• Das einzige Marzipanmuseum der Welt stellt mit Marzipan europäische Geschichte dar

Welt : Das einzige Marzipanmuseum der Welt stellt mit Marzipan europäische Geschichte dar

Anat-Katharina Kalman

Szentendre ist ein kleines romantisches Städtchen, das etwa 15 Kilometer nördlich von Budapest liegt. In Ungarn wird es liebevoll die "Donauperle" genannt, denn mit seinen alten Barockkirchen und Buergerhäusern, mit seinen Bächlein, Brücken und Gassen, zählt es zu den schönsten Städten des Landes. Seit 1994 gibt es hier nun aber noch eine andere Attraktion: nämlich das einzige Marzipanmuseum der ganzen Welt.

Erfunden und eingerichtet wurde es von dem ungarischen Konditor und Bildhauer Karl Szabo, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die europaeische Geschichte in einem Gesamtwerk von 5000 Kilogramm Marzipan zusammenzufassen. Doch nicht Prinz Charles und Lady Diana lächeln hier zuckersüß. Nein, es sind vor allem ungarische und österreichische Helden. Da steht etwa die Büste der reizenden Kaiserin Sissi, die von den Ungarn immer noch sehr verehrt wird. Daneben die Büste des Grafen Szechenyi, dem Budapest seine Kettenbrücke zu verdanken hat, oder aber die von Lajos Kossuth, dem Vater der ungarischen Revolution.

Gleich darüber ein überdimensionales Marzipanbild mit der unvergesslichen Maria Theresia, ihrem Gatten und ihren elf Kindern. Auf dieses Bild ist Karl Szabo ganz besonders stolz, denn, so erklärt er: "Das ist das größte Marzipanbild der Welt. Niemand ist bislang auf den Gedanken gekommen, ein größeres zu machen" In der Tat, es ist ein Meter vierzig lang und ein Meter zwanzig hoch. Fuer die Kleinen gibt es natuerlich auch viel zu bestaunen. Dornroeschen und Schneewitchen laecheln zum Anbeißen lebendig zwischen Aladin mit seiner Wunderlampe und der Schönen und dem Biest. Und nicht zu vergessen, der angebetete Michael Jackson, der die Teenagerherzen höher schlagen läßt. Ihn gibt es in Lebensgröße und ganz aus weißer Schokolade.

Neben Geschichte, Märchenfiguren und Pop-Stars kommen aber auch jene auf ihre Kosten, die sich für Handarbeiten interessieren. Prächtige Gobelinzimmer, folklorische Spitzenmuster, feinste Stickarbeiten... da muss der Besucher schon sehr genau hinsehen, will er sicher sein, dass diese Spitzen auch tatsächlich aus Marzipan und Speisefarbe sind und nicht doch etwa aus Stickgarn. Gegen Neugierige hat Karl Szabo ja auch gar nichts einzuwenden. Ganz im Gegenteil.

Wer gerne dabei sein möchte, wenn solche Marzipanfiguren entstehen, darf einmal pro Woche beim Modellieren und beim Restaurieren zuschauen. Und dabei entdeckt man dann, dass jede Marzipanfigur und jedes Marzipanbild einen Schokoladenkern hat, auf den das Marzipan gestrichen und modellliert wird. Denn Marzipan ist eine schwere, ölige Masse, die sich langfristig verzieht. Karl Szabo möchte aber auf keinen Fall, dass seinen Stars und seinen Sternchen mit der Zeit das Lachen vergeht. In den nächsten Jahren will er sein Marzipanmuseum sogar vergrößern. Last but not least ist dieses durchaus leckere Museum dann auch noch eine Konditorei. So kann sich der Besucher am Ende viele leckere Marzipanfiguren als Knabbersouvenire mitnehmen.

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