Darmbakterium : Erster EHEC-Todesfall außerhalb Norddeutschlands

In Nordrhein-Westfalen ist eine 91-jährige Frau an den Folgen einer EHEC-Infektion gestorben. Die Zahl der Neuerkrankungen sei indessen rückläufig, heißt es aus Hamburg.

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Die Darmseuche EHEC hat erstmals einen Menschen außerhalb Norddeutschlands getötet. Im Kreis Paderborn starb am Sonntag eine 91-jährige Frau an den Folgen der gefährlichen Durchfallinfektion. Die Frau habe mehrere schwere Vorerkrankungen gehabt, teilte der Kreis am Montag mit. Es ist der bundesweit elfte Todesfall. Zuvor waren insgesamt zehn Menschen in Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Bremen an dem Erreger gestorben.

Die Herkunft des Erregers ebenso wie die genaue Art des Keims geben den Experten weiterhin Rätsel auf. Verschiedene Behörden auf Landes- und Bundesebene arbeiten an der Aufklärung - haben aber selbst offenbar kaum Informationen. Ein Team des Robert Koch Instituts (RKI) führt in Hamburg weitere Patientenbefragungen durch, um weitere mögliche Quellen zu identifizieren. Für die Lebensmittelkontrolle sind die Länderbehörden zuständig. Beim Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) laufen die Informationen zusammen und werden ausgewertet. Auf dieser Basis werden Empfehlungen ausgesprochen. Auf Nachfrage des Tagesspiegels konnte man bei der BfR aber keine Einschätzung der Lage in Berlin abgeben und verwies auf die Senatsverwaltung. Bei der Senatsverwaltung will man sich erst am Nachmittag äußern. Erwartet werden die Ergebnisse von Lebensmitteluntersuchungen in Berlin und Brandenburg und die Testergebnisse in sechs Verdachtsfällen von EHEC-Erkrankungen.

Zwar ist eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung des gefährlichen Bakteriums möglich. "Bei einem Ausbruch dieser Ausprägung, in dieser Menge und regionalen Verteilung" sei das aber weitgehend auszuschließen, sagte eine Sprecherin des RKI. "Diese Menschen hatten ja keinen Kontakt." Das RKI geht davon aus, dass der Erreger durch den Verzehr von rohem Gemüse in den Körper gelangt. Das Institut hat seine Empfehlung, insbesondere in Norddeutschland auf Gurken, Tomaten und Salat zu verzichten, erneuert.

Wie die Stadt Hamburg am Montag mitteilte, sei die Zahl der Neuerkrankungen erstmals rückläufig. Möglicherweise wird die Ursache des Ausbruchs nie geklärt werden. Tatsächlich ebbten frühere, weitaus weniger dramatischeren EHEC-Wellen meistens ab, bevor die Quelle ausfindig gemacht werden konnte. Den besten Schutz bieten die empfohlenen Hygienemaßnahmen.

Auch Menschen, die keine sichtbaren Krankheitssymptome zeigen, können die gefährlichen Keime in sich tragen und ausscheiden. Dann besteht bis zu einem Monat lang eine Ansteckungsgefahr.

Bundesregierung, Länder und Behörden wollen am Montagnachmittag in einem Spitzentreffen beim RKI über die EHEC-Welle beraten. (mit dpa)

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