Das Bekenntnis des Altkanzlers : Ruth Loah ist eine alte Freundin der Familie

Das öffentliche Bekenntnis des Altkanzlers im "Zeit-Magazin" zu seinem Privatleben kam für viele überraschend. Aber nicht für jeden. Wer ist die neue Frau an seiner Seite?

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War ihm immer eine Hilfe. Ruth Loah im März 2011 mit Helmut Schmidt im Fernsehstudio des NDR. Die beiden kennen sich seit 1955. Sie organisierte Wahlkampf für ihn, schrieb mit ihm Bücher, hütete sein Privatarchiv und stand ihm immer sehr nahe.
War ihm immer eine Hilfe. Ruth Loah im März 2011 mit Helmut Schmidt im Fernsehstudio des NDR. Die beiden kennen sich seit 1955....Foto: dpa

Es ist wohl die kürzeste Antwort, die möglich ist. „Ja“, sagte Helmut Schmidt. Und es ist wohl eine der diskretesten und angemessensten Formen, die denkbar ist. In dem „Zeit-Magazin“-Gespräch mit Chefredakteur Giovanni di Lorenzo ging es unter anderem um die Frage, was einen Menschen zu einem Erwachsenen macht, es ging um Stolz, um Lebenserfahrung, auch um Liebe. Und dann plötzlich die Frage: „Gibt es außer Loki einen Menschen, an den Sie beinahe täglich denken? Helmut Schmidt: „Beinahe täglich denke ich an meine Freundin Ruth Loah.“ Ist sie Ihre neue Lebensgefährtin? „Ja“. Seit wann kennen Sie sie? „Ich kenne sie seit 1955. Sie war mal meine Mitarbeiterin, auch hier bei der „Zeit“. Sie ist eine große Hilfe.“

So kurz dieses öffentliche Bekenntnis auch ist, wie ein Lauffeuer verbreitete es sich am Donnerstag. Auch im Ausland. Es war eine gehörige Überraschung.

Liebevoll bis in den Tod. Schmidt mit seiner Frau Loki. Sie waren 68 Jahre verheiratet.
Liebevoll bis in den Tod. Schmidt mit seiner Frau Loki. Sie waren 68 Jahre verheiratet.Foto: dpa

Für die meisten jedenfalls. 68 Jahre lang war Schmidt mit seiner Frau Loki verheiratet gewesen, von 1942 an bis zu ihrem Tod im Oktober 2010. Das Paar kannte sich seit dem zehnten Lebensjahr. Bis zum Schluss zeigen Bilder von den beiden, wie liebevoll sie auch in der Öffentlichkeit miteinander umgingen. Nach Lokis Tod fragten sich viele, wie er jetzt weiterleben würde ohne seine Frau. Wie er ihren Tod verkraften würde. Schmidt sagte damals: „Ich war unendlich traurig. Und da konnte mich nichts trösten.“ Im „Zeit-Magazin“ bestätigt er nun, dass ihm Ruth Loah eine große Hilfe ist.

Es fällt schwer, sich eine neue Frau an seiner Seite vorzustellen, auch wenn sie Loki in gewisser Weise ähnlich sieht. Menschen, die Helmut Schmidt kennen, erzählen, dass Ruth Loah seit langem zu seiner engsten Umgebung gehört. Sie war seine Sekretärin in seiner Zeit als Hamburger Innensenator, als er 1962 nach der großen Sturmflut bundesweit bekannt wurde.

Sie arbeitete auch später für ihn bei der „Zeit“ und unterhielt sein Privatarchiv in Langenhorn. Ehemalige Mitarbeiter erzählen, wie wertvoll das von ihr betreute Archiv für die Arbeit gewesen ist. Ruth Loah schrieb auch selbst. Unter anderem einen Beitrag für den Sammelband „Kindheit und Jugend unter Hitler“, den Schmidt herausgegeben hat und der im Herbst neu aufgelegt wird. In dem Buch „Wer die Zeit nicht miterlebt hat – Frauenerfahrungen im Zweiten Weltkrieg und in den Jahren danach“ finden sich ebenfalls Schilderungen von Ruth Loah über ihre Kriegsjahre, die sie als Jugendliche in Hannover verbracht hat.

Die Frau war früh mit der Sozialdemokratie verbunden. Ihr Vater, ein Facharbeiter, war im sozialdemokratischen Widerstand tätig, sie selbst, 1933 als Ruth Wilhelm geboren, wurde mit 20 Parteimitglied. Auch arbeitete sie bei der Arbeiterwohlfahrt. Helmut Schmidt hat sich in mehreren Büchern für ihre Mitarbeit bedankt. Auch in Wahlkämpfen war sie für ihn tätig, sie galt als Organisationstalent.

Es gibt eine Anekdote, die „Spiegel online“ aus seinem Buch „Weggefährten – Erinnerungen und Reflexionen“ zitiert. Darin ging es um Fahrten unter anderem zum Europäischen Parlament und zu anderen Zielen: „Ruth Wilhelm fuhr unseren Volkswagen, und wir schliefen auf den Rücksitzen. Jedes Mal trat sie irgendwann ruckartig auf die Bremse und schrie ,Frühstück’, wir rutschten von der Bank, wachten auf und fanden uns vor unserem Lieblingslokal in Maastricht.“

Ruth Loah war der Familie Schmidt immer sehr nahe. Die Deutsche Presseagentur zitiert jemanden aus Helmut Schmidts Umgebung mit dem Satz: „Ruth Loah ist seine langjährige Seelenfreundin. Sie gehörte praktisch zur Familie.“ Und sie verstehe es auch, mäßigend auf den Altkanzler einzuwirken, der heute zwar das größte lebende Vorbild der Deutschen ist, dessen Launen zumindest früher aber wohl ziemlich gefürchtet waren. „Wenn er schlechte Laune hatte, sorgte sie mit ihrer warmherzigen Art dafür, seine Stimmung wieder aufzubessern.“

Sie ist fast 80 Jahre alt, 15 Jahre jünger als er. Sie ist Raucherin.

Vielleicht wird Helmut Schmidt demnächst noch einmal Ja sagen.

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