Welt : Das Blaue vom Himmel

Trittin will Fußball-WM ökologisch gestalten

André Görke

Berlin - Jürgen Trittin sah relativ skeptisch aus, als er im Olympiastadion auf das Knöpfchen drückte. Der Bundesumweltminister sollte am Montag nämlich die Internetseite von „Green Goal“, der Öko-Initiative der Fußball-WM 2006, freischalten. Die Skepsis wich schnell: „Aaaaah!“, sagte Trittin, „es funktioniert ja!“ Doch die Begeisterung war schnell wieder vorbei. Was Trittin auf einer Leinwand gezeigt wurde: Blauer Himmel, grüne Wiesen, ein Fußball, Vogelgezwitscher und Yoga-Musik aus den Boxen. „Hoffentlich schläft da keiner vor dem Computer ein“, murrte Wolfgang Niersbach, der Vizepräsident des WM-Organisationskomitees. Trittin schwieg.

Sicherlich gibt es spektakulärere Animationsfilme in der Fanszene. Auch lässt sich über den gewählten Slogan „Vizeweltmeister 2002 – Umweltmeister 2006“ streiten. Immerhin aber handelt es sich bei „Green Goal“ um eine ehrenwerte Initiative. Wenn am 9. Juni 2006 die WM beginnt, werden mehr als drei Millionen Menschen in Deutschland unterwegs sein. Das damit verbundene Verkehrsaufkommen wird 100000 Tonnen Klimagase verursachen. Also verkündete Trittin: Um den Kohlendioxid-Ausstoß trotz der Fußball-WM wenigstens global nicht zu erhöhen, peile man durch gezielte Projekte in Südostasien und dem nächsten WM-Gastgeberland Südafrika die Einsparung all der Tonnen zur Klima-Neutralität an. Die Kosten von rund einer Million Euro trägt das WM-Organisationskomitee.

Doch auch in den zwölf Fußballstadien ist so einiges geplant. Auf vielen Tribünendächern entstehen Solaranlagen, es wird Pfandbecher auch vor den Leinwänden in den Innenstädten geben und somit weniger Müll. WM-Sponsor EnBW stellt Öko-Strom für das Medienzentrum in München. Und in Berlin sorgen knapp 1,5 Millionen Liter Regenwasser, die in einer Zisterne vor dem Stadion aufgefangen werden, für die Bewässerung des Rasens. Sogar der Fan kann in der Halbzeit beruhigt zur Toilette gehen: Zur WM 2006 spülen die Pissoirs nämlich nur halb so viel herunter wie die Kneipenmodelle – und das auch nur im 20-Sekunden-Takt.

Das WM-Öko-Projekt im Netz unter:

www.fifaworldcup.com

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