Welt : Das erste Mal

Daniel Freudenreich

Kondome sind beim ersten Geschlechtsverkehr das wichtigste Verhütungsmittel für Jugendliche. Nach einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) verhüten 65 Prozent der Jungen beim ersten Mal mit Präservativen. 63 Prozent der Mädchen bestehen beim ersten Mal auf einem Kondom. Zehn Prozent aller Jugendlichen verhüten allerdings trotz weit reichender Sexualaufklärung in Deutschland gar nicht. Diese und andere Ergebnisse aus der Studie "Jugendsexualität" hat die BZgA gestern in Köln vorgestellt.

Das Meinungsforschungsinstitut Emnid hatte mehr als 2500 Jungen und Mädchen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren sowie deren Eltern zum Thema Aufklärung, Sexualität und Verhütung befragt. Wie ein Vergleich mit der vorangegangenen Studie aus dem Jahr 1998 belegt, greifen inzwischen immer mehr Jungen beim ersten Mal zum Präservativ. Lediglich 55 Prozent schützten sich damit vor vier Jahren beim ersten Mal. Den Anstieg um zehn Prozent erklärt BZgA-Sprecherin Marita Völker-Albert vor allem mit verstärkten Bemühungen im Elternhaus, den Nachwuchs aufzuklären. Bei den weiblichen Teenagern hingegen ist die Bereitschaft, beim ersten Mal auf einem Präservativ zu bestehen, verglichen mit der 98er-Erhebung um fünf Prozen gesunken.

Trotz Geschlechtskrankheiten und Warnrufen haben zwölf Prozent der Mädchen und 15 Prozent der Jungen beim ersten Geschlechtsverkehr überhaupt nicht verhütet. Zur Begründung gaben die meisten Jugendlichen an, dass es "zu spontan" passiert sei. Der Anteil hat sich seit 1994 nicht verändert aber im Vergleich zu der ersten "Jugendsexualität-Studie" vor über 20 Jahren verringert. 1980 verzichteten 20 Prozent der Mädchen und 29 Prozent der Jungen beim ersten Mal auf jeglichen Schutz.

Auch wenn die Jungen in Punkto Aufklärung in den letzten Jahren aufgeholt haben, gibt es trotz aller Tendenzen zur Angleichung nach wie vor Unterschiede. Wie verhütet werden soll, erfolgt in der Regel einseitig und geschlechtsspezifisch. Kondome für die Jungs, die Pille für die Mädchen, lautet der elterliche Ratschlag in aller Regel.

Mädchen haben nach der Studie durchschnittlich mit 15,1 Jahren und Jungen mit 14,8 Jahren zum ersten Mal Sex. 1998 lag das Durchschnittsalter jeweils bei 15 Jahren. Jeder dritte Jugendliche im Alter zwischen 14 und 17 Jahren hatte damit schon Geschlechtsverkehr. Allerdings passiert der erste Sex immer öfter ungeplant. Rund ein Drittel der Jungen wurde nach eigenen Angaben von der Entwicklung des Geschehens völlig überrascht. Im Jahr 1980 und Anfang der 90er Jahre lag dieser Anteil nur bei einem Viertel. Unter den Mädchen gab in der aktuellen Studie jede Fünfte an, dass das erste Mal überraschend passierte. Die steigende Zahl der ungeplanten ersten Mals führt die Studie auf das niedrige Alter der Jugendlichen zurück.

Wie die BZgA-Sprecherin mitteilte, wurden die Mädchen erstmals über eventuelle Erfahrungen mit der Pille danach befragt, was nach Angaben der Bundeszentrale "unerwartete" Ergebnisse zu Tage gebracht habe. Bereits acht Prozent der Mädchen haben sie einmal, ein Prozent auch schon mehrmals als Notfallmaßnahme eingesetzt.

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