdiger Strichau von der Berliner Verbraucherzentrale. Bei einem einfachen Diebstahl aus einer unverschlossenen Wohnung gehe der Bestohlene jedoch leer aus. Einbruchsopfer sollten sich nach der Anzeige bei der Polizei gleich bei ihrer Versicherung melden und eine Liste der gestohlenen Wertsachen vorlegen. Die Versicherung schickt bei größeren Summen einen Sachverständigen, der die Schäden überprüft, oder einen Regulierungsbeauftragten, der erste Schecks für das Notwendigste ausstellen kann. „Wer den Diebstahl nicht unverzüglich anzeigt, riskiert, dass die Zahlung verzögert oder verweigert wird. Dann wird unterstellt, man habe die Feststellung des Schadens verhindert“, betont der Rechtsberater.

Vor allem müssen die Geschädigten nachweisen können, dass sie die Sachen auch wirklich besessen haben. Im Vorteil ist, wer Kaufnachweise aufgehoben, kopiert oder eingescannt hat oder Fotos vorlegen kann. „Aber auch wenn er keine Belege hat, kann der Versicherte seinen Anspruch geltend machen“, sagt Strichau. Hilfreich seien Zeugen, möglich sei auch eine eidesstattliche Erklärung über den Besitz der aufgelisteten Wertsachen. Wenn es keinerlei Nachweise gibt, bieten Versicherungen häufig Pauschalzahlungen an. Wer einen teuren Rechtsstreit vor Gericht vermeiden wolle, könne sich an den Versicherungsombudsmann wenden, rät Strichau. Die Schlichtungsstelle arbeitet unabhängig und für den Verbraucher kostenfrei.

Die Versicherung übernimmt auch die Reparaturarbeiten an Türen und Fenstern. Wer in einer Mietwohnung lebt, muss sich jedoch zunächst an seinen Vermieter wenden, der den Schaden wiederum seiner Versicherung melden muss. Ist die Wohnung oder das Haus vorübergehend nicht bewohnbar, übernimmt die Versicherung häufig auch die Übernachtungskosten. Auch die Kosten für Aufräumarbeiten und Reinigung können geltend gemacht werden. Ein Einbruch ins Hotelzimmer ist im Rahmen der Hausratversicherung ebenfalls mitversichert – dafür gibt es allerdings Summenbegrenzungen.

„Ich bin doch gleich wieder zurück, da wird schon nichts passieren“, denken sich manche und ziehen nur die Tür zu, ohne abzuschließen oder lassen das Badfenster angekippt, wenn sie mal schnell zum Supermarkt gehen. Das aber kann teuer werden. „Die Versicherungsgesellschaften unterstellen dem Versicherten dann eine grobe Fahrlässigkeit, weil er billigend in Kauf nimmt, dass bei ihm eingebrochen werden könnte, und ersetzen nur einen Teil“, sagt der Berliner Versicherungsmakler Berno Schulze vom Templiner Maklerverbund. Anders liegt der Fall, wenn jemand vergisst, Türen und Fenster zu schließen. „Er handelt zwar fahrlässig, aber nicht grob fahrlässig, und bekommt den Diebstahlschaden trotzdem ersetzt“, sagt Schulze. Wer sichergehen will, könne die „grobe Fahrlässigkeit“ zu 100 Prozent mitversichern lassen, denn die Versicherung werde in solchen Fällen immer erst einmal versuchen, nicht zu zahlen.

Problematisch ist es, wenn der Hausrat unterversichert ist: Liegt sein Wert bei 100 000 Euro, aber die vereinbarte Versicherungssumme bei 50 000 Euro, bekommt der Geschädigte auch nur die Hälfte ersetzt. Die Versicherungssumme kann mit einem Pauschalbetrag pro Quadratmeter festgelegt werden, dazu gehört ein sogenannter Unterversicherungsverzicht: Der Schaden wird bis zur vereinbarten Summe ersetzt. Besitzt jemand viele Wertgegenstände, würde die allerdings nicht ausreichen, käme dem Versicherten tatsächlich alles Hab und Gut abhanden. „Daher empfehlen wir, den gesamten Besitz mit Wertermittlungsbögen zu erfassen. Das macht zwar viel Arbeit, aber damit ist ein ausreichender Schutz gewährleistet“, erläutert der Makler. Wer viele Neuanschaffungen tätigt, sollte den Vertrag alle paar Jahre entsprechend anpassen lassen.

Versichert ist der gesamte Hausrat – Möbel, Kleidung, Elektrogeräte, die Einbauküche, auch das Fahrrad, das im verschlossenen Keller steht. Ersetzt wird nicht der Neupreis, sondern der Wiederbeschaffungswert für ein gleichwertiges Produkt. Wertgegenstände sind in der Regel zu 20 Prozent mitversichert. Kunstsammler oder Besitzer wertvoller Möbel sollten diesen Prozentanteil erhöhen oder ihre Stücke individuell versichern. Für Schmuck, Erbstücke oder mehr als 100 Jahre alte Möbel empfiehlt es sich, ein Wertgutachten sowie Fotos anfertigen zu lassen.

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