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Das deutsche Hirn der Nasa : Jesco von Puttkamer ist tot

28.12.2012 16:47 Uhr
Archivaufnahme aus dem Jahr 1974: Jesco von Puttkamer bei der Erprobung eines Skylab-Raumanzuges in Huntsville, USA.Bild vergrößern
Archivaufnahme aus dem Jahr 1974: Jesco von Puttkamer bei der Erprobung eines Skylab-Raumanzuges in Huntsville, USA. - Foto: dpa

Er war der Mann für die Visionen der ganzen Menschheit: Jesco von Puttkamer dachte über den Himmel hinaus und war für die Zukunft der Raumfahrt zuständig. Jetzt ist der Deutsche in Diensten der Nasa überraschend gestorben.

Deutsch ist schon lange nicht mehr der vorherrschende Akzent bei den Nasa-Ingenieuren. Doch er ist noch da und die letzten Jahrzehnte war es ein Deutscher, der die Visionen der US-Weltraumbehörde entwickelte: Jesco Freiherr von Puttkamer war so etwas wie das Gehirn und eines der bekanntesten Gesichter der Nasa. Jetzt ist der Ingenieur, Forscher, Publizist und Berater mit 79 Jahren unerwartet gestorben.

Von Puttkamer, seit 1967 US-Bürger, war der dienstälteste Mitarbeiter der Nasa. An Ruhestand schien er nicht gedacht zu haben und auch mit fast 80 war er von der Raumfahrt begeistert - und begeisterte andere. Mit seinen vollen grauen Haaren und dem markanten Schnurrbart reiste er um die Welt in Sachen Wissenschaft.

Viele Bilder zeigen ihn im Raumanzug - dabei war er selbst nie da, wo seine Gedanken ständig waren: im All.

Noch vor wenigen Wochen sprach er in Aachen enthusiastisch über das nächste große Ziel der Raumfahrt, den Flug zum Mars, etwa um das Jahr 2035. „Da schicken wir Vorräte los und eine kleine Experimentalfabrik“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Zwei Jahre später sollten Menschen folgen. Die Reise werde zwar sieben Monate dauern, aber: „Die Landung auf dem Mars ist keineswegs eine Landung auf einem Alien-Planeten.“ Das sei wie die Heimkehr in eine Welt, die die Astronauten durch die Forschung bereits kennen.

Von Puttkamer war Visionär und nicht umsonst stand auch Manager auf seiner Visitenkarte. Schließlich musste auch er die Öffentlichkeit und vor allem den US-Kongress als Geldgeber der Nasa immer wieder von der Bedeutung der Milliardenprojekte überzeugen. Der selbst von seiner Mission überzeugte Freiherr versuchte das auf allen Kanälen, trat im Fernsehen auf, sprach auf Kongressen, schrieb Bücher, selbst Kurzgeschichten - und hob immer wieder auch den mahnenden Zeigefinger.

So warf er den Deutschen vor gut 20 Jahren mangelnden Pioniergeist vor. „Wenn heute ein Deutscher sagt, wir stellen mal eine Kosten-Nutzen-Rechnung auf, und die fällt bei uns negativ aus, dann liegt das nicht an der Raumfahrt“, sagte der Wissenschaftler. Damals, zwei Jahre nach dem Fall der Mauer, habe Deutschland eine „ideale Ausgangsposition“ als Brückenbauer zwischen der „raffinierten westlichen Raumfahrttechnologie“ und der „robusten, einfachen sowjetischen Raumfahrt“ gehabt. Doch das Potenzial werde nicht genutzt, Deutschland verpasse seine Chancen.

Puttkamers Wurzeln waren urdeutsch: In Leipzig geboren entstammte er dem alten pommerschen Adelsgeschlecht derer von Puttkamer. Den Zweiten Weltkrieg verbrachte er in der Schweiz. Bald ging er nach Deutschland zurück. Und 1962 in die USA. Die Nasa wurde damals von Wernher von Braun dominiert, und Deutsche traf man in der Raketenschmiede in Huntsville, Alabama, an jeder Ecke. Das Apollo-Mondprogramm, das Weltraumlabor Skylab, die revolutionären Space Shuttles - von Puttkamer war überall dabei. Und selbst im Abspann des ersten „Star Trek“-Films aus dem Jahr 1979 tauchte er auf - als Berater.

„Raumschiff Enterprise“ war von der Gedankenwelt des Jesco von Puttkamer gar nicht so weit entfernt. Denn die letzten Jahrzehnte war er für die Zukunftsprojekte der Nasa zuständig. Begeistert sprach er von den schon bestehenden Projekten: „Mit 16 Nationen auf der Internationalen Raumstation ISS haben wir im All eine Art UNO geschaffen.“

Und noch begeisterter sprach er von den kommenden: Basislager auf dem Mond, ständige Forschungsstationen auf anderen Planeten, Touristenflüge ins All - vielleicht nicht heute, vielleicht nicht morgen, aber letztlich sei es nur eine Frage der Zeit. (dpa)

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