Welt : Das Drei-Millionen-Ticket

WESTMAN-INSELN (rtr).Hunderte Schaulustige haben am Donnerstag auf der isländischen Insel Heimaey begeistert die Ankunft des tonnenschweren Schwertwales Keiko alias "Willy" begrüßt."Keiko ist gut in Form", erklärte der isländische Sprecher der Free-Willy-Stiftung, die den Meeressäuger betreut.Nach neunstündigem Non-Stop-Flug aus dem US-Bundesstaat Oregon sollte das schwarz-weiße Tier in einem schwimmenden Unterwassergehege in der Klettavik-Bucht ausgesetzt werden.Der fünftausend Kilogramm schwere Keiko war 1993 als "Willy" mit den "Free Willy"-Kinofilmen zum bekannten Filmstar geworden, erstaunlicherweise nicht nur bei Kindern.

Berichterstatter aus aller Welt verfolgten gemeinsam mit den Einheimischen die Ankunft des Walfischs, der gar kein Fisch ist, in seiner isländischen Heimat.Schulkinder auf Heimaey, der einzig bewohnten Insel der Westman-Gruppe, hatten extra für Keikos Ankunft schulfrei bekommen.Eine US-Luftwaffenmaschine vom Typ C 17 Globemaster III hatte den Wal in einem maßgefertigten, eiswassergefüllten Container auf die Insel befördert.Das Fahrgestell des Flugzeuges wurde bei der Landung leicht beschädigt.Keiko sollte in seiner Box auf einem Lastwagen zum Hafen verfrachtet und von dort aus mit einem Schlepper zu seiner neuen Behausung transportiert werden.

Keiko war mit zwei Jahren vor der Küste Islands eingefangen und seitdem in Gefangenschaft gehalten worden.Lange Zeit hatte er in einem Vergnügungspark in Mexiko- Stadt zugebracht, wo er sich verschiedene Krankheiten zuzog und Gewicht verlor.In den vergangenen beiden Jahren lebte der Schwertwal in einem Aquarium in Newport in Oregon.Tierschützer hatten sich seit Jahren für die Freilassung Keikos eingesetzt.Die Free-Willy-Stiftung will sich nach eigenen Angaben um die lebenslange Versorgung Keikos kümmern, sollte er nicht eines Tages ausgewildert werden können.

Am Mittwoch waren bei einer isländischen Zeitung erneute Todesdrohungen gegen den Schwertwal eingegangen.Der isländische Meeresbiologe Gisli Vikingsson hatte außerdem Keikos Überlebenschancen in der Freiheit gering eingeschätzt, weil das Tier zu sehr an Menschen gewöhnt sei.Schwertwale bildeten streng gegliederte Familien, in denen das einzelne Tier von der Geburt bis zum Tod seinen festen Platz habe, sagte Vikingsson.Es bestehe die Gefahr, daß Keiko von seinen Artgenossen als Ausgestoßener behandelt werde.

Ein Vertreter der Organisation Greenpeace nannte die Umsiedlung in Newport im US-Staat Oregon in den Nordatlantik in Zeitungsinterviews "ein Unding".Er verwies auf den gewaltigen Aufwand für ein Tier und erklärte, die Mittel hätte man besser für die Walforschung verwandt.

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